Nepal nach Sturzflut: Über 600 Tote und 2.500 Vermisste
Drei Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der bestätigten Todesopfer weiter. Die nepalesische Polizei meldete am Samstag, dass bislang 626 Leichen geborgen wurden. Auf chinesischer Seite in der angrenzenden Region Tibet sprechen die Behörden von fünf bis sieben Toten. Die Gesamtzahl der Vermissten hat sich innerhalb eines Tages nahezu verdoppelt und liegt nun bei über 2.500 Menschen, darunter Hunderte ausländische Staatsangehörige.
Wie viele Deutsche werden vermisst?
Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin befindet sich eine hohe einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger unter den Vermissten. Die deutschen Vertretungen in China und Nepal stehen nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit den Familienangehörigen und den lokalen Behörden. Von den Vermissten fehlt bislang jede Spur.
Wie viele Menschen sind von der Katastrophe betroffen?
Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften schätzt, dass rund 93.000 Menschen von den Folgen der Flut betroffen sind. Am Mittwoch war eine gewaltige Welle aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet geströmt, ausgelöst durch einen Gletscherabbruch. Ganze Ortschaften wurden zerstört. Der Augenzeuge Buddhi Ram Dangol schilderte der Nachrichtenagentur AFP: „Alle Siedlungen in der Nähe des Flusses wurden weggeschwemmt. Es ist nichts mehr übrig.“
Welche Hilfe fordert die nepalesische Regierung?
Außenminister Shisir Khanal hat einen dringenden Appell an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Nepal benötige spezialisierte Kräfte für die Rettung von Menschen, die in Tunneln eingeschlossen sind, sowie Unterstützung bei der Wiederherstellung von Verkehrswegen und der Identifizierung und Aufbewahrung der Toten. Viele Opfer seien rund 100 Kilometer weit in die Ebene geschwemmt worden, wo die Krankenhäuser die Leichen nicht mehr aufbewahren können.
Wie laufen die Rettungsarbeiten?
Die Bergungsarbeiten in Nepal und Tibet gestalten sich schwierig. Armeesprecher Raja Ram Basnet erklärte, der abgelagerte Schlamm erschwere den Einsatz von Hubschraubern in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung erheblich. Am Freitag musste der Einsatz in Tibet zeitweise unterbrochen werden, weil die Gefahr einer erneuten Flutwelle bestand. Nach offiziellen Angaben sind 14 Rettungshubschrauber im Einsatz. Bis Freitagabend konnten mehr als 4.400 Menschen gerettet werden, darunter 149 Ausländer.