EZB-Präsidentin Lagarde: Keine Klarstellung zu vorzeitigem Rücktritt
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), hat erneut Spekulationen über einen möglichen vorzeitigen Rücktritt angeheizt. In einem Interview mit dem Wall Street Journal am Donnerstag vermied sie eine klare Stellungnahme zu Berichten über einen Abschied vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2027.
Stabilität versus politische Taktik
"Wenn ich auf all diese Jahre zurückblicke, denke ich, wir haben viel erreicht", erklärte Lagarde. Sie wolle ihre Erfolge konsolidieren und "auf solide und verlässliche Beine stellen". Ihre Grundannahme sei, dass dies "bis zum Ende meiner Amtszeit dauern wird".
Die Spekulationen entstehen in einem heiklen politischen Kontext. Ein vorzeitiger Rücktritt würde Präsident Emmanuel Macron ermöglichen, den einflussreichen Posten noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 neu zu besetzen. Dies könnte verhindern, dass Marine Le Pens rechtsextreme Partei Rassemblement National bei einer möglichen Machtübernahme Einfluss auf die Besetzung erhält.
Kritik an "antidemokratischen" Manövern
Jordan Bardella, Präsident des Rassemblement National, bezeichnete solche Überlegungen als "antidemokratisch". Die extreme Rechte sieht in derartigen Personalentscheidungen einen Versuch, ihre potenzielle Machtausübung zu beschränken.
Frederik Ducrozet von Pictet Wealth Management warnt vor den Risiken: "Solche Tricks anzuwenden, um die EZB vor populistischem Druck zu schützen, macht keinen guten Eindruck und könnte durchaus nach hinten losgehen."
Weitere Personalwechsel in Sicht
Die Personaldiskussion beschränkt sich nicht nur auf Lagarde. François Villeroy de Galhau, Chef der französischen Zentralbank, kündigte bereits seinen Rücktritt für Juni an. Zudem werden nächstes Jahr die Posten des Chefökonomen Philip Lane und von Isabel Schnabel im EZB-Direktorium frei.
Lagarde betonte ihre Mission: den "Schutz des Euro, damit er solide, stark und für Europas Zukunft gerüstet ist". Als mögliche Option nach ihrem EZB-Abschied nannte sie das Weltwirtschaftsforum, bezeichnete dies aber nur als "eine der vielen Optionen".
Die Unabhängigkeit der EZB steht damit erneut im Fokus der politischen Debatte, während Europa vor wichtigen Weichenstellungen steht.