Prinz Harry hat in einem Interview mit dem Magazin GQ eine Aussöhnung mit dem Königshaus als sein wichtigstes Ziel bezeichnet, doch Experten sehen die geschäftlichen Verpflichtungen des Herzogs von Sussex als Hindernis für eine Annäherung. Das Interview, das der Werbung für einen bezahlten Online-Kurs über Trauer auf der Plattform MasterClass diente, löste in Großbritannien heftige Kritik aus.
Wie tz berichtet, verdeutlicht die Episode einen grundlegenden Widerspruch in der Strategie von Harry und Meghan Markle: Die Werbung für kommerzielle Projekte erzeugt zwangsläufig Schlagzeilen, die eine Versöhnung innerhalb der königlichen Familie gefährden können. Nach Informationen von Newsweek wurde Harry von MasterClass für den Kurs bezahlt.
Was sagte Prinz Harry im GQ-Interview?
Gefragt, ob er um die Beziehung zu seiner Familie trauere, antwortete Harry: „Manche Menschen wollen nicht, dass es klappt. Ich möchte, dass es klappt.“ Er fügte hinzu, sich zu versöhnen sei angesichts alles anderen, was in der Welt geschehe, „das Wichtigste“.
Die Äußerung wurde von britischen Medien, darunter die Daily Mail, umgehend als verdeckter Seitenhieb auf Prinz William gedeutet. Ein Sprecher der Sussexes wies das gegenüber Newsweek entschieden zurück: Die Aussage sei „in einem allgemeinen Kontext“ gefallen und habe sich „in keiner Weise gegen seine Familie“ gerichtet.
Bluewin berichtete ebenfalls, dass Beobachter die Bemerkung über „gewisse Personen“ als möglichen Angriff auf den Thronfolger interpretierten. Der Daily Mirror titelte daraufhin auf seiner Titelseite mit dem Wort „Ausgeschlossen“ und schrieb, William habe die Idee eines Wiedersehens zurückgewiesen.
Warum die kommerziellen Projekte zum Problem werden
Der Reputationsberater Eric Schiffer, Vorsitzender von Reputation Management Consultants, sagte gegenüber Newsweek: „Wenn man innerhalb der Familie Vertrauen aufbauen will, ist das Letzte, was man tun sollte, ein Interview mit GQ, in dem man so über die Familie spricht, dass das Vertrauen Schaden nimmt.“
Schiffer zufolge füge sich Harry selbst die nächste Verletzung zu, gerade als er reifer wirke. „Entscheide dich. Willst du eine Beziehung zu deinem Vater und deinem Bruder, oder willst du versuchen, den anhaltenden Schaden für deinen Ruf zu stoppen? Beides kann er nicht haben“, sagte er.
Die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, erzeugt für Harry jedoch einen strukturellen Druck. Die Netflix-Dokumentarserie „Harry & Meghan“ und seine Memoiren „Spare“ beschädigten die Beziehungen zum Königshaus bereits schwer, als sie im Dezember 2022 beziehungsweise Januar 2023 erschienen. Harry erklärte gegenüber Oprah Winfrey bereits 2021, die Deals mit Netflix und Spotify seien nie Teil des Plans gewesen, sondern seien nötig geworden, als ihm die Familie die finanzielle Unterstützung gestrichen habe und er für seine Sicherheit aufkommen musste.
William distanziert sich, Harry sucht Nähe
Der Königshaus-Autor Robert Jobson sagte gegenüber Newsweek, er glaube nicht, dass William die Debatte überhaupt beunruhige. „Er hat sich von der Vorstellung einer Versöhnung verabschiedet. Er macht einfach weiter“, sagte Jobson. William sei in dieser Woche mit einem Staatsbesuch aus Oman und dem 60. Jahrestag der Haldenkatastrophe von Aberfan beschäftigt, bei der 1966 insgesamt 116 Kinder und 28 Erwachsene starben.
Harry und Meghan sind inzwischen nach Großbritannien zurückgekehrt, nachdem sie sechs Jahre in Kalifornien als Fernsehproduzenten gearbeitet hatten. Sie besuchten wohltätige Einrichtungen, etwa in Nottingham, was eine Debatte darüber auslöste, ob sie ihre früheren Aufgaben im Palast zurückhaben möchten. BILD.de zitierte Harry mit den Worten, „Narben bleiben für immer“, er wolle alte Verletzungen jedoch irgendwann loslassen. Werra-Rundschau berichtete, Harry räume ein, dass manche Menschen nicht bereit seien, den Familienkonflikt beizulegen.
Nach Angaben von Newsweek lehnt William, der unmittelbare Thronfolger, jede Aussicht auf eine Rückkehr der Sussexes ab. Damit steht eine mögliche Rückkehr des Paares vor einem grundlegenden Hindernis innerhalb der Familie.
Welche Strategie empfehlen Experten?
Schiffer zufolge wäre die klügere Strategie für Harry, sich auf wohltätige Arbeit zu konzentrieren und auf Interviews über seine Familie zu verzichten. „Je mehr Zeit er vor Ort damit verbringen kann, Menschen zu helfen, desto besser“, sagte er. Harrys fortlaufende Interviews über familiäre Konflikte führten Schiffer auf mangelnde Disziplin und emotionale Unreife zurück.
Für Harry bleibt die Lage kompliziert: Er muss weiterhin Einkommen erzielen, unter anderem für seine Sicherheitskosten, während jede Werbekampagne für bezahlte Projekte neue Schlagzeilen über das Zerwürfnis erzeugt. Sein nächster Auftritt oder die nächste Veröffentlichung dürfte zeigen, welchen der beiden Wege er tatsächlich einschlagen will.
FAQ
Worum ging es in Prinz Harrys GQ-Interview?
Harry bewarb ein Gespräch über Trauer für die kostenpflichtige Plattform MasterClass und erklärte dabei, eine Versöhnung mit seiner Familie sei ihm das Wichtigste.
Warum wurde das Interview kritisiert?
Britische Medien deuteten seine Aussage, manche Menschen wollten nicht, dass es klappt, als Seitenhieb auf Prinz William. Ein Sprecher der Sussexes wies das zurück.
Stellt Prinz William eine Versöhnung in Aussicht?
Nein. Nach Informationen von Newsweek lehnt William eine Rückkehr der Sussexes ab; der Autor Robert Jobson zufolge hat er sich von der Vorstellung einer Versöhnung verabschiedet.
