Blessin-Übernahme in Gladbach: Effenberg und Großkreutz uneins über Rettungschancen
Die Lage bei Borussia Mönchengladbach ist ernst: Vier Spiele, null Punkte, 16 Gegentore. Der neue Trainer Alexander Blessin, zuvor beim FC St. Pauli entlassen, soll die Mannschaft aus der Krise führen. Ob der 52-Jährige diese Aufgabe bewältigen kann, schätzen Fußballexperten unterschiedlich ein. Während Stefan Effenberg eine Trendwende für möglich hält, zweifelt Kevin Großkreutz grundsätzlich an der Trainerwahl.
Welche Ausgangslage erwartet Blessin in Gladbach?
Borussia Mönchengladbach steckt in der schwersten sportlichen Krise seit Jahren. Mit null Punkten aus vier Spielen und 16 Gegentoren ist die Mannschaft Tabellenletzter der Bundesliga. Die Vereinsführung reagierte mit der Entlassung des bisherigen Trainers und der Verpflichtung von Alexander Blessin. Der gebürtige Stuttgarter übernimmt ein Team, das laut Experten tief verunsichert ist.
Blessin kennt den Abstiegskampf aus seiner Zeit beim FC St. Pauli. In der Saison 2024/25 führte er den Kiezklub zu einer stabilen Defensive, nur Bayern München kassierte weniger Gegentore. In der Folgesaison stieg St. Pauli jedoch als Tabellenletzter ab, was zur Trennung führte.
Wie beurteilt Stefan Effenberg die Lage?
Stefan Effenberg äußerte sich im „Doppelpass“ bei Sport1 verhalten optimistisch. „Es wird schwierig, es wird verdammt schwierig, weil die Mannschaft komplett verunsichert ist“, sagte der Ex-Profi. Die Vereinsführung habe die Alarmzeichen erkannt und mit dem Trainerwechsel die logische Konsequenz gezogen. Effenberg zeigte sich dennoch besorgt über den möglichen weiteren Absturz: „Es macht mir sehr wohl Sorgen, wo die Reise von Borussia Mönchengladbach eventuell hingehen könnte.“
Gleichwohl traut er Blessin die Wende zu: „Sie bleiben drin, aber es wird sehr, sehr eng.“ Der Trainerwechsel allein könne das Momentum nicht umkehren, so Effenberg.
Warum zweifelt Kevin Großkreutz an der Trainerwahl?
Rio-Weltmeister Kevin Großkreutz äußerte sich im Video-Podcast „Großkreutz & Küpper – Viertelstunde Fußball“ deutlich skeptischer. „Der ist gerade abgestiegen“, sagte der Ex-BVB-Star. „Ist das der richtige Trainer für so einen Traditionsverein in der Situation?“ Für ihn sei Gladbach ein anderes Regal als St. Pauli. „Das ist ja noch mal ein ganz anderer Verein. Und die ganzen harten Gegner kommen ja auch noch“, so Großkreutz.
Welche Rolle spielt das Testspiel gegen St. Pauli?
Am Samstag trifft Gladbach im Testspiel auf den FC St. Pauli, Blessins ehemaligen Verein. Für den Trainer ist es eine Rückkehr ans Millerntor. Das Spiel gilt als erster Stimmungstest, auch wenn es offiziell nur ein Freundschaftsspiel ist. Ex-BVB-Boss Sven Mislintat bezeichnete das anschließende Ligaspiel gegen den 1. FC Köln am 11. Oktober als „gefühltes Endspiel“ für Gladbach. „Das kann alles anzünden, das kann aber natürlich auch in die tiefste Depression fallen“, warnte er.
Der Auftakt in Siegen war erfolgreich: Die Blessin-Elf gewann das Testspiel gegen den Regionalligisten Sportfreunde Siegen mit 3:0.
Wie schätzen andere Experten die Situation ein?
Sportjournalist Michael Horeni zeigte sich im „Doppelpass“ skeptisch: „Ob das jetzt funktioniert unter diesen schwierigen Bedingungen, das ist mehr als zweifelhaft, wahnsinnig schwierige Aufgabe.“ Sky-Moderator Thomas Wagner widersprach und verwies auf Blessins Erfolge in Belgien, wo er mit Union Saint-Gilloise Pokalsieger und Vizemeister wurde. Kult-Kommentator Marcel Reif betonte, dass der Druck nicht auf Blessin liege: „Abstiegskampf kennt er doch von St. Pauli. Das ist jetzt nicht so, dass er jetzt plötzlich Real Madrid auf Meisterkurs bringen sollte.“
FAQ: Blessin und Gladbach
Warum wurde Alexander Blessin bei St. Pauli entlassen?
Blessin stieg mit dem FC St. Pauli als Tabellenletzter aus der Bundesliga ab. Nach dem Abstieg trennte sich der Verein von ihm.
Wie viele Gegentore kassierte Gladbach in den ersten vier Spielen?
Borussia Mönchengladbach kassierte in den ersten vier Saisonspielen 16 Gegentore und holte dabei null Punkte.
Wann spielt Gladbach gegen den 1. FC Köln?
Das Derby gegen den 1. FC Köln findet am 11. Oktober in der Bundesliga statt. Zuvor testet Gladbach am 3. Oktober beim FC St. Pauli.