Neubau Carolabrücke Dresden: Fachjury empfiehlt schlanke Konstruktion
Eine Fachjury hat ihre Empfehlung für den Neubau der Dresdner Carolabrücke ausgesprochen. Den ersten Platz belegt der Entwurf der Planergemeinschaft Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG (LAP) gemeinsam mit Knight Architects. Auf den weiteren Plätzen folgen die ARGE FHECOR Deutschland und TSSB Planungsgesellschaft (Rang zwei), die Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH mit DKFS (Rang drei) sowie das Ingenieurbüro GRASSL GmbH gemeinsam mit gmp Architekten (Rang vier).
Warum der Siegerentwurf überzeugt
Der bevorzugte Entwurf erfüllt laut Stadt die umfangreichen Anforderungen und Restriktionen eines Ersatzneubaus am besten. Die schlanke und transparente Brückenkonstruktion fügt sich zurückhaltend in die historische Altstadt ein und respektiert damit das bauliche Erbe der sächsischen Landeshauptstadt.
Auch die Nutzungen auf und unter der Brücke sowie im Bereich der Widerlager, der seitlichen Auflager am Brückenende, sind laut Jury sorgfältig gelöst. Die gitterförmige Gestaltung der Voutenbereiche und der angedeuteten Brückenbögen verleiht dem Bauwerk eine eigenständige Identität als neue Dresdner Carolabrücke und führt die Entwicklungsgeschichte der beiden Vorgängerbauten fort.
Strenges Bewertungsverfahren
Grundlage der Bewertung war eine umfassende Vorprüfung durch ein externes Ingenieurbüro, die Fachämter der Landeshauptstadt sowie die Partner der Auftraggibergemeinschaft, die Dresdner Verkehrsbetriebe AG und die SachsenEnergie AG. Das Gremium, dem Fachleute aus Architektur und Bauingenieurwesen verschiedener Universitäten und weiterer Institutionen angehören, bewertete die Entwürfe nach Kriterien wie Städtebau, Architektur, Denkmalschutz, Verkehr, Tragwerksplanung, Bauzeit, Kosten, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit.
Das Expertengremium betont, dass jeder der vier Entwürfe eine hohe Qualität aufweise und eine risikoarme Projektdurchführung erlauben würde. Bereits die Vorprüfung habe ergeben, dass alle Arbeiten den in der Ausschreibung definierten Anforderungen der Landeshauptstadt entsprechen und umsetzbar sind. Dennoch habe sich eine klare Reihenfolge identifizieren lassen.
Gremiumsvorsitzender Steffen Marx von der TU Dresden ordnete das Verfahren grundsätzlich ein. Die von der Stadt gewählte Mehrfachbeauftragung habe sich als gelungener Weg erwiesen und werde Vorbildwirkung haben. Sie ermögliche eine frühe und umfangreiche Bürgerbeteiligung. Mit der einstimmigen Empfehlung wolle das Gremium dem weiteren Entscheidungsprozess eine fundierte Orientierung bieten, so Marx.
AfD fordert Bürgerentscheid und ignoriert Expertise
Politischen Rückhalt für das Verfahren signalisiert die AfD-Stadtratsfraktion, wenn auch nicht zwingend für die Reihenfolge. Deren baupolitischer Sprecher Thomas Ladzinski begrüßte, dass das Expertengremium alle vier Entwürfe als rechtssicher und im Kostenrahmen realistisch umsetzbar eingestuft habe. Damit sei gewährleistet, dass die Bürger bei der Bürgerbeteiligung uneingeschränkt zwischen allen Entwürfen wählen könnten.
Für die Positionierung seiner Fraktion sei die Reihung des Gremiums hingegen nicht maßgeblich. Entscheidend, so Ladzinski, sei das Votum der Bürgerbeteiligung. Ein Ansatz, der fachliche Expertise zugunsten populärer Stimmungsmache zu marginalisieren droht und bereits in anderen Kontexten für kontroversen Diskurs sorgt.
Bürgerbeteiligung als demokratischer Kern
Die Empfehlung des Gremiums ist ein Baustein im laufenden Beurteilungsprozess. Parallel sind die Dresdnerinnen und Dresdner aufgerufen, ihre Präferenzen einzubringen. Über den endgültigen Siegerentwurf entscheidet der Stadtrat. Demokratische Teilhabe und fachliche Bewertung gehen hier Hand in Hand, ein Prinzip, das für eine funktionierende Stadtentwicklung unerlässlich ist.
Nach der Auftaktveranstaltung am 13. Juni, bei der die Entwürfe öffentlich im Stadtforum vorgestellt werden und die Bürgerbeteiligung Carola-Vote startet, folgt im Juni und Juli eine intensive Beteiligungsphase mit Bürgerdialog und mehreren Brückencafés zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten.
Anfang August werden zunächst die Ergebnisse der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie des Carola-Vote präsentiert, bevor das Begleitgremium am 18. August die Beteiligungsergebnisse vorstellt und die Entwürfe als Empfehlung für den Stadtrat platziert. Anschließend befassen sich der Bauausschuss, die Stadtbezirksbeiräte Alt- und Neustadt sowie weitere Fachausschüsse mit den Entwürfen, ehe der Stadtrat am 3. September über den Siegerentwurf entscheidet.
Nächste Schritte und Zeitplan
Bereits im September 2026 soll das siegreiche Planungsteam mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung beauftragt werden, wobei zuvor mögliche Anpassungen vorgenommen werden. Nachdem der Stadtrat im August 2027 den konkreten Bau beschlossen hat, folgen ab September 2027 die Genehmigungsplanung und die Vergabe der Bauleistungen.
Der Baubeginn ist für Mai 2028 geplant, die Fertigstellung der neuen Carolabrücke soll bis 2031 erfolgen, möglicherweise mit einer vorherigen Teilfreigabe.