Co-Living in den Alpen: Wie Remote-Arbeit ein italienisches Bergtal belebt
Ein Pilotprojekt im italienischen Valle Soana zeigt, wie Remote-Arbeit demografischen Wandel abfedern kann: 45 Teilnehmer aus aller Welt erprobten zwei Wochen lang ein temporäres Co-Living-Modell in abgelegenen Alpendörfern. Die Initiative wird von drei Gemeinden getragen und zielt darauf ab, der Entvölkerung ländlicher Regionen entgegenzuwirken.
Das Projekt „Vihta – Wild Working in Valle Soana“ ist Teil eines Aktionsplans zur Stärkung der Lebensfähigkeit des Tals, der durch die Maßnahme Apice und die Fondazione Compagnia di San Paolo unterstützt wird. Die Gemeinden Ingria, Ronco Canavese und Valprato Soana stellen dafür leer stehende Häuser und Coworking-Spaces in Rathäusern bereit. Die Teilnehmer arbeiten remote, während sie das Leben in den Bergen mit neuen sozialen Kontakten verbinden.
Wie funktioniert das Co-Living-Projekt im Valle Soana?
Aus Hunderten von Bewerbungen wurden 45 Personen ausgewählt, darunter der Turiner Manager Fabrizio Ghirardi (34) und seine Frau. Sie verließen die Großstadt für zwei Wochen und wohnten in einem Holzhaus mit Kamin und Garten in Campiglia Soana. Die Unterkünfte stellten Einheimische zur Verfügung, die ihre Häuser öffneten. Die Coworking-Bereiche in den Gemeindeämtern sind mit Internet ausgestattet, sodass die Teilnehmer ihren Berufen ohne Unterbrechung nachgehen können.
Warum zieht es Remote-Arbeiter in die Berge?
Ghirardi beschreibt den Reiz des Projekts: „Wir haben im Unternehmen die Flexibilität, remote zu arbeiten. Ich bin nicht so weit von Turin entfernt, aber es erlaubt mir, früh aufzustehen, einen Spaziergang zu machen und dann mit der Arbeit zu beginnen. Es sind ganz andere Rhythmen als in der Stadt.“ Die Tage sind geprägt von gemeinsamen Arbeitsphasen, Wanderungen im Nationalpark Gran Paradiso und Abendessen mit der lokalen Gemeinschaft.
Die Initiative verfolgt einen doppelten Ansatz: Sie bietet Stadtbewohnern eine Auszeit vom urbanen Alltag und eröffnet den Bergdörfern neue Perspektiven. Laut den Organisatoren soll das Projekt langfristig dazu beitragen, das Tal wiederzubeleben und Zuzug zu fördern. Ghirardi bestätigt diesen Effekt: „Der Traum von mir und meiner Frau ist es, in Zukunft ein Haus in den Bergen zu finden. Vielleicht werden wir genau hier danach suchen.“
Welche Bedeutung hat das Projekt für ländliche Regionen?
Das Modell könnte als Blaupause für andere strukturschwache Gebiete dienen, die unter Abwanderung leiden. Die Kombination aus temporärem Wohnen, digitaler Arbeit und lokaler Einbindung schafft eine Win-win-Situation: Die Dörfer profitieren von neuen Impulsen, die Teilnehmer gewinnen eine authentische Erfahrung abseits des Massentourismus. Ob das Konzept dauerhaft trägt, hängt von der Bereitschaft der Kommunen ab, Infrastruktur und Netzwerke zu pflegen.
Die Fondazione Compagnia di San Paolo und die beteiligten Gemeinden werten das Projekt als Erfolg. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen, da die Nachfrage das Angebot deutlich überstieg. Für die Region Piemont könnte dies ein Signal sein, dass Remote-Arbeit nicht nur urbane Zentren, sondern auch periphere Räume stärken kann.