Union Berlin nach 0:4 in Leverkusen: Die Lehren aus einer Lehrstunde
Der 1. FC Union Berlin hat am Samstag beim 0:4 gegen Bayer Leverkusen eine deutliche Niederlage hinnehmen müssen. Die Mannschaft von Trainer Mauro Lustrinelli zeigte dabei erneut erhebliche Probleme in der Defensive und im Spielaufbau. Nach sieben Jahren Bundesliga sind hohe Niederlagen in Leverkusen für die Köpenicker zwar nichts Neues, doch die Art und Weise des Auftritts erinnerte an die chaotischen Zeiten des Klubs.
Warum erinnert das Spiel an die Zeit unter Bo Svensson?
Die Parallelen zur vergangenen Saison sind unübersehbar. Unter Bo Svensson hatte Union ebenfalls versucht, höher zu pressen. Nach einem vielversprechenden Start scheiterte dieses Konzept jedoch, weil die Mannschaft ihre Balance verlor. Svensson wurde nach einer 1:4-Niederlage in Bremen entlassen. Lustrinellis Team zeigte am Samstag ähnliche strukturelle Probleme: Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren zu groß, und Leverkusen kombinierte sich immer wieder mühelos durch die Hintermannschaft.
Welche Rolle spielten die Zweikämpfe?
Trainer Lustrinelli analysierte nach dem Spiel: „Sie waren immer einen Schritt schneller als wir, und das hat über 90 Minuten den Unterschied gemacht.“ Die Statistiken bestätigen diesen Eindruck. Die Zweikampfquote war zwar ausgeglichen, doch entscheidend waren die Duelle, die gar nicht erst geführt wurden. Beim zweiten und dritten Tor kamen die Leverkusener Angreifer jeweils völlig frei im Strafraum zum Abschluss.
Was fordert Rani Khedira von der Mannschaft?
Routinier Rani Khedira sprach nach der Partie von einer „gewissen Lehrstunde“ und forderte eine deutliche Reaktion: „Du musst verdammt kompakt stehen.“ Diese Kompaktheit soll sowohl die Lücken im Pressing schließen als auch die Räume im Strafraum verengen. Die Umstellung auf eine Viererkette bereitet dem Team offenbar noch erhebliche Schwierigkeiten, insbesondere bei der Raumaufteilung und dem Nachrücken aus dem Mittelfeld.
Warum funktionierte das Angriffsspiel nicht?
Ein weiteres Problem war die fehlende Anspielstation für lange Bälle. In der ersten Halbzeit schlugen die Unioner viele lange Pässe auf die Doppelspitze Emmanuel Latte Lath und Marin Ljubicic, die damit jedoch wenig anfangen konnten. Der verletzte Andrej Ilic fehlt als großer Mittelstürmer, der diese Bälle hätte festmachen können. Khedira fordert stattdessen ein „gnadenloses Umschaltspiel“, das jedoch eine bessere Ballkontrolle und mehr Präzision im Aufbau erfordert.
Könnte Michael Aebischer die Lösung sein?
Lustrinelli könnte für das nächste Heimspiel gegen Schalke über eine Umstellung im Mittelfeld nachdenken. Neuzugang Michael Aebischer, in Italien als „L'equilibratore“ bekannt, gilt als ballsicherer und könnte das Aufbauspiel stabilisieren. Der Trainer selbst bleibt zuversichtlich: „Dieses spannende Projekt ist ein Prozess und wir werden diesen Weg weitergehen.“ Ob er an seinen Ideen festhält, wird sich am Freitag zeigen.
Photo: ARD-Sportschau