Prinz Harry und Elton John scheitern mit Klage gegen Boulevardmedien
Der Londoner High Court hat die Klage von Prinz Harry, Elton John und Elizabeth Hurley gegen die Mediengruppe Associated Newspapers Ltd. (ANL) abgewiesen. Die Kläger konnten ihre Vorwürfe illegaler Recherchemethoden nicht beweisen, urteilte Richter Matthew Nicklin am Dienstag. ANL spricht von einem überwältigenden Sieg, Harry nannte das Urteil schockierend.
Was warfen die Kläger der Mediengruppe vor?
Die prominenten Kläger, darunter auch Doreen Lawrence, hatten ANL beschuldigt, Privatdetektive angeheuert zu haben, um Autos und Wohnungen zu verwanzen sowie illegal private Telefongespräche abzuhören. Zudem sollen die Detektive unter falscher Identität medizinische Unterlagen beschafft haben. ANL wies alle Anschuldigungen zurück. Richter Nicklin stellte in seinem 436 Seiten langen Urteil fest, dass die Kläger ihre Vorwürfe nicht belegen konnten.
Wie reagierten die Beteiligten auf das Urteil?
ANL feierte das Urteil als großartige Rehabilitierung des Journalismus der Daily Mail. Die Vorwürfe seien reißerisch und absurd gewesen. Prinz Harry kritisierte das Urteil dagegen als völlig ungerechtfertigt und sprach von einer offensichtlichen Vertuschung. Gemeinsam mit Doreen Lawrence erklärte er, man habe Gerechtigkeit gesucht, aber nicht erhalten. Ende Juli stehen zwei weitere Gerichtstermine an, bei denen den Klägern auch die Zahlung von Prozesskosten auferlegt werden könnte. ANL gab rund 58 Millionen Euro für Verteidiger aus und will diese Kosten zurückfordern.
Welche Rolle spielte Doreen Lawrence in dem Verfahren?
Doreen Lawrence, die Mutter des 1993 ermordeten Stephen Lawrence, hatte sich der Klage angeschlossen. Sie warf den Zeitungen vor, Mailbox-Nachrichten abgehört und sie beschattet zu haben. Auch diese Vorwürfe erhärteten sich vor Gericht nicht. Der frühere Daily-Mail-Chefredakteur Paul Dacre begrüßte die Rehabilitierung seines Blattes und betonte, dass die Zeitung damals die Aufklärung des rassistisch motivierten Mordes an Stephen Lawrence durch ihre Berichterstattung entscheidend vorangebracht hatte.
Wie ist das Verhältnis von Prinz Harry zu den Medien?
Prinz Harry hat ein schwieriges Verhältnis zu den Medien, nicht zuletzt wegen des Todes seiner Mutter Prinzessin Diana 1997. Es war nicht das erste Gerichtsverfahren, das er gegen britische Medien anstrengte. Im Dezember 2023 erreichte er ein Urteil gegen den Verlag des Boulevardblatts Daily Mirror. Im Januar 2025 erzielte er mit den Eigentümern der Sun eine außergerichtliche Einigung. Harry sieht sich selbst als Ritter, der gegen den Drachen der britischen Boulevardpresse kämpft.
Welche Kosten kommen auf die Kläger zu?
Den Klägern drohen nun erhebliche Kosten. ANL gab umgerechnet knapp 58 Millionen Euro für Verteidiger aus und will diese zurückfordern. Hinzu kommen die eigenen Anwaltskosten der Kläger, die sich ebenfalls in hoher zweistelliger Millionenhöhe bewegen dürften. Ende Juli stehen zwei weitere Gerichtstermine an, bei denen die Kostenfrage geklärt werden soll.
FAQ: Was bedeutet das Urteil für die Pressefreiheit?
Beobachter sehen die Pressefreiheit durch das Urteil gestärkt. Der Fall zeigt, dass auch prominente Kläger ihre Vorwürfe gegen Medien belegen müssen. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie weit investigative Recherchemethoden gehen dürfen. Das Urteil könnte Auswirkungen auf künftige Klagen gegen Medien haben.
Prinz Harry war am Montag in London eingetroffen, um die Invictus Games 2027 in Birmingham vorzubereiten. Sein öffentlicher Termin am Dienstag trat angesichts des Gerichtsurteils etwas in den Hintergrund. Zuvor hatte es Streitigkeiten um seinen Aufenthaltsort während des Besuchs gegeben: Eine Einladung zur Übernachtung im Buckingham Palace wurde von König Charles zurückgezogen.