Ukraine-Krieg: Lawrow droht mit unbegrenzter Zielverfolgung, während Trump auf Winter-Einigung hofft
Der Ukraine-Krieg bleibt auch nach viereinhalb Jahren ein zentraler Konfliktpunkt der internationalen Politik. Während der russische Außenminister Sergej Lawrow vor der UN-Vollversammlung in New York betonte, die militärischen Ziele Russlands in der Ukraine würden „egal unter welchen Umständen“ erreicht, äußerte US-Präsident Donald Trump die Hoffnung auf eine Einigung zwischen Kiew und Moskau „vielleicht noch vor dem strengen Winter“. Die jüngsten Entwicklungen zeigen eine unverändert angespannte Lage mit zahlreichen Opfern auf beiden Seiten.
Lawrow: Russland wird Ziele „egal wie“ erreichen
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat vor der UN-Vollversammlung in New York bekräftigt, dass Russland entschlossen sei, seine militärischen Ziele in der Ukraine „egal wie“ zu erreichen. „Die Ziele der speziellen Militäroperation werden erreicht, die Bedrohung der russischen Sicherheit wird beseitigt und das friedliche Leben wird zurückkehren“, sagte Lawrow. Dies werde „egal unter welchen Umständen passieren“.
Gleichzeitig warf der russische Chefdiplomat den europäischen Staaten vor, die Friedensbemühungen der US-Regierung zu behindern. „Europa tut alles in seiner Macht Stehende, um die von der Trump-Regierung gewünschten Friedensgespräche zu torpedieren“, so Lawrow. Der Westen versorge die ukrainische Regierung mit Waffen und helfe Kiew dabei, „Drohnen und Raketen auf Zivilisten und zivile Infrastruktur zu richten“.
Trump hofft auf Einigung vor dem Winter
US-Präsident Donald Trump hat die Hoffnung geäußert, dass die Ukraine und Russland noch vor dem Winter eine Einigung erzielen. Auf eine Journalistenfrage zu Patriot-Raketen für die Ukraine antwortete Trump: „Ich habe viel mit ihm (Selenskyj) gesprochen, und er ist dazu bereit, und Putin ist dazu bereit. Eines Tages – hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft, vielleicht noch vor dem strengen Winter – werden sie eine Einigung erzielen.“
Das Büro von Präsident Wolodymyr Selenskyj dementierte unterdessen einen Bloomberg-Bericht, wonach Trump ihn zu Gesprächen mit Putin nach Moskau aufgefordert habe. Präsidentenberater Dmytro Lytvyn erklärte gegenüber dem Kyiv Independent: „Das sind Falschinformationen.“ Trump und Selenskyj hätten die Möglichkeit trilateraler Gespräche zwischen den USA, der Ukraine und Russland erörtert, ein Treffen in Moskau sei jedoch nicht vorgeschlagen worden.
Wadephul trifft Lawrow: Appell zur Deeskalation
Bundesaußenminister Johann Wadephul ist am Rande der UN-Generaldebatte in New York mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammengetroffen. Es war das erste bilaterale Treffen der Außenminister beider Länder seit Jahren. Bei dem Gespräch habe der CDU-Politiker Lawrow aufgefordert, „den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der Nato zu verlassen“, hieß es aus Kreisen der deutschen Delegation.
Vorfälle wie der Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen Anfang August würden „das von Russland ohnehin bereits schwer beschädigte bilaterale Verhältnis zu Deutschland weiter beeinträchtigen“. Wadephul betonte, die Möglichkeit der Rückkehr zu einem konstruktiveren Verhältnis bestehe „jederzeit“. Dies setze jedoch die ernsthafte Bereitschaft der russischen Führung voraus, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Eine solche Bereitschaft sei „bislang nicht zu erkennen“.
Mindestens 16 Tote bei gegenseitigen Angriffen
Bei gegenseitigen Angriffen in Russland und der Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens 16 Menschen getötet worden. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden zwei Menschen in Saporischschja im Süden des Landes getötet, vier weitere Todesopfer meldeten die Behörden in Sumy und in Dnipropetrowsk. Die russischen Behörden meldeten zehn Todesopfer bei ukrainischen Angriffen.
In Saporischschja starben bei einem russischen Angriff am Morgen offenbar zwei Frauen, die Mutter und Großmutter eines dreijährigen Jungen. Ihr Haus wurde bei der Attacke getroffen, wie die Seite Ukrainska Pravda unter Berufung auf die Militärverwaltung meldet. Zudem sei ein Markt in Saporischschja angegriffen worden.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Region Krasnodar kamen laut örtlichen Behörden drei Menschen ums Leben, zwei wurden verletzt. In einer Kohlelagerstätte im russischen Jakutien starben bei einer Explosion vier Menschen. Die Detonation ereignete sich bei Schweißarbeiten an einer Reserve-Pumpstation, möglicherweise durch einen Druckverlust oder einen Riss im Wassertank.
