Sterbebegleitung: Wie Angehörige richtig handeln
Wenn ein geliebter Mensch im Sterben liegt, fühlen sich viele Angehörige hilflos. Sie fragen sich, ob sie richtig handeln, ob sie zu viel oder zu wenig tun. Ein Kurs in Trier will genau diese Unsicherheit nehmen und zeigt, was in der letzten Lebensphase wirklich zählt.
Was Angehörige in der Sterbephase beachten sollten
Der Sterbeprozess ist bei jedem Menschen anders. Manche ziehen sich zurück, lehnen Besuche ab oder wollen nicht mehr berührt werden. Ingrid Stork, Leiterin eines Letzte-Hilfe-Kurses in Trier, betont:
„Man muss akzeptieren, wenn schon Handhalten nicht mehr gewünscht wird und man merkt, dass die Hand vielleicht zurückgezogen wird.“
Besonders belastend sind für Angehörige oft Atemaussetzer. Der Atem verändert sich im Sterbeprozess, was Angst auslösen kann. Stork erklärt, dass dies ein natürlicher Vorgang ist und keine unmittelbare Handlung erfordert.
Warum das Gehör bis zuletzt wichtig bleibt
Annika Robling, Gesundheits- und Krankenpflegerin im Hospiz Trier, weist auf einen entscheidenden Aspekt hin:
„Der letzte Sinn des Menschen, der geht, ist das Gehör. Man sollte sich immer gut überlegen, welche Gespräche man am Bett eines sterbenden Menschen führt.“Selbst wenn ein Sterbender nicht mehr reagiert, kann er Gespräche noch wahrnehmen. Deshalb sollten Angehörige bewusst wählen, was sie in seiner Gegenwart besprechen.
Letzte-Hilfe-Kurse: Wissen zurückgewinnen
Die Kurse wollen Menschen ermutigen, an der Seite Sterbender zu bleiben, statt sich aus Angst abzuwenden. Viele Teilnehmende haben persönliche Erfahrungen: Rita begleitete ihre Mutter und nun einen schwer kranken Freund. Lisa bereitet sich auf den fortschreitenden Verlauf der Alzheimer-Demenz ihres Mannes vor. Renate hat bereits mehrere Menschen begleitet und sucht dennoch Rat.
Robling sieht eine gesellschaftliche Lücke:
„Sterben ist immer mehr zum Tabu-Thema geworden. Das Wissen, wie man Menschen begleitet, ist verloren gegangen. Früher ist in den Familien gestorben worden.“
Verbreitung der Kurse in Deutschland und weltweit
Die gemeinnützige Organisation Letzte Hilfe Deutschland bietet bundesweit Schulungen an. Der erste Kurs fand 2015 in Schleswig statt. Heute gibt es 6.000 Kursleitende in der gesamten Republik. Die Idee stammt vom Palliativmediziner Georg Bollig und hat sich in fast 20 Ländern etabliert, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Filipa Sickmüller berichtet.
Was Sterbenden Freude bereitet, ist erlaubt
Für die Kursleiterinnen steht die Orientierung an den Bedürfnissen der Sterbenden im Vordergrund. Wer Ruhe möchte, soll sie bekommen. Wer sein Lieblingsessen wünscht oder einen Geburtstag feiern will, soll das können. Stork fasst zusammen:
„Es ist alles erlaubt, was Freude macht. Wenn man in die letzten Tage und Wochen geht, dann ist es einfach gut, jemanden an der Seite zu haben.“
Sterben zu Hause: Unterstützungsangebote nutzen
Immer mehr Menschen möchten zu Hause sterben. Die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) ermöglicht dies mit einem ambulanten Hospizdienst. Ärzte und Pflegekräfte sind rund um die Uhr erreichbar. Stork bemängelt:
„Viele kennen das Angebot nicht.“
Die Kurse informieren auch über regionale Anlaufstellen, den Umgang mit Trauer und Bestattungsfragen. Sie schließen damit eine wichtige Lücke in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Tod und Sterben.