In Sachsen-Anhalt konstituiert sich am Dienstag der neue Landtag. Erstmals seit 1945 könnte ein extrem rechter Politiker zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Die AfD stellt 39 Abgeordnete, das BSW fünf. Eine Übersicht über die zentralen Personen und ihre politischen Verbindungen.
Die AfD erreichte bei der Landtagswahl 43,8 Prozent der Zweitstimmen. Für eine absolute Mehrheit fehlen der Partei drei Sitze. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat angekündigt, den AfD-Kandidaten Tobias Rausch bei der Wahl zum Landtagspräsidenten zu unterstützen. Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD, will sich im Dezember zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Alle bis auf eine der neuen AfD-Abgeordneten haben ein Direktmandat errungen.
Wer sind die zentralen Figuren der AfD-Fraktion?
Die AfD-Fraktion umfasst Personen mit Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken, Neonazi-Gruppierungen und prorussischen Initiativen. Die folgenden Abgeordneten spielen eine besondere Rolle.
Ulrich Siegmund: Spitzenkandidat mit Remigrations- und Abschiebeoffensive
Ulrich Siegmund war als Jugendlicher zunächst bei der Jungen Union, wechselte aber später zur AfD. Seit 2016 sitzt er im Landtag. Bei einer Pressekonferenz nach der Wahl sprach er sich für Rüstungswaffen als Hilfsmittel für eine „Remigrations- und Abschiebeoffensive“ aus. Bundesweite Aufmerksamkeit erhielt er für seine Teilnahme am „Remigrationstreffen“ in Potsdam. Sein Vater profitierte in der Vetternwirtschaftsaffäre von einer Anstellung beim AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell mit einem Gehalt von bis zu 7.725 Euro im Monat. Auf TikTok hat Siegmund mehr als eine Million Follower.
Oliver Kirchner: Fraktionsvorsitzender mit rassistischen Äußerungen
Oliver Kirchner ist seit 2018 Fraktionsvorsitzender und war bei der Landtagswahl 2021 Spitzenkandidat. Der Verfassungsschutz führte ihn wegen der Verbreitung der Verschwörungstheorie vom „großen Austausch“ und rassistischer Äußerungen. Nach der Wahl bezeichnete er den BSW-Vorsitzenden Fabio De Masi als „diesen Halbitaliener“.
Hans-Thomas Tillschneider: Islamwissenschaftler und Scharfmacher
Der 48-jährige Islamwissenschaftler gehörte zum rechtsextremen Flügel und war Sprecher der Patriotischen Plattform. Er hat das Identitären-nahe Netzwerk „Ein Prozent“ mitgegründet und pflegt Kontakte zu Pegida. Tillschneider schrieb maßgeblich am ultraradikalen AfD-Wahlprogramm mit. Er sagte: „Die Bundesregierung hat dem eigenen Volk den Krieg erklärt, daher führen wir Krieg gegen diese Bundesregierung.“
Tobias Rausch: Designierter Landtagspräsident im Zentrum der Vetternwirtschaftsaffäre
Der 35-jährige Immobilienkaufmann war parlamentarischer Geschäftsführer und steht im Zentrum der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre. Er beschäftigte vier Fußballer aus seinem eigenen Verein, seine Frau arbeitet für die AfD-Fraktion, seine drei Geschwister und ein Schwager für AfD-Bundestagsabgeordnete. Rausch reiste auf Steuerzahlerkosten nach New York und besitzt laut eigener Website 176 Wohnungen. Er führt die Gespräche mit dem BSW und ist als designierter Landtagspräsident ein entscheidender Faktor für die politische Mehrheitsbildung.
Weitere Abgeordnete mit rechtsextremen Verbindungen
Simon Lansmann und Sebastian Koch stehen im Zusammenhang mit der verbotenen rechtsextremen Vereinigung Artgemeinschaft. Bei Lansmann läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Fortführung der Vereinigung. Koch posierte mit Neonazis und absolvierte Kampftrainings. Bei einer Durchsuchung wurden bei ihm Waffen gefunden. Jan Moldenhauer, promovierter Wirtschaftswissenschaftler, gilt als Autor des „Remigrationskapitels“ im Wahlprogramm. Frank-Ronald Bischoff arbeitete zwölf Jahre als Offizier für die Stasi. Ronny Kumpf wurde parteiintern „Porno-Ronny“ genannt und landete wegen Aufrufen zur „Notwehr“ gegen Sitzblockaden im Verfassungsschutzbericht.
Welche Rolle spielt das BSW bei der Regierungsbildung?
Das BSW hat fünf Abgeordnete in den Landtag entsandt. Die Fraktion will mit der AfD punktuell zusammenarbeiten. Die Gespräche werden als konstruktiv bezeichnet.
Claudia Wittig: Co-Spitzenkandidatin mit propalästinensischem Symbol
Claudia Wittig ist Vizevorsitzende der BSW-Fraktion. Die Historikerin war zwischen 2018 und 2023 Mitglied der Linken. Sie tritt oft mit einem Wassermelonen-Anstecker auf, einem propalästinensischen Symbol. Seit Dezember 2025 ist sie Beisitzerin des BSW-Bundesvorstands.
Thomas Schulze: Fraktionsvorsitzender für punktuelle Zusammenarbeit
Thomas Schulze ist seit der BSW-Gründung 2024 Co-Landesvorsitzender und wurde nach der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Er spricht sich für eine punktuelle Zusammenarbeit mit der AfD aus und nennt als Beispiel die Sanktionen gegen Russland.
John Lucas Dittrich: Jüngster Abgeordneter mit Verhandlungserfahrung
Der Jahrgang 2004 ist der jüngste Abgeordnete des Landtags. Als Gründungsmitglied des BSW wurde er 2024 zum Co-Vorsitzenden gewählt. Er verhandelt mit den anderen Fraktionen und war bei Gesprächen mit SPD, Linken und Grünen über einen überparteilichen Ministerpräsidenten anwesend.
Wie geht es nach der Konstituierung weiter?
Die Konstituierung des Landtags am Dienstag ist der erste Schritt. Die Wahl des Landtagspräsidenten und später des Ministerpräsidenten stehen an. Die AfD benötigt für eine Regierungsbildung die Stimmen des BSW. Ob es zu einer Zusammenarbeit kommt, ist noch offen. Die Gespräche zwischen den Fraktionen laufen.