Kiew meldet zahlreiche Verletzte und Schäden an ziviler Infrastruktur
Bei russischen Attacken in der Nacht sind laut Selenskyj 14 Menschen verletzt worden. Es gab zahlreiche Angriffe auf Wohnhäuser in Kiew und Saporischschja sowie in den Regionen Odessa, Sumy und Charkiw. Zivile Infrastruktur sei beschädigt worden, darunter ein Kindergarten in Kiew und eine Universität in Charkiw.
Der ukrainische Generalstab meldete 205 Gefechte an der Front im Laufe des vergangenen Tages. Russland habe demnach 79 Luftangriffe durchgeführt. Das russische Militär hat zudem die Stadt Kiew in der Nacht erneut mit Drohnen angegriffen. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von vier Verletzten, nachdem ein Wohnhaus getroffen wurde und ein Feuer ausbrach. Zwanzig Menschen seien aus dem Gebäude gerettet worden.
Ukraine bestätigt Angriffe auf russische Infrastruktur
Ukrainische Streitkräfte haben in einem nächtlichen Angriff die Ölraffinerie Ilsky in der südrussischen Region Krasnodar getroffen. Das teilte das Militär in Kiew mit. In der Anlage sei ein Brand ausgebrochen. Der Gouverneur der Region Krasnodar, Veniamin Kondratiev, bestätigte, dass Drohnen den Bezirk Seversky, in dem sich die Raffinerie befindet, angegriffen haben.
Neben dem Angriff auf die Raffinerie bestätigte Selenskyj auch eine Attacke auf eine Rüstungsfabrik im Gebiet Rostow. Demnach versorgt diese Russland unter anderem mit Bauteilen für Raketen.
Berichte über Hunger in besetzter Stadt Oleschky
In einer von russischen Truppen besetzten Stadt im Süden der Ukraine sollen Menschen verhungert sein. Das meldet die staatliche ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf den Journalisten Oleh Baturin. Er habe mit inzwischen geflohenen Einwohnerinnen und Einwohnern aus der Stadt Oleschky gesprochen, die noch mit in der Stadt verbliebenen Menschen in Kontakt stehen. „Es gibt bereits Fälle, in denen Menschen verhungern“, schreibt Baturin. „Die Menschen pflücken Portulak aus ihren Gärten, kochen ihn und essen ihn.“
Baturins Quellen bestätigten keine Berichte, wonach die Menschen in Oleschky angeblich aus Hunger Hunde äßen: „Wir haben nichts über Hunde gehört.“ Auch sei nicht berichtet worden, dass Menschen Ratten gefangen und verspeist haben sollen.
Selenskyj fordert entschlossenere Reaktion der Weltgemeinschaft
Nach den nächtlichen Angriffen auf zivile Ziele in der Ukraine mit mehreren Toten und Verletzten ruft Selenskyj die internationalen Partner dazu auf, Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. „Wenn die Russen beschlossen haben, ihre Angriffe noch brutaler zu gestalten, muss die Welt entschlossenere Gegenmaßnahmen ergreifen, um eine weitere Ausweitung des Krieges zu verhindern“, schreibt er in einer Mitteilung bei Telegram. Darin adressiert er konkret US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Die Ukraine bittet ihre Partner um weitere 27 Milliarden Dollar für die Verteidigung. Die Verteidigungskosten seien gestiegen, sagte Selenskyj Journalisten über WhatsApp. Die Ukraine müsse im Oktober und November Drohnen bestellen, da sie sonst Anfang nächsten Jahres vor Herausforderungen stehen werde. Kiew habe die EU gebeten, einen Teil eines Darlehens vorzuziehen. Dazu habe er eine positive Antwort von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erhalten.
ISW: Russland nimmt zunehmend ukrainische Rechenzentren ins Visier
Das russische Militär nimmt laut einer US-Denkfabrik verstärkt ukrainische Rechenzentren ins Visier, um die Wirtschaft des Landes zu schwächen. Wie das Institute for the Study of War (ISW) berichtet, will Moskau damit die digitale Infrastruktur in der Ukraine stören, auf die Zivilisten und Unternehmen täglich angewiesen sind.
