DFB-Pokal: 35 verletzte Polizisten nach Ausschreitungen in Mannheim
Das Erstrunden-Derby im DFB-Pokal zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern ist am Freitagabend von schweren Ausschreitungen überschattet worden. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Mannheim wurden 35 Polizeibeamte leicht verletzt, 85 Fans mussten medizinisch betreut werden, acht von ihnen kamen in ein Krankenhaus. Die Partie, die der FCK nach Verlängerung mit 1:0 gewann, stand zeitweise kurz vor dem Abbruch.
Was geschah beim Pokal-Derby in Mannheim?
Bereits vor dem Anpfiff wurden Raketen gezündet. Nach Ablauf der regulären Spielzeit eskalierte die Lage: Spieler beider Mannschaften gerieten aneinander, Fans schossen Raketen auf das Spielfeld und die Haupttribüne, einige Mannheim-Anhänger stürmten den Platz. Auch berittene Polizei rückte auf den Rasen vor. Die Begegnung wurde für rund 30 Minuten unterbrochen, ehe Schiedsrichter Robert Schröder die Verlängerung anpfiff.
Wie bewertet der Schiedsrichter die Situation?
Schröder bezeichnete die Partie als eines der schwersten Spiele seiner Karriere. „Wenn Raketen aufs Spielfeld oder sogar auf die Tribünen fliegen und Menschen verletzt werden können, dann ist das immer eine sehr sensible Situation“, sagte der 40-Jährige bei Sky. „Und ich persönlich muss auch sagen, wenn irgendwo Menschen gefährdet sind, dann hört der Spaß auf und dann ist man sehr nah am Abbruch.“
Welche Konsequenzen drohen den Vereinen?
Beiden Vereinen steht ein Nachspiel bevor. Schröder kündigte an: „Wir werden das im Sonderbericht alles erfassen. Der wird entsprechend lang sein und dann ist es die Aufgabe des Spielausschusses oder des Sportgerichtes, da die Sanktionen zu finden.“ Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, unter anderem wegen Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.
Wie reagieren die Verantwortlichen?
Kaiserslauterns Sportgeschäftsführer Thomas Hengen zeigte sich bestürzt: „Es war ein Derby und das muss auf dem Platz bleiben. Was dann auf den Rängen abgegangen ist, das war drüber. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball.“ Er habe nicht gedacht, dass die Partie zu Ende gespielt werden könne.
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) lobte die Arbeit der Sicherheitskräfte und übte scharfe Kritik an den Randalierern. „Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch behandeln“, sagte Hagel der „Bild“.
Polizeidirektor Michael Reichert, Gesamteinsatzleiter des Präsidiums Mannheim, zog eine positive Bilanz des Polizeieinsatzes: „Die intensive Vorbereitung aller beteiligten Institutionen und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten haben sich ausgezahlt. Unser taktisches Konzept ging voll auf.“ Insgesamt waren 1400 Polizeibeamtinnen und -beamte im Einsatz.
Wie geht es nach den Ausschreitungen weiter?
Die Ereignisse in Mannheim werfen erneut Fragen zur Sicherheit bei sogenannten Hochrisikospielen auf. Die Diskussion über wirksame Maßnahmen gegen Gewalt im Stadion dürfte in den kommenden Tagen an Intensität gewinnen. Der DFB wird sich mit dem Fall befassen und über Sanktionen gegen beide Vereine entscheiden.
