Ukraine setzt auf neue Militärführung und verstärkt Offensive gegen Russland
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die militärische Führung des Landes umfassend umgebaut. Nach tagelangem öffentlichen Druck entließ er Armeechef Olexandr Syrskyj und ernannte Generalmajor Mychajlo Drapatyj zum neuen Oberbefehlshaber. Gleichzeitig kündigte Drapatyj eine verstärkte Offensive an, während die Ukraine ihre Angriffe auf russische Logistikzentren und Infrastruktur fortsetzt. Die Entwicklungen zeigen eine strategische Neuausrichtung Kiews im Abwehrkrieg gegen Russland.
Warum wurde der Armeechef ausgewechselt?
Präsident Selenskyj entließ Syrskyj nach tagelangen Protesten von Demonstranten und politischem Druck. Der entlassene Verteidigungsminister Mychailo Fedorow begrüßte die Ablösung und sprach von „frischem Wind und neuer Hoffnung“. Fedorow hatte Syrskyj vorgeworfen, mit einem Ultimatum seine Entlassung erzwungen und das Land gespalten zu haben. Politikanalystin Oksana Huss sieht den Personalwechsel als direkte Antwort auf die Unzufriedenheit der Gesellschaft: Viele Ukrainer forderten mehr Anpassung statt bloßer Kontinuität.
Wer ist der neue Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj?
Der 43-jährige Generalmajor Drapatyj ist seit 25 Jahren Soldat. Während des Donbass-Kriegs 2014 kämpfte er gegen von Moskau unterstützte Separatisten. Das Portal „Kyiv Independent“ beschreibt ihn als „obersten modernen, auf Menschen fokussierten Militärführer der Ukraine“. Drapatyj schrieb auf Facebook: „Ich werde verantwortungsbewusst, konzentriert und mit Respekt gegenüber den Menschen arbeiten, die heute unser Land verteidigen.“ Er kündigte an, die Armee zu reformieren: „Die Armee braucht Veränderungen, aber ohne Gerechtigkeit sind Veränderungen für die Menschen sinnlos, die diesen Krieg jeden Tag auf ihren Schultern tragen.“
Welche Offensivpläne hat die Ukraine?
Drapatyj kündigte an, die offensiven Operationen in allen Dimensionen fortzusetzen und zu intensivieren. Dazu gehören neue Operationen hinter den feindlichen Linien, die Weiterentwicklung des Militärs und der Technologien sowie der Ausbau der Fähigkeiten der Streitkräfte. Präsident Selenskyj rechtfertigte die Angriffe auf russische Logistikzentren als Teil des Abwehrkampfes. Getroffen wurden unter anderem Zentren des Online-Versandhändlers Wildberries in Krasnodar und Newinnomyssk, die nach ukrainischen Angaben die russische Armee mit Drohnenbauteilen und Ausrüstung versorgten. Zudem wurden ein Öllager in Armawir sowie ein Tanker und vier Trockenfrachter im Schwarzen und Asowschen Meer getroffen. „Wir verlagern den Krieg ganz zu Recht zurück nach Russland“, so Selenskyj.
Wie reagiert Russland auf die ukrainischen Angriffe?
Russland verhängte eine nächtliche Sperrung für den Schiffsverkehr im Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer. Zwischen Mitternacht und 5 Uhr Ortszeit dürfen keine Schiffe ein- oder auslaufen. Über Noworossijsk wird bis zu ein Drittel der russischen Getreideexporte abgewickelt. Die Nachricht trieb den Preis für Weizen-Terminkontrakte an der Börse Euronext um 4,5 Prozent in die Höhe. Die Regierung hatte den Schiffsverkehr im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch bereits eingeschränkt. Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf Wildberries-Logistikzentren wurden nach russischen Behördenangaben zwei Menschen getötet und mindestens 14 verletzt.
Welche Rolle spielen internationale Partner?
Der US-Botschafter bei der Nato, Matt Whitaker, reiste nach Kiew, um über die Lieferung von Patriot-Abfangraketen und das geplante Drohnengeschäft zu beraten. Die Ukraine leidet unter einem Mangel an diesen Raketen, während Moskau seine Luftangriffe verstärkt hat. Der Besuch erfolgt vor dem Hintergrund, dass die Trump-Regierung nach Monaten der Ungewissheit eine stärker unterstützende Haltung gegenüber der Ukraine signalisiert. Bundeswehr-Pioniere helfen Polen bei der Befestigung seiner Grenze zu Belarus und zur russischen Exklave Kaliningrad. Sie legen gemeinsam mit der polnischen Armee Panzerabwehrgräben an und errichten Panzersperren. Ziel ist es, im Falle eines militärischen Konflikts eine Invasion zu verzögern und die Reaktionsfähigkeit der Nato zu erhöhen.
Wie steht es um die deutsch-russische Atom-Zusammenarbeit?
Das niedersächsische Umweltministerium genehmigte die Herstellung von Brennelementen russischer Bauart in der Atomfabrik Lingen in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom. Das Vorhaben stößt parteiübergreifend auf scharfe Kritik. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Geheimdienst-Kontrollgremiums, CDU-Politiker Marc Henrichmann, warnte vor Sicherheitsrisiken: „Während sich die russische Führung mit dem Beginn des Angriffskrieges aus der friedlichen Staatengemeinschaft entfernt hat, versuchen sie über Umwege weiterhin zentrale Knotenpunkte unserer kritischen Infrastruktur unter ihrer Kontrolle zu halten.“ Die Bundesregierung wies zudem russische Berichte zurück, wonach in Deutschland an einer Atombombe gearbeitet werde. Ein Regierungssprecher bezeichnete dies als „übliche russische Propaganda“.
Was bedeutet die neue Regierung in Moldau für die Region?
Das Parlament der Republik Moldau billigte eine neue Regierung unter Ministerpräsident Vasile Tofan. Der 45-jährige Finanzexperte kündigte an, den pro-europäischen Kurs beibehalten zu wollen. Ziel ist es, bis Ende 2028 ein Abkommen über den Beitritt Moldaus zur Europäischen Union zu unterzeichnen und das Land auf eine Aufnahme bis 2030 vorzubereiten.
FAQ: Die wichtigsten Fragen zur neuen ukrainischen Militärführung
Warum wurde Armeechef Syrskyj entlassen?
Syrskyj wurde nach tagelangem öffentlichen Druck und Protesten von Demonstranten entlassen. Der entlassene Verteidigungsminister Fedorow warf ihm vor, das Land gespalten zu haben. Präsident Selenskyj reagierte damit auf die wachsende Unzufriedenheit in der Gesellschaft.
Was zeichnet den neuen Oberbefehlshaber Drapatyj aus?
Drapatyj gilt als moderner, auf Menschen fokussierter Militärführer. Er kämpfte bereits 2014 gegen pro-russische Separatisten und fordert eine umfassende Armee-Reform mit mehr Gerechtigkeit für die Soldaten.
Wie will die Ukraine den Krieg intensivieren?
Die Ukraine plant verstärkte Offensiven in allen Dimensionen, neue Operationen hinter feindlichen Linien und Angriffe auf russische Logistik- und Energieinfrastruktur. Ziel ist es, den Krieg nach Russland zu verlagern.