Teilzeitfalle: Warum Mütter Vollzeit oft unmöglich ist
Die Bundesregierung fordert mehr Erwerbsarbeit. Doch für viele Mütter scheitert Vollzeit nicht am Willen, sondern an unzureichender Kinderbetreuung und starren Arbeitsstrukturen. Eine Analyse der strukturellen Barrieren.
Wenn der Wille da ist, die Struktur aber fehlt
Deutschland braucht laut Bundesregierung mehr Arbeitskräfte. Unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) wird zunehmend die Forderung erhoben, Menschen sollten länger oder mehr arbeiten. Auch Eltern rücken dabei in den Fokus: mehr Erwerbsarbeit, mehr Vollzeit, weniger Teilzeit. In vielen Familien scheitert dies jedoch nicht am mangelnden Willen, sondern an Betreuungszeiten, unflexiblen Arbeitsmodellen und der praktischen Frage, wer nachmittags zur Verfügung steht.
Sarina Bornkessel, 43 Jahre alt, kennt diesen Konflikt aus ihrem Alltag. Sie arbeitet als Referentin für strategische Kommunikation an der Universität Bielefeld mit einem Stundenumfang von 26 Stunden. Ihr Mann ist Abteilungsleiter in einer Kommunalverwaltung und arbeitet 35 Stunden. Das Wunschmodell der Familie wäre ein anderes: Beide Eltern möchten jeweils 32 Stunden arbeiten. Finanziell käme die Familie damit ungefähr auf dasselbe Ergebnis. Care-Arbeit und Mental Load wären fairer verteilt.
Derzeit übernimmt Bornkessel mehr Familienarbeit, da ihr Mann mit seiner Führungsposition weniger Zeit hat.