Der Traum vom Eigenheim kann sich für Käuferinnen und Käufer in einen Albtraum verwandeln, wenn in der Immobilie gesundheitsgefährdende Schadstoffe verbaut sind. Eine Recherche zeigt: Makler und Verkäufer verschweigen bekannte Belastungen nicht selten. Betroffene Familien bleiben auf den Kosten sitzen und kämpfen vor Gericht oft vergeblich.
Familie aus Paderborn kauft belastetes Haus
Jacqueline und Felix Kappai aus Paderborn kauften vor vier Jahren ein Einfamilienhaus aus den 1970er-Jahren. In dem Gebäude wurden später erhöhte Konzentrationen von Formaldehyd und anderen Schadstoffen festgestellt. Nach Angaben der Familie wurde sie beim Kauf nicht über die Belastung informiert. Das Paar musste das Haus verlassen und lebt seither in einer Ausweichwohnung.
Die gesundheitlichen Auswirkungen zeigten sich nach Darstellung von Jacqueline Kappai schnell: „Ich war in der Zeit schwanger, musste öfter ins Krankenhaus wegen gesundheitlicher Probleme“, berichtet sie. Auch Kleidung und Gegenstände hätten stark nach den ausdünstenden Stoffen gerochen. Formaldehyd gilt als krebserregend und wurde früher vor allem in Lacken und Spanplatten verwendet.
Makler bestreitet Aufklärungspflichtverletzung
Die Familie verklagte die Verkäufer auf Übernahme der Sanierungskosten. Der zuständige Makler trat dem Verfahren als Streithelfer bei und gab an, die Käufer mündlich über die Schadstoffbelastung informiert zu haben. Das Gericht folgte dieser Darstellung, die Klage wurde abgewiesen. Die Familie bestreitet die Aussage des Maklers entschieden.
Grundsätzlich sind Maklerinnen und Makler verpflichtet, bekannte Mängel und Schadstoffbelastungen offenzulegen. Ein Verschweigen kann als arglistige Täuschung gewertet werden. In der Praxis gestaltet sich der Nachweis jedoch häufig schwierig, wie der Fall aus Paderborn zeigt.
Verdeckte Recherche deckt Asbest auf
Ein Gutachter und ein Journalist besichtigten als vermeintliche Kaufinteressenten ein Haus, in dem der Experte Asbest vermutete. Auf die direkte Frage nach Schadstoffen antwortete der Makler, ihm sei nichts darüber bekannt. Eine Laboranalyse einer Bodenprobe bestätigte später: Die verlegten Flexplatten enthielten Asbest.
Der Gutachter Stefan Lange sieht darin zumindest grobe Fahrlässigkeit: „Wenn wir uns die Flexplatten angeschaut haben, die sind natürlich asbestbelastet. Vorsatz möchte ich ihm jetzt nicht unterstellen, aber zumindest ist da eine grobe Fahrlässigkeit in seiner Unwissenheit erkennbar.“
Wie viele Häuser in Deutschland sind betroffen?
Nach Schätzungen von Fachleuten sind bundesweit rund 9,4 Millionen Häuser mit Schadstoffen wie Asbest oder Formaldehyd belastet. Nicht von jedem Gebäude geht eine akute Gesundheitsgefahr aus. Allerdings werden auch stark kontaminierte Objekte immer wieder zum Kauf angeboten.
Gutachter berichten von gängigen Praktiken, mit denen Mängel kaschiert werden sollen: frische Anstriche über Schimmelstellen, intensives Lüften vor Besichtigungsterminen oder das gezielte Auslassen kritischer Räume. Käuferinnen und Käufer sollten daher bei älteren Gebäuden besondere Vorsicht walten lassen.
Was sollten Käufer vor dem Kauf beachten?
Bei Immobilien, die vor 1990 erbaut wurden, empfiehlt sich eine unabhängige Begutachtung durch Fachleute. Diese können Proben entnehmen und im Labor analysieren lassen. Die Kosten dafür liegen üblicherweise im dreistelligen Bereich und können vor einem Kauf erhebliche Folgekosten vermeiden.
Wichtig ist zudem, alle Angaben zum Zustand der Immobilie schriftlich festzuhalten. Mündliche Zusicherungen von Maklern oder Verkäufern sind später nur schwer nachweisbar. Bei bekannten Belastungen besteht eine Offenlegungspflicht, deren Verletzung rechtliche Konsequenzen haben kann.
Häufige Fragen zu Schadstoffen beim Hauskauf
Müssen Makler über Schadstoffe informieren?
Ja. Bekannte Schadstoffbelastungen müssen beim Verkauf offengelegt werden. Ein Verschweigen kann als arglistige Täuschung gewertet werden und zu Schadensersatzansprüchen führen.
Welche Schadstoffe sind in älteren Häusern zu finden?
Häufig anzutreffen sind Asbest in Bodenbelägen und Dämmstoffen sowie Formaldehyd in Spanplatten und Lacken. Beide Stoffe gelten als gesundheitsgefährdend.
Was kostet ein Schadstoffgutachten?
Eine fachkundige Begutachtung kostet je nach Umfang zwischen 300 und 800 Euro. Angesichts möglicher Sanierungskosten von mehreren Zehntausend Euro ist dies eine sinnvolle Investition.
