Ukraine greift zwölf russische Schiffe im Schwarzen Meer an: Eskalation zur See
Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Drohnenangriffe auf russische Ziele im Schwarzen Meer fortgesetzt. Nach Angaben von Robert Browdi, dem Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, wurden zwölf weitere Schiffe getroffen, darunter neun Frachter, zwei Tanker und ein Schlepper. Damit steigt die Gesamtzahl der im Juli im Asowschen und im Schwarzen Meer getroffenen Schiffe auf 159. Die Angriffe erfolgen im Rahmen einer anhaltenden ukrainischen Offensive gegen die russische Schifffahrt, die auch die Getreideexporte bedroht.
Wie reagiert Russland auf die ukrainischen Angriffe?
Russland setzt seine Luftangriffe auf ukrainische Städte fort. In der Nacht zum Freitag griff die russische Armee mit acht Raketen und 130 Drohnen an. Der ukrainische Generalstab meldet, dass fünf Raketen und 115 Drohnen abgefangen wurden. Bei den abgefangenen Raketen handelte es sich um Marschflugkörper der Typen Ch-59 und Ch-69. In Cherson wurde eine 70-jährige Frau bei einem Angriff auf Wohngebiete getötet, ein 59-jähriger Mann erlitt Verletzungen. In Sumy trafen russische Lenkbomben das Stadtzentrum und beschädigten ein Nichtwohngebäude.
Welche Auswirkungen haben die Kämpfe auf die zivile Infrastruktur?
Die ukrainische Hafenbehörde meldet, dass Russland in den ersten beiden Juliwochen 23 Mal Häfen und 17 Mal zivile Schiffe angegriffen hat. Händlern und Analysten zufolge führen diese Angriffe zu einem teilweisen Stopp der Getreidelieferungen und einer fast vollständigen Aussetzung der Getreidekäufe in den Hafenterminals. In Odessa wurden bei einem Raketenangriff zwei Menschen getötet und mindestens acht verletzt.
Wie entwickelt sich die militärische Lage an der Front?
Der ukrainische Generalstab gibt die russischen Verluste für den vergangenen Tag mit 1370 Soldaten an. Seit Beginn des Angriffskrieges hat Russland demnach insgesamt 1.425.990 Soldaten verloren. Die Ukraine macht keine Angaben zu eigenen Verlusten. CIA-Direktor John Ratcliffe erklärte auf dem Defense and Innovation Summit in Pennsylvania, dass die durchschnittliche Überlebenszeit neu eingesetzter russischer Rekruten auf dem Schlachtfeld auf 20 bis 30 Minuten gesunken sei. Dies liege an KI-gestützten Drohnen, die zu hochspezialisierten, kostengünstigen Tötungsmaschinen geworden seien. US-Beamte schätzen, dass Russland wöchentlich etwa 7000 Soldaten verliert.
Welche internationalen Reaktionen gibt es?
Der britische Premierminister Keir Starmer kündigte während seines Besuchs in Kiew eine Unterstützung in Höhe von 300 Millionen Euro für die Lieferung von 16 neuen, modernen Flugzeugen zur Verteidigung des ukrainischen Luftraums an. Die polnische Luftwaffe musste drei Tage in Folge russische Kampfflugzeuge über der Ostsee abfangen. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte, die Russen testeten erneut die Leistungsfähigkeit der polnischen Flugabwehrsysteme. Nato-Generalsekretär Mark Rutte sieht im geplanten deutschen Kauf von US-Mittelstreckenwaffen des Typs Tomahawk kein erhöhtes Eskalationsrisiko mit Russland.
Wie verändert sich die ukrainische Regierung?
Das ukrainische Parlament stimmte einem von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingeleiteten Kabinettumbau zu. Für die insgesamt 16 Minister stimmte eine deutliche Mehrheit von 264 Abgeordneten. Ausgenommen sind der Außen- und der Verteidigungsminister. Der bisherige Außenminister Andrij Sybiha soll seinen Posten behalten. Für die Leitung des Verteidigungsressorts schlug Selenskyj Jewhenij Chmara, den Chef des Geheimdiensts SBU, vor. Der Rücktritt des beliebten Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow löste Proteste in der ukrainischen Bevölkerung aus.
Welche Rolle spielen Drohnen im aktuellen Krieg?
Präsident Selenskyj erklärte, dass Drohnen mittlerweile für mehr als 80 Prozent der zerstörten russischen Ziele verantwortlich seien. Die Ukraine produziere derzeit 10 Millionen Drohnen pro Jahr, solle aber künftig doppelt so viele produzieren. Die bolivianische Generalstaatsanwaltschaft ermittelt derweil gegen ein mutmaßliches Menschenhandelsnetzwerk, das bolivianische Staatsbürger mit betrügerischen Stellenangeboten nach Russland gelockt haben soll, um sie für den Krieg gegen die Ukraine zu rekrutieren.