Ostsee-Rettung: Ein Paar im Dienst der DLRG
Zwei Rettungsschwimmer aus Glauchau haben sich bei einem Einsatz für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kennengelernt und sind heute ein Paar. Anja Tornow (42) und Philipp Baumgart (30) verbringen ihre Sommerferien seit Jahren an der Ostseeküste, um dort die Badesaison abzusichern. Was als gemeinsame Leidenschaft begann, wurde zur Liebesgeschichte.
Vom Fußballplatz zum Ostseestrand
Philipp Baumgart, Verwaltungsangestellter im öffentlichen Dienst, entdeckte seine Berufung zum Rettungsschwimmer eher zufällig. „Ich saß als Stürmer meist auf der Ersatzbank und habe schließlich die Lust am Fußball verloren“, erzählt er. 2010 trat er der DLRG bei und schloss die Ausbildung mit dem Rettungsschwimmerabzeichen in Silber ab. Mit 14 Jahren sicherte er zunächst die Badesaison im Sommerbad Glauchau ab. Ein Urlaub mit den Eltern in Dahme (Schleswig-Holstein) weckte dann sein Interesse für den Küstenrettungsdienst. Seit 2012 ist er jeden Sommer an der Ostsee im Einsatz, dieses Jahr zum 14. Mal.
Liebe beim Training gefunden
Die Begegnung mit Anja Tornow, Grundschullehrerin und Triathletin, erfolgte bei einem vierwöchigen Rettungsschwimmerkurs. „Wir haben uns dort kennen und lieben gelernt“, sagt sie. Tornow hatte zuvor sieben Jahre in Mexiko gelebt und gearbeitet. Seit 2023 sind die beiden gemeinsam an der Ostsee im Einsatz. Philipp Baumgart hat sich inzwischen zum Wachführer am Naturstrand zwischen Bliesdorf und Brodau im Kreis Ostholstein hochgearbeitet. Er koordiniert dort täglich sieben Einsatzkräfte für einen drei Kilometer langen Strandabschnitt.
Der Alltag der Rettungsschwimmer
Der Dienst beginnt um 8 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück. Eine Stunde später werden die Wachtürme besetzt, das Rettungsboot ist startbereit. „Rettungsschwimmer haben zwei Stunden am Stück Dienst. Jede Stunde wechseln wir zudem den Kollegen ab, der mit einem Fernglas ununterbrochen das Meer überwachen muss“, erklärt Baumgart. Zu den Aufgaben gehören neben der Wasserrettung auch die Erstversorgung von Verletzungen. Bei Nesselquallen-Kontakt verwenden sie Rasierschaum: „Aufsprühen, trocknen lassen und mit einer Geldkarte die fest getrockneten Nesseln abschaben.“
Herausforderungen und Einsätze
Im vergangenen Jahr musste das Team einen Vater mit Kind auf einem Schlauchboot retten, das hinter die Badezone abgetrieben war. Auch ein Mann auf einer Luftmatratze wurde aus der Fahrrinne eines historischen Bäderschiffs geholt. Anja Tornow berichtet von regelmäßigen Einsätzen: „Wir holen Stand-up-Paddler zurück in die Badezone oder rufen Badegäste von den Steinmolen herunter.“ Zudem verteilen sie Kindersucharmbänder, um verlorene Kinder schnell ihren Eltern zuordnen zu können. In diesem Jahr kreuzte sogar ein Buckelwal namens Timmy in der Lübecker Bucht nahe ihrem Revier.
Ehrenamt mit hohem Einsatz
Die Rettungsschwimmer arbeiten alle ehrenamtlich und opfern ihren Jahresurlaub für die Einsätze. Sie wohnen kostenfrei in Mobilheimen auf einem Campingplatz. Als Wachführer erhält Philipp Baumgart eine Aufwands- und Verpflegungspauschale von 28 Euro pro Tag plus Fahrtkosten. „Weil Ostsee-Urlaub in der Hochsaison schier unbezahlbar ist, sehen wir unsere Einsätze auch als kostenlosen Urlaub“, sagt Anja Tornow. In diesem Jahr begleitet auch die elfjährige Tochter des Paares die Einsätze.
DLRG in Zahlen
Rund 4.500 DLRG-Rettungsschwimmer sichern jährlich die Badesaison an den Ostseeküsten ab, davon kommen 300 aus Sachsen. „Die meisten davon sind Mitglieder aus Leipzig, Parthenaue, Zittau, Bad Schlema, Chemnitz und Glauchau“, sagt Sebastian Knabe, Landesgeschäftsführer der DLRG Sachsen. In Sachsen sind insgesamt 4.600 Mitglieder registriert, zwei Drittel davon sind unter 27 Jahre alt. „Unsere 1.328 Rettungsschwimmer sind allein im Freistaat an 33 Wachstationen in Bädern und Seen aktiv. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir 14.390 Einsatzstunden, in denen 14 Lebensrettungen durchgeführt werden mussten“, so Knabe. Interessierte können sich unter www.dlrg.de/zwrdk bewerben.