Alpenhütten in Bedrängnis: Warum ein Wirt die Stornogebühren drastisch erhöht
Die Unart vieler Gäste, Reservierungen auf Vorrat zu buchen und dann nicht zu erscheinen, setzt Alpenhüttenwirte zunehmend unter Druck. Ein Betreiber im Salzkammergut hat nun Konsequenzen gezogen und die Stornogebühren verdreifacht. Die Maßnahme ist Teil eines wachsenden Problems, das die wirtschaftliche Basis vieler Berghütten gefährdet.
Wie viele Reservierungen werden nicht eingehalten?
Laut dem Österreichischen Alpenverein werden derzeit 30 bis 40 Prozent aller Reservierungen auf Alpenvereinshütten storniert. Hauptgrund ist, dass viele Gäste mehrere Optionen offenhalten und erst kurzfristig je nach Wetterlage entscheiden. Dies führt nicht nur zu entgangenen Übernachtungseinnahmen, sondern auch zu fehlenden Konsumationsumsätzen – kein Gulasch, kein Kaiserschmarrn, kein Bier.
Welche Maßnahmen hat der Hüttenwirt ergriffen?
Stephan Jobke, seit 2024 Wirt der Rieder Hütte auf 1765 Metern Höhe im Höllengebirge, hat die vom Alpenverein empfohlenen Stornogebühren verdreifacht. Die neuen Regeln: Bis fünf Tage vor der Buchung ist eine Stornierung kostenlos. Ab dem fünften Tag vor Anreise werden 35 Euro pro Person fällig, ab dem dritten Tag 45 Euro. Wer einfach nicht erscheint, zahlt die volle Halbpension von 48 Euro pro Person.
Warum sind No-Shows für Hüttenwirte besonders problematisch?
Die logistische Herausforderung ist enorm. Frische Lebensmittel müssen Tage vorher den Berg hochgeschleppt werden. „Das kann man nicht erst am Samstag kaufen. Wenn die Leute für das Wochenende gebucht haben und dann nicht kommen, haben wir die Lebensmittel umsonst hochgeschleppt“, erklärt Jobke. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter teilweise zwei Stunden anreisen und dann unverrichteter Dinge nach Hause fahren müssen. „Ich kann diesen Betrieb so sehr schwer führen“, bedauert er.
Wie reagieren Gäste auf die neuen Regeln?
Überraschend positiv. Jobke berichtet, dass Gäste nun bewusster mit ihren Buchungen umgehen, vorab nachfragen, ob ihre Buchung realistisch einzuhalten sei, und sich mehr Gedanken über einen realistischen Zeitplan ihrer Wandertour machen. „Wir sind kein Spielplatz“, gibt der Wirt zu bedenken. Und das käme bei den Gästen jetzt endlich an.
Welche grundsätzliche Botschaft vermittelt der Wirt?
Für Jobke geht es nicht nur um wirtschaftlichen Schadensausgleich, sondern um Wertschätzung. „Die Berge und auch alle Hütten sind keine Freizeitarena, die wir auf Knopfdruck oder Münzeinwurf einfach öffnen und schließen können“, stellt er klar. Die Maßnahmen sollen die Gäste aufrütteln und ein Bewusstsein für die Realität des Hüttenbetriebs schaffen.
Quellen: Interview mit Stephan Jobke, Facebook-Post Stephan Jobke, Alpenverein Österreich