Nato-Übung in Lettland: Vier italienische Soldaten verletzt
Bei einem Zwischenfall während einer Nato-Übung in Lettland sind vier italienische Soldaten verletzt worden, einer davon schwer. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Rom wurde ihr Fahrzeug in einem Stützpunkt nahe der Kleinstadt Adazi mit einem Maschinengewehr beschossen, das auf einem italienischen Schützenpanzer vom Typ Dardo befestigt war. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Keiner der vier sei in Lebensgefahr, hieß es. Das Militär leitete Ermittlungen ein.
Finnische und schwedische Luftwaffe operieren gemeinsam gegen Russen
Die finnischen und schwedischen Luftstreitkräfte haben am Mittwoch ihre erste gemeinsame Operation durchgeführt: Sie ließen finnische F/A-18 Hornets und schwedische JAS 39 Gripen aufsteigen, um eine russische Formation über dem Finnischen Meerbusen abzufangen und zu identifizieren. Die russische Formation umfasste Transportflugzeuge vom Typ Tu-134, Kampfflugzeuge vom Typ MiG-31 und Su-30 und hielt sich im internationalen Luftraum auf.
Der operative Einsatz markiert die konkrete Umsetzung der nordischen Luftstreitkräftekooperation. Gemeinsam mit Norwegen und Dänemark arbeitet das neu erweiterte Bündnis aktiv daran, die Ostseeregion in eine hochgradig synchronisierte Verteidigungsbarriere an der Ostflanke der Nato zu verwandeln.
Britische Firmen erhalten ukrainische Schlachtfelddaten für KI-Training
Bis zu zwölf britische Unternehmen werden erstmals Zugang zu ukrainischen Schlachtfelddaten erhalten, um neue KI-Modelle für Drohnenschwärme zu entwickeln, teilt das britische Verteidigungsministerium mit. Erst einen Monat zuvor unterzeichneten Großbritannien und die Ukraine ein KI-Partnerschaftsabkommen. Britische Unternehmen sind nun aufgefordert, Vorschläge zur Nutzung dieser „wertvollen Datenquelle vom Schlachtfeld“ einzureichen. Die Auswahl soll innerhalb weniger Wochen erfolgen.
Unabhängiger Politologe in Russland festgenommen
Wenige Tage nach der russischen Parlamentswahl ist der unabhängige Politologe Alexander Kynew in Russland festgenommen worden. Sein Anwalt bestätigte mehreren russischen Medien die Festnahme und kündigte an, dagegen vorgehen zu wollen. Einem Eintrag auf der Website eines Moskauer Gerichts zufolge wird ihm vorgeworfen, in großem Umfang illegal Drogen hergestellt, verkauft oder abgesetzt zu haben. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Im Februar wurde Kynew als „ausländischer Agent“ eingestuft.
WTO prüft Russlands Vorwürfe gegen EU-Handelsregeln
Der Streitschlichtungsausschuss der Welthandelsorganisation (WTO) untersucht auf Antrag Russlands, ob die EU gegen Handelsregeln verstößt. Dabei geht es um das CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) und angebliche Exportsubventionen. Das CBAM soll sicherstellen, dass für Importe die gleichen CO₂-Kosten gelten wie für in der EU hergestellte Produkte. EU-Vertreter äußerten sich bemerkenswert darüber, dass Russland als Land, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, sich nun auf internationales Recht berufen wolle, um Zugang zum europäischen Markt zu erhalten. Die EU sei zuversichtlich, dass sowohl das CBAM als auch der Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten mit den WTO-Regeln vereinbar sind.
FAQ zum Ukraine-Krieg: Aktuelle Entwicklungen
Was hat Lawrow vor der UN-Vollversammlung gesagt?
Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, Russland werde seine militärischen Ziele in der Ukraine „egal unter welchen Umständen“ erreichen. Er warf Europa vor, die Friedensbemühungen der US-Regierung zu torpedieren.
Wie viele Todesopfer gab es bei den jüngsten Angriffen?
Bei gegenseitigen Angriffen in Russland und der Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens 16 Menschen getötet worden. In Saporischschja starben zwei Menschen, vier weitere Todesopfer gab es in Sumy und Dnipropetrowsk. Die russischen Behörden meldeten zehn Todesopfer bei ukrainischen Angriffen.
Was fordert die Ukraine von ihren Partnern?
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert weitere 27 Milliarden Dollar für die Verteidigung und eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Zudem bittet Kiew die EU, einen Teil eines Darlehens vorzuziehen.
Wie reagiert Deutschland auf die jüngsten Entwicklungen?
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat Russland aufgefordert, den Weg der Eskalation zu verlassen. Er betonte, die Möglichkeit der Rückkehr zu einem konstruktiveren Verhältnis bestehe „jederzeit“, setze jedoch die ernsthafte Bereitschaft der russischen Führung voraus, den Angriffskrieg zu beenden.