Tod am Gipfelkreuz: Das letzte Video der 37-jährigen Tölzerin
Nadine Günzinger, eine 37-jährige Sozialarbeiterin aus Bad Tölz, ist beim Abstieg von der 2106 Meter hohen Montscheinspitze im Karwendel tödlich verunglückt. Ihre letzte Ruhe fand sie am Mittwoch unter einer jungen Linde im Friedhof Waldruh in Dietramszell. Das Unglück ereignete sich ohne Zeugen, die genauen Umstände bleiben ungeklärt. Ihre Schwester Stefanie Günzinger bestätigte, dass die Verletzungen so schwerwiegend waren, dass der Tod sofort eingetreten sein muss.
Ein letztes Lebenszeichen: Video und Gipfelfoto
Auf ihrem unbeschädigt aufgefundenen Handy befanden sich ein Video und ein Gipfelfoto, die später in der Todesanzeige veröffentlicht wurden. In dem Video sagt sie: „Was für ein Geschenk.“ Diese Worte werden ihre Schwester, ihre Mutter und ihren 15-jährigen Sohn Korbinian erst nach ihrem Tod erreichen. Das Gipfelfoto zeigt sie strahlend am Gipfelkreuz.
Wer war Nane? Ein Porträt einer vielseitigen Frau
Freunde und Familie beschreiben Nadine Günzinger als „Chaos-Queen“ und „wuide Henna“. Sie war Vegetarierin, liebte die Farben Orange und Grün sowie Federn. Sie engagierte sich als Frauenrechtlerin und wollte die Welt verbessern, besonders ihre Heimatstadt Bad Tölz. Ihre Bachelorarbeit, die sie nicht mehr abschließen konnte, behandelte die bessere Vereinbarkeit von Rad- und Fußgängerverkehr an der Isarpromenade.
„Man hat sie überall tanzend, lächelnd und singend gesehen“, erinnert sich ihre Schwester Stefanie. Musik war ein zentraler Bestandteil ihres Lebens. „Nane war laut, aber auch leise. Man konnte mit ihr wirklich tiefsinnige Gespräche führen“, ergänzt die gemeinsame Freundin Isi Frank.
Ein Leben voller Neuanfänge und Bildung
Mit 21 Jahren bekam sie ihren Sohn Korbinian. Diese Herausforderung nahm sie an und machte eine beeindruckende Entwicklung durch. Sie holte ihren Schulabschluss nach, arbeitete als Schulbegleiterin, gründete mit ihrer Schwester und Gabriella Hüsken die Bar N19 in Bad Tölz, absolvierte ein Fernstudium zur Erzieherin und arbeitete im ReAL-Verbund. Mit ihrer Hündin Emma schloss sie eine Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie ab. Zuletzt studierte sie Soziale Arbeit in Benediktbeuern.
Dreh- und Angelpunkt für Familie und Freundeskreis
Nadine Günzinger war das verbindende Element ihrer Familie und eines großen Freundeskreises aus verschiedenen Berufs- und Altersgruppen. „Sie hatte immer ein offenes Haus, jeder durfte kommen. Ein bisschen wie bei Pippi Langstrumpf“, sagt ihre Schwester. „Sie hat einfach Menschen zusammengebracht.“
Abschied in bunten Farben und letzte Ruhe unter der Linde
Die Familie entschied sich bewusst für eine Aufbahrung, bei der viele Trauernde Federn mitbrachten, „damit sie sich ihr Flügelkleid basteln kann“. Die Beerdigungsgäste wurden gebeten, bunte Kleidung zu tragen. Die Urne wurde unter einer jungen Linde beigesetzt, die immer in der Sonne steht. „Das war genau ihr Wetter“, sagt Stefanie Günzinger.
In den Gipfelbüchern hinterließ Nadine Günzinger stets denselben Spruch: „Ich bitte, ich glaube, ich empfange. In tiefer Dankbarkeit. Nane.“