Am Vorabend von Allerheiligen, dem 31. Oktober, spielte das Paulo Morello Trio im ausverkauften Birdland-Jazzclub in Neuburg an der Donau ein Konzert, das nach jedem Titel Jubelrufe auslöste. Paulo Morello an der Gitarre, Sven Faller am Bass und Mauro Martins am Schlagzeug boten eine Mischung aus Samba und Bebop, die die Formation selbst „Sambop“ nennt. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, war der Keller des Vereinsheims bis auf den letzten Stehplatz gefüllt.
Der Termin war bewusst gewählt: Halloween. Statt amerikanischer Gruselrituale erlebte das Publikum einen Abend, an dem drei Instrumentalisten ihre Eigenkompositionen in einer Mischung aus Leichtigkeit und handwerklicher Präzision vortrugen. Die Zeitung spricht von einem Konzert, das an vielen Stellen „zum Dahinschmelzen“ war.
Drei Musiker, ein Begriff: „Sambop“
Der Name „Sambop“ verbindet Samba und Bebop, träfe aber nur einen Teil der Sache. Elemente von Rumba und Bossa Nova klingen ebenfalls durch die Arrangements. Morello, Faller und Martins greifen dabei nicht auf die kommerziell überformte Variante zurück, die an Copacabana-Klischees und Samba-Schulen-Folklore angelehnt ist. Sie schöpfen aus den Quellen der brasilianischen Rhythmusik, entwickeln daraus jedoch eine eigene Form.
„Wir lieben alle drei einfach den brasilianischen Schmäh“, sagte Bandleader Paulo Morello mit einer Mischung aus Selbstironie und Koketterie, zitiert von der Augsburger Allgemeinen. Der Satz beschreibt die Grundhaltung der Gruppe: Freude an der Vorlage, verbunden mit dem Anspruch, sie nicht zu kopieren.
Wie das Konzert ablief
Das Programm bestand überwiegend aus Eigenkompositionen aller drei Musiker. Dazu gehörten Morellos Titelsong „Moving“ aus dem aktuellen Album der Band, die Nummer „Donna Orangina“ von Schlagzeuger Mauro Martins sowie ein Stück von Sven Faller, das er in Erinnerung an seine Großeltern geschrieben hat. Die Kompositionen haben laut Bericht gedankliche Tiefe, kommen aber mit lockerer Leichtigkeit daher. Die Rhythmen sind raffiniert gesetzt, die Melodiebögen zeitweise sphärisch. Morello steigerte sich in ausgedehnte Gitarrenpassagen, ohne in virtuoses Selbstgefälliges abzugleiten.
Die Ausbrüche des Gitarristen waren für Faller und Martins Anlass zu eigenen Soli: am Bass im Pizzicato, am Schlagzeug mit Trommeln und Becken, gelegentlich im Unisono, oft kammermusikalisch dicht. Die drei Musiker feuerten sich gegenseitig an, erlaubten sich einen Gag und hielten das Publikum in steter Bewegung.
Der Song „7:1“ und ein Stück Fußballgeschichte
Ein Beispiel für den musikalischen Witz des Trios ist Morellos Komposition mit dem Titel „7:1“. Die Zahl verweist auf das Ergebnis des WM-Halbfinales 2014, als Deutschland Brasilien mit 7:1 besiegte. Angeregt hatte den Gitarristen ein Lied eines großen brasilianischen Kollegen, das „1:0“ heißt. Morellos Stück beginnt schwungvoll und tänzerisch, stockt an einzelnen Stellen im Rhythmus, als sollten die Einschüsse im Kasten der Südamerikaner nachempfunden werden. Die Augsburger Allgemeine nennt das Ergebnis eine „für jeden Brasilianer traumatische Ziffernfolge“.
Der brasilianische Schlagzeuger der Band, Mauro Martins, ließ sich nichts anmerken und nahm die Pointe mit Humor. Das Trio verarbeitet hier ein sportgeschichtliches Ereignis in einer jazzmusikalischen Miniatur, die leicht, originell und witzig ausfällt, für brasilianische Ohren allerdings nicht unbedingt komisch ist.
Ein Club, der im deutschen Jazz eine Rolle spielt
Das Birdland in Neuburg besteht seit Jahrzehnten und zählt zu den etablierten Adressen des deutschen Jazz. Morello sagte zum Abschluss des Abends ans Publikum: „Das Birdland ist der beste Jazz-Club in ganz Deutschland und worldwide.“ Die Zeitung räumt ein, dass eine gewisse Übertreibung an einem solchen Abend erlaubt sei. Der Satz dokumentiert dennoch, welchen Stellenwert der Keller im Gewölbe für die Musiker hat.
Der Kontext ist in dieser Saison ohnehin jazzfreundlich. Das Jazzfest Berlin der Berliner Festspiele zeigt im November eingeladene Produktionen jun Bands, Trios und Solistinnen im Haus der Berliner Festspiele, der Vorverkauf läuft. Wer in dieser Woche nicht live gehen kann, findet laut JazzZeitung regelmäßig Übersichten der Jazz-Sendungen im Radio. Berlin bleibt in dieser Frage gut versorgt, auch wenn Neuburg an der Donau einige Hundert Kilometer entfernt liegt.
Warum der Abend mehr war als ein Regionalereignis
Das Konzert zeigt, dass der deutsche Jazzclubbetrieb auch abseits der Metropolen funktioniert. Ein ausverkaufter Keller, drei Musiker auf dem Niveau ihrer jeweiligen Instrumente, ein Publikum, das nach jedem Song jubelt: Das ist kein Selbstläufer in einer Zeit, in der Clubs um Publikum und Förderung ringen. Es ist auch ein Argument für die öffentliche Kulturförderung, ohne die viele dieser Adressen längst geschlossen hätten.
Das Paulo Morello Trio hat mit dem Abend unterstrichen, dass anspruchsvolle Musik und Zugänglichkeit sich nicht widersprechen. Die drei Musiker arbeiten an einer eigenen Form, die brazilianische Rhythmen mit Bebop-Harmonik verbindet, und sie tun das mit einer Freude, die sich auf das Publikum überträgt. Der nächste Besuch in der Region lohnt sich.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Sambop“?
„Sambop“ ist der von der Band gewählte Begriff für eine Verbindung von Samba und Bebop. In der Musik des Trios spielen daneben auch Elemente von Rumba und Bossa Nova eine Rolle.
Wer spielt im Paulo Morello Trio?
Paulo Morello spielt Gitarre, Sven Faller Bass und Mauro Martins Schlagzeug. Alle drei Musiker steuern Eigenkompositionen bei.
Wo und wann fand das Konzert statt?
Das Konzert fand am 31. Oktober, dem Vorabend von Allerheiligen, im Birdland-Jazzclub in Neuburg an der Donau statt. Der Club war laut Augsburger Allgemeine ausverkauft.
