Angriffe auf NS-Gedenkstätten erreichen Höchststand
Die Zahl der Angriffe auf Holocaust-Gedenkstätten in Deutschland hat einen besorgniserregenden Höchststand erreicht. Eine aktuelle Umfrage des ARD-Politikmagazins Panorama unter rund 130 Gedenkstätten zeigt eine dramatische Zunahme rechtsextremer und antisemitischer Vorfälle.
Verdopplung der Vorfälle in Sachsenhausen
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten berichtet von einer Verdopplung der Vorfälle in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in den vergangenen Jahren. Zu den dokumentierten Straftaten zählen rassistische Beleidigungen, das Zeigen des Hitlergrußes, Sachbeschädigungen sowie Hakenkreuz- und israelfeindliche Schmierereien.
"Was sich massiv verändert hat, ist das politische Umfeld, ablesbar am Erstarken der AfD und dem gesellschaftlichen Rechtsruck", analysiert ein Sprecher der Stiftung die beunruhigende Entwicklung.
Neue Dimension antisemitischer Angriffe
Oliver von Wrochem, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten, beobachtet eine qualitative Veränderung der Angriffe. Während früher fast ausschließlich rechtsextremistische Vorfälle zu verzeichnen waren, kommen heute auch linksextremistische Angriffe mit Palästina-Bezug hinzu. An der KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme sprühten Unbekannte eine Hamas-Parole an eine Gedenkwand.
Rekordwerte in der Kriminalstatistik
Die polizeiliche Statistik verzeichnete 2024 mit 352 Straftaten gegen Gedenkstätten, Mahnmale und Stolpersteine den höchsten Wert seit Beginn der einheitlichen Erfassung 2019. Seit dem Hamas-Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 registrierte die Polizei mindestens 81 Straftaten mit Nahost-Bezug gegen Erinnerungsorte.
Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich im Februar 2025 am Berliner Holocaust-Mahnmal, als ein 19-jähriger Syrer gezielt einen Besucher mit einem Messer angriff. Der Täter gab an, "Juden töten" zu wollen und muss sich nun wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.
Niedrige Aufklärungsquote bereitet Sorgen
Besonders problematisch ist die geringe Aufklärungsquote von unter zehn Prozent. Bei den meisten Sachbeschädigungen und Propagandadelikten bleiben die Täter unbekannt. Ein positives Beispiel lieferte jedoch Niedersachsen, wo die Polizei einen AfD-Rechtsextremisten anhand von Videoaufnahmen überführen konnte, der die Holocaust-Gedenkstätte Hannover-Ahlem angegriffen hatte.
Gesellschaftlicher Widerstand wächst
Trotz der zunehmenden Angriffe verzeichnen die Gedenkstätten stabile oder sogar steigende Besucherzahlen. "Viele Menschen gehen bewusst in Gedenkstätten, um ein Zeichen zu setzen, dass diese Orte relevant bleiben", beobachtet von Wrochem. Das wachsende Bewusstsein für die Bedrohung der Erinnerungskultur motiviere Menschen, aktiv Widerstand gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck zu leisten.
Die Entwicklung verdeutlicht die dringende Notwendigkeit verstärkter Schutzmaßnahmen und gesellschaftlicher Aufklärung, um die Erinnerung an die NS-Verbrechen vor extremistischen Angriffen zu bewahren.