Rogacki-Comeback in der Markthalle Neun: Tradition trifft auf Pop-up-Kultur
Die traditionsreiche Berliner Feinkostmarke Rogacki ist zurück, wenn auch in neuer Form. Nach der Insolvenz im vergangenen Jahr eröffnete der Betrieb nun einen Pop-up-Stand in der Markthalle Neun in Kreuzberg. Der Unternehmer Daniel-Jan Girl, ehemaliger IHK-Präsident, hat die Markenrechte erworben und setzt auf eine radikale Verkleinerung des Sortiments.
Was ist aus dem Traditionsbetrieb Rogacki geworden?
Der Ursprung des Familienbetriebs liegt im Jahr 1928, als Paul und Lucia Rogacki in der Weddinger Utrechter Straße mit dem Handel von Räucherwaren begannen. Vier Jahre später eröffnete die Familie in der Wilmersdorfer Straße die erste Charlottenburger Aal- und Fischräucherei. Der Betrieb wurde über drei Generationen geführt und entwickelte sich zu einer Berliner Institution, die auch bei jungen, Social-Media-affinen Gästen beliebt war.
Im Mai 2025 starb der langjährige Betreiber Dietmar Rogacki im Alter von 68 Jahren bei einem Brand in seiner Villa. Kurz darauf meldete das Unternehmen Insolvenz an, das Geschäft an der Wilmersdorfer Straße schloss nach fast 100 Jahren. Die Geschichte der Institution schien beendet.
Wie präsentiert sich der neue Rogacki-Stand?
Der neue Stand in der Markthalle Neun setzt auf eine komprimierte Version der alten Küche. Das Konzept basiert auf halben Eiern, die mit Cremes aus den historischen Rezepten gefüllt werden. Daniel-Jan Girl bezeichnet diese Kreation als Weltneuheit. Zudem sollen die Cremes auf Berliner Schnittchen verwendet werden.
Bei der Eröffnung durfte die scheidende Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey das Band durchschneiden. Sie merkte spitzfindig an, dass halbe Eier keine Weltneuheit seien, lobte jedoch die Füllung: Interessant. Es werde Bouletten-Creme geben. Sie fügte hinzu: Keine Ahnung, wie das schmeckt. Aber das ist wahrscheinlich der Inbegriff von: Wir leben Tradition und wir interpretieren sie neu.
Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Für das Jahr 2028, wenn Rogacki sein 100-jähriges Bestehen feiert, ist ein echtes Stammhaus geplant, möglichst in der Nähe der alten Adresse. Bis dahin bleibt der Pop-up-Stand in der Markthalle Neun die zentrale Anlaufstelle für Liebhaber der traditionsreichen Feinkost.
Wie bewertet die Politik das Comeback?
Franziska Giffey betonte in ihrer Eröffnungsrede den Wert solcher Initiativen für die Berliner Stadtkultur. Die Verbindung von Tradition und zeitgemäßer Präsentation sei ein Beispiel für die Anpassungsfähigkeit lokaler Wirtschaftsbetriebe. Die Senatorin verwies auf die Bedeutung solcher Projekte für die Belebung urbaner Räume.
Das Comeback von Rogacki zeigt, wie ein traditionsreicher Betrieb durch innovative Konzepte und junge Unternehmer neue Wege finden kann. Die Markthalle Neun bietet dafür den passenden Rahmen, auch wenn der ursprüngliche Charakter des Familienbetriebs in der neuen Form nur noch teilweise erkennbar ist.