Die Schauspielerin Christine Neubauer hat einem Projekt für das deutsche Fernsehen eine Absage erhalten und wirft den Entscheidern der Branche vor, das Interesse des Publikums an Geschichten älterer Menschen zu ignorieren. Das berichtet Bunte unter Berufung auf ein Gespräch Neubauers mit der Abendzeitung München.
Neubauer, 64 Jahre alt und seit mehr als vier Jahrzehnten im deutschen Fernsehen präsent, hatte einen Stoff entwickelt, dessen Hauptfiguren ein 60-jähriges Liebespaar sind. Die Verantwortlichen lehnten das Projekt mit der Begründung ab, das Publikum interessiere sich nicht für Geschichten der älteren Generation.
Was ist passiert?
Die Absage betrifft ein Projekt, das Neubauer seit längerem vorantreiben wollte. „Einen Stoff, den ich gerne für das deutsche Fernsehen umsetzen würde, habe ich immer noch in der Schublade“, sagte sie der Abendzeitung. „Das Projekt wurde allerdings abgelehnt, weil die beiden Hauptfiguren, ein Mann und eine Frau mit einer Liebesgeschichte, 60 Jahre alt sind.“
Als Begründung wurde ihr laut eigener Aussage mitgeteilt, dass sich das Publikum nicht für Geschichten der älteren Generation interessiere. Neubauer widerspricht dem aus eigener Erfahrung.
„Das Publikum kommt auf mich zu und zeigt Interesse an solchen Geschichten. Nur erreicht dieses Interesse offenbar zu selten die Entscheider oder sie sind schlicht zu blind dafür“, sagte sie.
Warum die Debatte über Altersgrenzen in der Filmbranche breiter geführt werden muss
Der Fall Neubauers ist kein Einzelfall, sondern passt in ein Muster, das die Branche seit Jahren kennzeichnet: Ältere Schauspielerinnen erhalten seltener Hauptrollen, und Stoffe mit Protagonistinnen über 60 gelten als schwer vermarktbar. Dabei widersprechen Erfolge wie „Ein fast perfekter Antrag“ mit Heiner Lauterbach und Iris Berben dieser Annahme. Der Film lief im Sommer 2026 und füllte nach Angaben Neubauers die Kinosäle. Dass die Verantwortlichen dies offenbar nicht zur Kenntnis nehmen, ist Teil des Problems.
Wenn Programmverantwortliche Geschichten über ältere Menschen mit Verweis auf mangelndes Publikumsinteresse ablehnen, treffen sie eine Entscheidung, die gesellschaftliche Realität ignoriert. Die Bevölkerung in Deutschland altert; die Zielgruppen, für die öffentliche und private Sender produzieren, sind längst nicht mehr überwiegend unter 50. Es wäre an der Zeit, dass sich Programmplanung an den tatsächlichen Sehgewohnheiten orientiert statt an überholten Annahmen.
Neubauer bleibt kämpferisch
Die Absage hat Neubauer getroffen, aber nicht entmutigt. „Natürlich frustriert mich das. Aber ich war schon immer eine Kämpfernatur. Ich gebe nicht auf und glaube weiter daran, dass vielleicht doch noch ein blindes Huhn ein Korn findet“, sagte sie der Abendzeitung.
Ihre Haltung passt zu ihrem werdegang. Neubauer hat sich in der Branche nie etwas geschenkt, und sie tut es auch jetzt nicht: Sie produziert selbst, sie sucht sich Partner im Ausland, und sie nutzt ihre Bekanntheit, um Projekte zu realisieren, die andere nicht finanzieren wollen.
Der neue Film: „La Puta Vida“
Unabhängig von der Absage in Deutschland hat Neubauer bereits ein neues Projekt abgeschlossen. In Chile drehte sie den Film „La Puta Vida“, in dem sie nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern gemeinsam mit ihrem Ehemann José Campos auch als Co-Produzentin fungierte. Die Dreharbeiten sind abgeschlossen.
Für Neubauer hat der Drehort eine persönliche Bedeutung: Sie und José Campos lernten sich in der Atacama-Wüste kennen. „Jetzt wieder genau dort zu drehen und dann auch noch unseren eigenen Film zu realisieren, ist etwas ganz Besonderes“, sagte sie.
Der Film soll 2027 in die Kinos kommen, zunächst in Chile, da er mit chilenischer Förderung unterstützt wurde. Neubauer plant eine Tour über bekannte Festivals, möglicherweise nach Venedig, Berlin, Toronto oder San Sebastián. Für einen Start in Deutschland will sie sich persönlich einsetzen: „Ich werde jedenfalls alles dafür tun, dass wir ihn auch nach Deutschland bringen.“
Was der Fall über die Branche verrät
Neubauers Erfahrung zeigt, dass es auch nach vier Jahrzehnten im Geschäft keine Selbstverständlichkeit ist, Projekte mit älteren Protagonistinnen ans deutsche Fernsehen zu bringen. Das ist nicht nur ein Problem für einzelne Schauspielerinnen. Es ist ein Strukturproblem, das die Vielfalt der erzählten Geschichten beschneidet. Solange Sender und Produktionsfirmen Geschichten über Menschen über 60 als Risiko behandeln, bleibt ein großer Teil der Lebensrealität im deutschen Fernsehen underrepräsentiert.
FAQ
Warum wurde Christine Neubauers Fernsehprojekt abgelehnt?
Die Verantwortlichen begründeten die Absage laut Neubauer damit, dass sich das Publikum nicht für Geschichten der älteren Generation interessiere. Die Hauptfiguren des Projekts sind 60 Jahre alt.
Wann kommt Christine Neubauers neuer Film „La Puta Vida“ in die Kinos?
Der Film soll 2026 in die Kinos kommen, zunächst in Chile, da er mit chilenischer Förderung unterstützt wurde. Neubauer plant, ihn auch nach Deutschland zu bringen.
Welche Rollen übernahm Christine Neubauer bei „La Puta Vida“?
Sie spielte die Hauptrolle und fungierte gemeinsam mit ihrem Ehemann José Campos als Co-Produzentin. Gedreht wurde in Chile, unter anderem in der Atacama-Wüste, wo sich das Paar kennengelernt hatte.
