Neue Affenart im Kongo entdeckt: Der Likweli ist schon stark gefährdet
Im Kongobecken haben Forscher eine bislang unbekannte Affenart identifiziert. Der sogenannte Likweli, wissenschaftlich Colobus congoensis, ist kleiner als verwandte Stummelaffen und ruft mit einer ungewöhnlich tiefen Stimme. Doch sein Lebensraum ist bedroht.
Der Primat hat glänzend schwarzes Fell, einen langen Schwanz und einen leuchtend orange-cremefarbenen Fleck um Maul und Nase. Einheimische nennen ihn Likweli. Erstmals gesichtet wurde die Art 2008 in einer abgelegenen Region des Regenwaldes. Doch ein einzelnes Foto reichte damals nicht aus, um die Existenz einer eigenen Art zu belegen. Zehn Jahre später gelang eine erneute Sichtung, die umfassende genetische, anatomische und akustische Analysen auslöste. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachmagazin PLOS One, bestätigen nun: Colobus congoensis ist eine eigenständige Art.
Die neue Art ist am nächsten mit den Schwarzen Stummelaffen (Colobus satanas) verwandt, obwohl die beiden Populationen durch mehr als 1200 Kilometer Wald voneinander getrennt sind. Ein internationales Team der Florida Atlantic University, der Lukuru Wildlife Research Foundation, der Yale University, der City University of New York, des Lomami-Nationalparks und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt war an der Studie beteiligt.
Kaum entdeckt, schon bedroht
Die Zukunft des Likweli ist ungewiss. Die Tiere leben in einem begrenzten Gebiet von nur 1700 Quadratkilometern und sind Jagddruck und Lebensraumverlust ausgesetzt. Das Forschungsteam schlägt vor, die Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet einzustufen.
„Die Entdeckung von Colobus congoensis ist sowohl ein wissenschaftlicher Triumph als auch eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Lebewesen der Erde verschwinden könnten, bevor die Welt überhaupt von ihrer Existenz weiß“, sagte Kate Detwiler, Professorin für Biowissenschaften an der Florida Atlantic University und Mitautorin der Studie.
Einzigartige Rufe und scheues Verhalten
Colobus congoensis unterscheidet sich von anderen Stummelaffen durch sein maskenartiges Aussehen, seine geringe Größe (etwa sieben Kilogramm) und seine tiefen, resonanten Rufe. Diese haben eine eigenständige akustische Struktur. Die Forscher befragten auch Bewohner und Jäger in den Dörfern des Regenwaldes. Die Einheimischen beschreiben den Affen als scheu und selten zu sehen.
Zwischen 2018 und 2022 verzeichnete das Team 114 Sichtungen in einem geschätzten Verbreitungsgebiet von lediglich 1700 Quadratkilometern – ein ungewöhnlich kleines Gebiet für Stummelaffen. Die Art scheint durch Flüsse und Waldränder natürlich isoliert zu sein.
Bedeutung für den Artenschutz
Die Entdeckung unterstreicht die Biodiversität des Kongobeckens. „Selbst in Regionen, die bereits wissenschaftlich erforscht wurden, werden immer noch völlig neue Arten entdeckt. Diese Entdeckung zeigt, wie viel im zentralen Kongobecken noch unerforscht ist und wie diese Region unser Verständnis der Primatenevolution und des Primatenschutzes weiterhin prägt“, sagte Mitautor John Hart von der Lukuru Wildlife Research Station.
Die Studie ist ein Appell, die Schutzbemühungen im Kongobecken zu verstärken. Denn der Likweli könnte bald verschwinden, noch bevor die Welt ihn richtig kennengelernt hat.