Aggression im Krankenhaus: Klinikum Werra-Meißner dokumentiert zunehmende Gewalt gegen Pflegekräfte
Seit 2020 verzeichnet das Klinikum Werra-Meißner eine deutliche Zunahme von Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen gegenüber seinem Personal. In einem Video machen Mitarbeiter auf die alarmierende Entwicklung aufmerksam und fordern mehr Respekt.
Wie erleben die Mitarbeiter den Umgangston?
Der Großteil der Patienten und Angehörigen begegne dem Personal höflich und respektvoll, teilt das Klinikum mit. Dennoch sei ein angespannter Tonfall in vielen Situationen spürbar. Der Ärztliche Direktor Dr. Peter Schott betont: „Behandele uns respektvoll, damit wir dich optimal behandeln können.“
Hat die Zahl der Beleidigungen zugenommen?
Ja, insbesondere seit 2020 beobachtet das Klinikum eine „deutliche Verschärfung des Umgangstones“. Neben krankheitsbedingten Übergriffen entstehe Aggression zunehmend aus Hilflosigkeit, etwa weil Patienten sich im Gesundheitssystem schwer zurechtfinden. Auch die gesellschaftliche Gewaltbereitschaft zeige sich.
Welche Formen von Gewalt treten auf?
Die Bandbreite reicht von verbalen Drohungen über diskriminierende Beschimpfungen bis zu körperlichen Angriffen. Seit 2020 verzeichnet das Klinikum eine spürbare Zunahme sowohl in der Anzahl als auch in der Intensität. Leichte Angriffe wie Schubsen oder Schläge seien häufig, aber auch schwerwiegende Fälle wie Würgen, Tritte oder Bedrohungen mit Waffen kämen vor.
Wie geht das Klinikum mit krankheitsbedingten Vorfällen um?
Bei Demenz oder psychischen Ausnahmesituationen stehe nicht die Aggression im Vordergrund, sondern die zugrunde liegende Erkrankung, so das Klinikum. Das Personal sei durch Ausbildung darauf vorbereitet, medizinische Ursachen zu erkennen und angemessen zu reagieren.
Welche Maßnahmen ergreift das Klinikum?
Das Klinikum verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber willensgesteuerter Gewalt: Jeder gemeldete Übergriff wird zur Anzeige gebracht. Zusätzlich gibt es regelmäßige Deeskalationsschulungen, Selbstverteidigungsangebote und ein Team geschulter kollegialer Erstbetreuer. Auch Teamsupervision und Klinikseelsorge stehen zur Verfügung.
Was wünschen sich die Mitarbeiter?
Einen respektvollen Umgang: „Für konstruktive Kritik und Anregungen sind wir immer offen, aber niemals für Beleidigungen, Diskriminierungen oder körperliche Übergriffe.“
Gibt es auch positive Momente?
Ja, die positiven Erfahrungen überwiegen laut Klinikum eindeutig. Ein aufrichtiges „Danke“ oder ein freundliches Lächeln geben gerade in belastenden Zeiten großen Antrieb. Besonders berührend sei ein Patient, der sich jährlich am Tag seiner Wiederbelebung beim Team meldet und kleine Aufmerksamkeiten vorbeibringt.