Der Bierkonsum in Deutschland sinkt seit Jahrzehnten. Die kleine Brauerei Schinkels aus Witzenhausen verzeichnet dennoch ein deutliches Wachstum. Ein Besuch vor Ort zeigt, wie das Familienunternehmen mit Regionalität, Vielfalt und alkoholfreien Getränken gegen den Branchentrend arbeitet.
Wurden 1975 noch rund 150 Liter Bier pro Kopf und Jahr getrunken, waren es im vergangenen Jahr nur noch 84 Liter. Gesundheitsbewusstsein und eine alternde Gesellschaft gelten als Hauptgründe. Die Geschwister Fabio und Sarah Schinkel, die die Brauerei in zweiter Generation führen, sehen darin jedoch keine Abschreckung. Seit 2019 hat sich ihre Produktion verdreifacht.
Was macht das Erfolgsrezept der Brauerei aus?
„Wir sind nicht nur eine Brauerei, sondern verstehen uns als Dienstleister rund ums Bier“, sagt Fabio Schinkel. Der 31-jährige Braumeister, ausgebildet in Berlin, verweist auf ein breites Angebot: 21 verschiedene Getränke, darunter zahlreiche alkoholfreie Sorten und die Limonade „Wiz Limo“. Die regionale Verbundenheit sei ein Markenzeichen, ergänzt Sarah Schinkel. Dazu gehören ein Biergarten am Werraufer und ein neu hergerichtetes Brauhotel.
Welche Rolle spielen alkoholfreie Getränke?
„Alkohol hat einen schweren Stand“, so Fabio Schinkel. Während der Corona-Pandemie, als das Geschäft mit der lokalen Gastronomie einbrach, entwickelte das Unternehmen die Limonade „Wiz Limo“. Die Sorten Kirsche, Orange und Zitrone starteten, heute gehören auch Cola, Mische und Mate dazu. Erhältlich sind die Getränke unter anderem bei Edeka, Rewe und Tegut im Kreis Göttingen und im Werra-Meißner-Kreis. Der Preis von 1,89 Euro für 0,33 Liter liegt über dem Durchschnitt.
Wie positioniert sich die Brauerei im regionalen Markt?
Die Jahresproduktion von 8000 Hektolitern, zwei Drittel Bier und ein Drittel Limonade, macht Schinkels zu einem kleinen Akteur. Zum Vergleich: Die Einbecker Brauerei setzt jährlich rund 400.000 Hektoliter ab. „Unsere Ressourcen sind endlich“, sagt Fabio Schinkel. Der Großteil der rund 70 Beschäftigten arbeitet in der Gastronomie-Sparte, etwa auf Volksfesten oder bei Firmenfeiern.
Die Schließung der Baunataler Traditionsbrauerei Hütt im vergangenen Jahr bedauert das Unternehmen. „Bier ist ein hochemotionales Produkt, mit dem die Leute sehr viel verbinden“, sagt Fabio Schinkel. Kunden aus Kassel berichteten, dass das neue Hütt anders schmecke.
Welche Bedeutung hat die Bio-Zertifizierung?
Bereits 2001 arbeitete die Brauerei mit der Universität Kassel zusammen, um auf Bio umzustellen. „Auf einmal waren wir Hessens erste Bio-Brauerei“, so Schinkel. Die Hälfte der Produktion entfällt heute auf Bio-Biere wie Pils, Weizen und Bock. Auch die Wiz Limo trägt das Ökosiegel.
Wie blickt die Brauerei in die Zukunft?
Die Geschwister zeigen sich zufrieden mit dem Erreichten. Auf die Frage nach dem Lieblingsbier antwortet Sarah Schinkel: „Pale Ale“, ihr Bruder ergänzt: „Im Sommer Weizen, im Winter Pale Ale.“ Gelegentlich sei es aber auch eine Wiz Limo, „Zitrone“, sagen beide.
