WM-Titelchance für Simon Zachenhuber: Vom Tanzparkett in den Ring nach Dschidda
Der Profiboxer Simon Zachenhuber steht vor der größten Herausforderung seiner Karriere. An diesem Samstag kämpft der 28-jährige Supermittelgewichtler im saudi-arabischen Dschidda um den WM-Gürtel des Verbandes WBO. Sein Gegner ist der ungeschlagene Brite Hamzah Sheeraz. Der Kampf wird live auf DAZN übertragen.
Der Weg zum WM-Kampf
Zachenhuber, der aus Erding stammt, hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Vor fünf Jahren sorgte er als Kandidat bei der RTL-Tanzshow „Let's Dance“ für Aufsehen. Ohne Vorerfahrung erreichte er das Halbfinale und erweiterte seine Fangemeinde deutlich. Nun will er im Ring glänzen. „Das löst in mir Glücksgefühle aus“, sagte Zachenhuber bei DAZN. Mit dem Kampf um den WM-Gürtel gehe für ihn „ein Traum“ in Erfüllung. „Deswegen bin ich Profi geworden.“
Doch allein die Teilnahme reicht ihm nicht. „Jetzt, wo es so weit ist, da will man natürlich mehr“, sagte er. „Da will man gewinnen, ich fahr' da auch zum Gewinnen hin.“
Bilanz und Bühne
Zachenhubers Profibilanz weist 29 Siege in 30 Kämpfen aus. Auf einer so großen Bühne wie dem Jeddah Superdome, der bis zu 40.000 Zuschauer fasst, stand er jedoch noch nie. Sein Kampf ist Teil des Warm-ups für das Hauptevent: das Schwergewichts-Duell von Ex-Weltmeister Anthony Joshua mit dem Albaner Kristian Prenga.
„Es ist toll, auf dieser großen Karte boxen zu dürfen“, sagte Zachenhuber. Ablenken lassen wolle er sich von dem Glitzer und Glamour nicht. „Da ist genauso ein Ring wie bei allen anderen 30 Kämpfen, die ich gemacht habe.“
Deutscher Boxsport im Aufwind
Der zarte Aufschwung des deutschen Boxsports nach dem WM-Titel für Schwergewichtler Agit Kabayel ist für Zachenhuber keine Belastung, sondern Ansporn. „Man spürt einen leichten Aufwind, und da bin ich natürlich bereit, ordentlich mitzupusten“, sagte der Bayer. Sein erfahrener Trainer Conny Mittermeier meinte: „Simon ist bissig, der lässt nicht nach, der will es wissen. Er ist sehr weit gekommen, und jetzt hat er die Krone vor sich.“
Herausforderungen im Leben
Zachenhuber ist keiner, den eine große Aufgabe einschüchtert. Im Leben hat er schon viele Herausforderungen meistern müssen. Kurz nach seiner Geburt erlitt sein Vater einen schweren Sportunfall, seitdem sitzt er schwerbehindert im Rollstuhl. Die Mutter musste viel arbeiten, „damit wir Kinder eine Zukunft haben“, so Zachenhuber. Diese Opferbereitschaft habe er „aufgenommen in meine DNA“, sagte der Boxer, „in jeder Zelle ist das drin“.
So ging er auch den Traum vom WM-Titel an, den er schon als Jugendlicher hegte. Fast jeden Tag ging er vor der Schule um 5 Uhr laufen. „Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich beim Laufen fast eingeschlafen bin.“ Und nach der Schule wurde wieder trainiert. „Man verschiebt Grenzen nur, wenn man sie erreicht und da drüber geht“, meinte Zachenhuber.
Der Gegner: Hamzah Sheeraz
Vor Weltmeister Sheeraz hat Zachenhuber keinen übergroßen Respekt. „Das ist ein Mensch mit zwei Händen und einem Kopf, und den muss man genauso boxen wie jeden anderen auch.“ Bei der bislang größten Chance seines Sportler-Lebens wolle er das „Herz in die Hand nehmen“ und „Vollgas geben“. Und möglichst nie das Kinn heben – anders als bei seinen „Let's Dance“-Auftritten.
FAQ: Simon Zachenhubers WM-Kampf
Wann und wo findet der Kampf statt?
Der Kampf findet an diesem Samstag im Jeddah Superdome in Dschidda, Saudi-Arabien, statt. Die Übertragung erfolgt live auf DAZN.
Wer ist Simon Zachenhubers Gegner?
Sein Gegner ist der ungeschlagene Brite Hamzah Sheeraz, der den WM-Gürtel des Verbandes WBO im Supermittelgewicht hält.
Welche Bilanz hat Simon Zachenhuber?
Seine Profibilanz weist 29 Siege in 30 Kämpfen aus. Dies ist sein erster WM-Kampf.
Foto: Der Tagesspiegel