ZDF-Kommentator Paubandt zur WM: Hass, Sport und Politik
Gari Paubandt (37) kommentiert bei der anstehenden Fußball-WM in Nordamerika die Spiele im ZDF. Im Interview spricht der Wahl-Hamburger über seine Vorbereitung, den Umgang mit digitaler Gewalt und die unvermeidbare Politisierung des Turniers in den USA.
Vom Praktikanten zur WM-Stimme
Paubandt kam 2008 für sein Studium von Berlin nach Hamburg. Über Stationen bei Hamburg1 und dem HSV arbeitete er sich hoch. Nun steht sein größter Auftrag an. Trotz fehlender Bundesliga-Erfahrung und bisheriger Turniere mit der Nationalmannschaft blickt er zuversichtlich auf die Aufgabe. Seine Vorbereitung bestehe darin, kleine Geschichten zu finden und sich einen Überblick über die vielen Teams zu verschaffen. Vollständige Vorbereitung sei jedoch kaum möglich.
Ich wünschte, ich wüsste die Lösung, mich zu 99,9 Prozent vorbereitet zu fühlen, weil es einfach so viel ist.
Digitale Gewalt und der Umgang mit Hass
Mit wachsender Sichtbarkeit steigt auch die Angriffsfläche in den sozialen Netzwerken. Paubandt hat Strategien entwickelt, um sich zu schützen. Er deaktiviere bestimmte Funktionen, um nicht für jeden erreichbar zu sein. Während einige Kollegen Hass öffentlich machen, hat Paubandt einen anderen Weg gewählt. Er habe aufgehört, die Kommentare zu lesen, da sie ihm nichts bringen. Kritik verarbeite er nur über vertraute Ansprechpartner. Dies zeigt das zunehmende Problem der Toxizität in den digitalen Medien, das auch den Sportjournalismus zunehmend belastet.
Am Anfang habe ich mir das schon angesehen, einfach auch um die Resonanz zu checken. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass es mir nichts bringt und ich davon gar nichts mitnehmen kann.
Die Rolle des Kommentators und Chancen der DFB-Elf
Paubandt wehrt sich gegen eine Überschätzung seiner beruflichen Rolle. Die Spieler auf dem Rasen stünden im Rampenlicht, der Kommentator diene lediglich der Begleitung. Zur Nationalmannschaft sagt er, dass leichte Zweifel erlaubt seien, da starke Gegner früh aufeinandertreffen könnten. Besonders gespannt ist er auf Manuel Neuer und wie dieser seine Rolle unter Julian Nagelsmann ausfüllt. Die Diskussion um Nagelsmanns Kommunikation im Vorfeld findet Paubandt merkwürdig, er lobt jedoch die Sicherheit des Bundestrainers bei der Kadervorstellung.
Politik und Sport lassen sich nicht trennen
Die vorangegangene WM war stark von politischen Debatten geprägt. Der DFB möchte in den USA nun alle politischen Themen ausblenden, was angesichts der gesellschaftlichen Spannungen im Gastgeberland kritisch gesehen werden muss. Paubandt hält diese Ausblendung nur bis zu einem gewissen Punkt für möglich. Der Fußball sei zu groß, um ihn hundertprozentig von der Politik zu trennen. Es gebe bei diesem Turnier Spannungsfelder, die man nicht ignorieren könne, wie etwa die Situation des Iran. Zwar stehe der Sport im Vordergrund, die gesellschaftliche und politische Dimension bleibe aber bestehen.
Der Fußball ist so groß, dass man das nicht hundertprozentig trennen kann. Es gibt allein bei diesem Turnier genug Spannungsfelder, die man gar nicht ausblenden kann.
Auch wenn er sich auf den Sport freut, räumt Paubandt ein, dass es für ein solches Event in den USA unter den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen bessere Zeitpunkte gegeben hätte. Dennoch überwiege bei ihm die Vorfreude auf seine erste WM.
Sportliche Erwartungen und HSV-Blick
Als klaren Favoriten sieht Paubandt Spanien. Für das Turnier hebt er den französischen Spieler Désiré Doué als möglichen Star hervor. Als Anhänger des HSV verfolgt er besonders die kroatische Mannschaft. Luka Vuskovic stehe für eine neue kroatische Generation, die die Mentalität der Altstars besitze. Paubandt ist gespannt auf dessen Leaderrolle im Nationalteam. Für Miro Muheim wünscht er sich Einsatzzeiten auf der großen Bühne. Für die deutsche Nationalmannschaft prognostiziert er den Einzug ins Halbfinale, wo das Team jedoch an Spanien scheitern werde, bevor es den dritten Platz erreiche.