Die Stadtvertretung von Neubrandenburg hat am Donnerstag über Investitionen von rund 4,3 Millionen Euro für Straßen, Sport und Kultur abgestimmt. Wie der Nordkurier Online berichtet, sollen die Vorhaben überwiegend mit Fördermitteln finanziert und ab 2027 in die Haushaltsplanung aufgenommen werden. Die Mehrzahl der Projekte geht auf Anträge der Fraktion SPD/Grüne zurück.
Die Entscheidungen fallen in einer angespannten finanziellen Lage. Wie der NDR berichtet, steuert die Vier-Tore-Stadt auf jährliche Defizite von 25 Millionen Euro und mehr zu. Weil die Leistungsfähigkeit der Stadt mit dem Haushalt 2027 mindestens gefährdet sei, rechnet die Verwaltung bei größeren Vorhaben mit einem erhöhten Förderanteil von 90 Prozent. Die Mittel stammen aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes und werden in Mecklenburg-Vorpommern über den „MV-Plan 2035“ verteilt.
Kein Hallenkauf: SPD und Grüne setzen andere Schwerpunkte
Eine der größten Einzelentscheidungen betraf die Sporthalle Am Anger in der Südstadt, die bislang von der städtischen Wohnungsgesellschaft Neuwoges gemietet wird. Für einen Erwerb waren rund 1,7 Millionen Euro eingeplant. Die Beschlussvorlage errechnete jährliche Mietkosten von 427.000 Euro und daraus eine Amortisation nach vier Jahren. Im Betriebsausschuss relativierte die Verwaltung diese Rechnung: Die gesamte Miete lasse sich nicht einsparen, weil darin auch Instandhaltungsaufwendungen enthalten seien.
Der Antrag der Fraktion SPD/Grüne, auf den Kauf zu verzichten und das Geld für mehrere andere Projekte zu verwenden, fand eine deutliche Mehrheit. Die Fraktion schlug unter anderem Verschattungsanlagen für den Marktplatz, eine Modernisierung des Skateparks am Reitbahnweg, einen Jugendplatz am Mühlendamm und einen besser zugänglichen Veranstaltungsplatz im Museumshof vor.
Straße Am Augustabad: 1,95 Millionen Euro für Sanierung
Für rund 1,95 Millionen Euro soll die Straße Am Augustabad auf etwa 530 Metern erneuert werden. Die Fahrbahn ist marode, Gehwege fehlen, Regenwasser fließt unzureichend ab. Ein besserer Belag soll auch Radfahrern auf dem Tollenseseeradrundweg zugutekommen; zusätzliche Parkplätze sollen die sommerlichen Engpässe am Bad lindern.
Wie viele Stellplätze entstehen und wie die Verkehrsflächen aufgeteilt werden, ist noch offen. Eine ausgearbeitete Planung fehlt bislang, erklärte Stadtplanungschef Frank Renner im Finanzausschuss.
Kritik kam von Ratsherr Bernd Herrmann (Projekt NB), der die Sinnhaftigkeit des Ausbaus infrage stellte: Warum solle die Stadt für viel Geld eine Straße neu gestalten, wo es nur an wenigen Tagen im Jahr eng werde, und warum sei ein Fußweg geplant, den es am Seeufer bereits gebe. Nach Nordkurier-Informationen könnte Herrmanns Wortmeldung ein Nachspiel haben: Der Ratsherr wohnt an der betreffenden Straße, sodass eigentlich ein Mitwirkungsverbot für Aussprache und Abstimmung hätte greifen müssen. Ob der Beschluss gültig bleibt, muss noch geprüft werden.
Pumptrack auf dem Datzeberg und barrierefreies Spielgerät
Auf dem Datzeberg soll für etwa 300.000 Euro ein Pumptrack entstehen, eine Strecke mit Wellen und Kurven für Fahrräder, Roller oder Inlineskates. Ergänzend sind ein Pavillon als wettergeschützter Treffpunkt sowie Tisch-Bank-Kombinationen vorgesehen. Der öffentlich zugängliche Pumptrack steht auch Erwachsenen offen. Er geht auf eine Befragung von 2023 zurück, bei der sich Kinder und Jugendliche mehr frei nutzbare Sportangebote wünschten.
Im Kulturpark ist nahe der Stadthalle ein barrierefreies Spielgerät mit Zuwegung und Sitzgelegenheiten geplant. Dafür stehen 50.000 Euro bereit, die vollständig aus Fördermitteln kommen sollen. Die Stadt greift damit eine Empfehlung des Bürgerrates von 2025 auf, öffentliche Räume für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen besser nutzbar zu gestalten.
500.000 Euro für die Bühnentechnik des Landestheaters
Weitere 500.000 Euro sind als Zuschuss an die Theater- und Orchester GmbH für die Erneuerung der Bühnentechnik im Landestheater Neustrelitz vorgesehen. Die Verwaltung beschreibt erhebliche altersbedingte Schäden und Sicherheitsmängel. Ohne eine grundlegende Erneuerung drohten langfristig Einschränkungen des Spielbetriebs. Neubrandenburg beteiligt sich als einer der Träger an der Finanzierung.
Wann die einzelnen Arbeiten beginnen, geht aus der Beschlussvorlage überwiegend noch nicht hervor. Zunächst müssen die Projekte in die Haushaltsplanung ab 2027 aufgenommen werden; die Förderbescheide erteilt der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte auf Grundlage der beschlossenen Projektlisten.
Häufige Fragen
Wie hoch sind die Investitionen in Neubrandenburg?
Die Stadtvertretung hat am Donnerstag über Vorhaben von rund 4,3 Millionen Euro abgestimmt, die überwiegend aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes gefördert werden sollen.
Warum wurde die Sporthalle Am Anger nicht gekauft?
Die Fraktion SPD/Grüne setzte mit deutlicher Mehrheit durch, auf den Kauf für rund 1,7 Millionen Euro zu verzichten und das Geld stattdessen in mehrere kleinere Projekte wie Verschattungsanlagen, Skatepark-Modernisierung und einen Jugendplatz zu investieren.
Warum erhält Neubrandenburg einen Förderanteil von 90 Prozent?
Weil die Verwaltung die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt mit der Haushaltsplanung 2027 als mindestens gefährdet einstuft, rechnet sie bei größeren Vorhaben mit einem erhöhten Förderanteil von 90 Prozent.
