Ukraine greift Moskau mit Hunderten Drohnen an
In der Nacht auf Sonntag hat die Ukraine die russische Hauptstadtregion mit rund 600 Drohnen angegriffen. Das bestätigte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin auf Telegram. Die Luftabwehr habe 201 Drohnen über der Region Moskau zerstört, die meisten seien bereits beim Anflug abgefangen worden. Drei Menschen wurden verletzt. Ein großes Logistikzentrum des Online-Händlers Wildberries in Podolsk geriet in Brand.
Was geschah in Podolsk?
Das rund 200.000 Quadratmeter große Wildberries-Lager in Podolsk südlich von Moskau wurde nach ukrainischem Angriff komplett zerstört. Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zeigen die riesige Halle in Flammen. Sobjanin hatte zunächst behauptet, alle Drohnen seien abgefangen worden. Die Bilder widerlegen diese Darstellung. Konkrete Angaben zu Sach- und Personenschäden liegen bislang nicht vor. Es handelt sich um das größte Logistikzentrum von Wildberries.
Welche weiteren Angriffe gab es in der Nacht?
Russische Streitkräfte haben Kiew mit ballistischen Raketen beschossen. Mindestens eine Person wurde verletzt, in zwei Bezirken brachen Brände aus. In Krywyj Rih, der Heimatstadt von Präsident Wolodymyr Selenskyj, tötete ein russischer Angriff eine Frau und verletzte 13 Menschen. Zuvor waren dort zwei Männer schwer verletzt worden, einem musste ein Bein amputiert werden. In Cherson traf ein FPV-Drohnenangriff ein Mehrfamilienhaus, zwei Menschen wurden schwer verletzt.
Wie reagiert die Nato?
Ein spanischer F-18-Kampfjet hat im Rahmen einer Nato-Mission eine Drohne über Rumänien abgeschossen. Es ist bereits der vierte Vorfall dieser Art in diesem Jahr. Die Drohne habe den nationalen Luftraum illegal verletzt, teilte das rumänische Verteidigungsministerium mit. Zur Herkunft machte das Ministerium keine Angaben. Rumänien grenzt direkt an die Ukraine.
Was sagt Polens Außenminister?
Radoslaw Sikorski wirft Russland vor, einen hybriden Krieg gegen den Westen zu führen. „Russland hat uns bereits den Krieg erklärt, nur eben ohne Panzer“, sagte er der griechischen Zeitung „Kathimerini“. Der Kreml führe eine Kampagne der Desinformation, um Polen gegen Ukrainer aufzuhetzen. Sikorski nannte Mordkomplotte, Sabotage an der Eisenbahn und Drohneneindringlinge als Beispiele. „Je schlechter Russland auf dem Schlachtfeld abschneidet, desto aggressiver versucht der Kreml, den Westen zu destabilisieren.“
Wie entwickelt sich die militärische Lage?
Polens Premierminister Donald Tusk kündigte an, das Land werde „bald die größte Armee Europas“ haben. Aktuell zählt die polnische Armee 220.000 Soldaten, das Ziel sind 300.000 Aktive und 200.000 Reservisten. Polen hat seine Streitkräfte seit 2014 mehr als verdoppelt und ist nach den USA und der Türkei die drittgrößte Armee der Nato. Ein ukrainischer Offizier hält ein Kriegsende durch einen internen Umsturz in Russland für möglich. „Wir leben in einer Zeit des Schwarzen Schwans“, sagte Andrij Onytstrat. Ein unvorhersehbares Ereignis wie der Wagner-Aufstand 2023 könnte die Lage grundlegend verändern.
Welche neuen Überwachungspläne verfolgt Russland?
Das russische Verkehrsministerium will Reisebewegungen der Bevölkerung in Echtzeit überwachen. Verkehrsunternehmen sollen tatsächliche Reisedaten binnen 15 bis 30 Minuten an staatliche Datenbanken melden. Gespeichert werden Passdaten, E-Mail-Adressen, IP-Adressen und Zahlungsinformationen. Zugriff haben unter anderem Innenministerium und FSB. Experten vermuten, dass das System vor allem zur Strafverfolgung eingesetzt wird.
Was geschah in Frankreich?
Frankreich hat die russische Propagandistin Xenia Fedorova ausgewiesen. Sie leitete RT France, den französischsprachigen Ableger des vom Kreml finanzierten Senders. Fedorova wird beschuldigt, Desinformationskampagnen unterstützt zu haben, die die öffentliche Ordnung destabilisieren sollten.