Ein Praxistest in den Wäldern der Märkischen Schweiz zeigt, wie schnell Hobby-Sammler bei Speisepilzen Fehler machen: Bei einer Kontrolle im Botanischen Garten Berlin wurde im Oktober 2026 rund die Hälfte aller gesammelten Pilze aussortiert. Ein Teil der Funde war verdorben, ein weiterer Teil kulinarisch unbrauchbar, und bei einem Exemplar hätte eine Verwechslung mit einem tödlich giftigen Doppelgänger drohen können.
Die B.Z. Berlin hatte eine Reporterin mit René Jarling (43), Vorsitzender der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg, in den Wald geschickt. Die daraus resultierende Bilanz ist ernüchternd, aber lehrreich: Wer Pilze ohne fachkundige Prüfung verzehrt, riskiert seine Gesundheit.
Warum Pilzbestimmung ohne Experten riskant ist
In den brandenburgischen Wäldern wachsen im Oktober zahlreiche Verwechslungskandidaten. Zu den gefährlichsten zählen der giftige Pantherpilz und der Karbol-Champignon. Der Pantherpilz ähnelt dem essbaren Perlpilz, der Karbol-Champignon erinnert an genießbare Champignonarten. Eine Pantherpilz-Vergiftung kann Halluzinationen und heftige Tobsuchtsanfälle auslösen.
Genau dieses Halbwissen wird zum Problem, erklärte Jarling gegenüber B.Z. Berlin. Wer sein Pilzwissen nur oberflächlich kennt, übersieht die Unterschiede zwischen essbaren und giftigen Arten. Die Gefahr ist real: Schätzungen zufolge gehen in Deutschland etwa 80 bis 90 Prozent aller Pilztoten auf den Grünen Knollenblätterpilz zurück, wie die Augsburger Allgemeine berichtet.
Apps und KI ersetzen keine Pilzberatung
Die Reporterin fragte Jarling, ob eine App oder künstliche Intelligenz die Bestimmung nicht übernehmen könnte. Jarling riet klar ab. Die Technik könne Hinweise liefern, aber keine sichere Freigabe für den Verzehr. Diese Einschätzung teilt auch die Welt, die Pilzexperten mit der Warnung zitiert: Pilzbestimmung lerne man am besten in Kursen mit erfahrenen Pilzkennern, denn gerade bei giftigen Arten könne ein einziger Fehler lebensgefährlich sein.
Der Grund liegt in der Natur der Sache. Eine App erkennt Formen und Farben, aber sie riecht nicht. Jarling erklärte im Wald, wie wichtig der Geruchssinn bei der Bestimmung ist. Pilzberater Hansjörg Beyer (59), der die Funde der Reporterin im Botanischen Garten prüfte, betrachtete Hüte, schnitt Stiele an und roch an den Pilzen. Diese Art der Prüfung kann keine Software leisten.
Verdorbene Pilze sind giftige Pilze
Die Kontrolle im Botanischen Garten ergab ein ernüchterndes Ergebnis: Ein dunkelgrüner Pilz durfte bleiben, ein appetitlich aussehender, angenehm riechender brauner Pilz wurde aussortiert. Der Grund: Er war nicht giftig, sondern schlicht zu alt.
Verdorbene Pilze sind giftige Pilze.
So warnte Beyer vor einem häufig unterschätzten Risiko. Auch essbare Arten können krank machen, wenn sie verdorben sind. Die T-Online weist darauf hin, dass eine Pilzvergiftung nicht zwingend durch Giftpilze entstehen muss, sondern auch in der eigenen Küche lauert, etwa durch unsachgemäße Zubereitung oder verdorbene Exemplare.
Ein weiterer Punkt, den Beyer ansprach: Die Reporterin hatte alle Pilze in einer Schüssel gesammelt. Ist ein hochgiftiger Pilz dazwischen, müssen womöglich alle Funde entsorgt werden. Auch der Transport in einem Jutebeutel statt eines Pilzkorbs ist ein Anfängerfehler, der die empfindlichen Pilze zerquetschen kann.
Stockschwämmchen und Gifthäubling: Der tödliche Doppelgänger
Bei einem Fund, dem Stockschwämmchen, war die Bestimmung selbst für den erfahrenen Beyer nicht sicher genug. Der Grund: Es existiert ein tödlich giftiger Doppelgänger, der Gifthäubling. Beyers Konsequenz war eindeutig: Weg damit. Selbst Fachleute sortieren im Zweifel lieber aus, als ein Risiko einzugehen.
Die SWR berichtet, dass viele essbare Pilze giftige Zwillinge haben, und rät Sammlern, sich vor dem Sammeln über die Verwechslungsgefahr zu informieren. Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie empfehlen, im Zweifel auf den Verzehr zu verzichten.
Fazit für Berliner und Brandenburger Sammler
Die Bilanz des Praxistests: Rund die Hälfte der Funde wurde aussortiert. Manche waren zu alt, andere kulinarisch ungeeignet, und ein Exemplar hätte wegen der Verwechslungsgefahr mit dem Gifthäubling tödliche Folgen haben können. Ohne die Kontrolle durch die beiden Experten wäre die geplante Pilzpfanne ein riskantes Experiment geworden.
Für alle, die im Herbst durch Berlins und Brandenburgs Wälder streifen, lautet die Empfehlung der Fachleute: Funde vor dem Verzehr von einer sachkundigen Person prüfen lassen. Pilzberatungen, etwa im Botanischen Garten, bieten diese Möglichkeit an. Der Oktober gilt als einer der besten Pilzmonate, aber Wärme, Wind und Trockenheit haben den Pilzen in diesem Jahr zugesetzt. Wer trotzdem sammelt, sollte den Korb statt des Beutels wählen und die Funde getrennt aufbewahren.
Häufige Fragen zum Pilzesammeln
Wie gefährlich ist das Pilzesammeln ohne Vorkenntnisse?
Ziemlich gefährlich. In brandenburgischen Wäldern wachsen giftige Verwechslungskandidaten wie der Pantherpilz und der Karbol-Champignon. Eine Verwechslung kann Halluzinationen, heftige Tobsuchtsanfälle oder im schlimmsten Fall den Tod zur Folge haben. Etwa 80 bis 90 Prozent der Pilztoten in Deutschland sind auf den Grünen Knollenblätterpilz zurückzuführen.
Kann man Pilze mit einer App bestimmen?
Experten raten davon ab. Apps und KI können erste Hinweise liefern, aber keine sichere Freigabe für den Verzehr. Pilzexperten betonen, dass gerade bei giftigen Arten ein einziger Fehler lebensgefährlich sein kann. Sicher ist nur die Prüfung durch eine sachkundige Person.
Warum sollte man Pilze in einem Korb transportieren?
In einem Jutebeutel oder einer Tasche können die empfindlichen Pilze zerquetscht werden. Ein Pilzkorb schützt die Funde vor Beschädigung. Außerdem sollten verschiedene Arten getrennt aufbewahrt werden, damit ein möglicher Giftpilz nicht die übrigen Funde kontaminiert.
Können auch essbare Pilze krank machen?
Ja. Verdorbene Pilze sind giftige Pilze, wie Pilzberater Hansjörg Beyer warnt. Auch essbare Arten können krank machen, wenn sie zu alt oder verdorben sind. Eine Pilzvergiftung kann außerdem durch unsachgemäße Zubereitung entstehen, ohne dass ein Giftpilz im Spiel war.
