Warum Flüchtlinge bei Winterspielen fehlen: IOC versäumt Inklusion
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina wird es kein Flüchtlingsteam geben. Diese Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wirft Fragen über Inklusion und Chancengleichheit im Sport auf.
Sommerspiele zeigen positive Beispiele
Bei den Olympischen Sommerspielen sorgt das IOC-Flüchtlingsteam regelmäßig für inspirierende Geschichten. Cindy Ngamba aus Kamerun gewann 2024 in Paris als erste Geflüchtete eine olympische Medaille im Boxen. "All das hab ich nicht für mich erreicht, sondern für die Geflüchteten", erklärte die 27-Jährige nach ihrem Bronzegewinn.
Das IOC bezeichnet diese Athletinnen und Athleten als "Symbol der Hoffnung" für Millionen Flüchtlinge weltweit. Ihre Geschichten finden großes öffentliches Interesse und werden von Medien und Sponsoren aufgegriffen.
IOC gibt keine Begründung für Ausschluss
Auf Anfrage bestätigt IOC-Pressesprecher Christian Klaue: "Das olympische Flüchtlingsteam gibt es seit den Olympischen Spielen Rio 2016, allerdings immer nur bei den Sommerausgaben." Eine Begründung für diese Beschränkung bleibt das Komitee schuldig.
Lee Jung-woo, Sportexperte an der University of Edinburgh, sieht strukturelle Probleme: "Wintersport ist in den Ländern, aus denen Menschen fliehen, meist nicht sehr entwickelt." Zudem seien die Kosten für Ausrüstung und Training im Wintersport deutlich höher als im Sommersport.
Geflüchtete aus Osteuropa betroffen
Besonders betroffen sind Athletinnen und Athleten aus Belarus und Russland, die nach ihrer Kritik am Angriffskrieg gegen die Ukraine fliehen mussten. Die belarussische Biathletin Daria Dolydovich durfte bei der Weltmeisterschaft als Refugee teilnehmen, bei Olympischen Spielen ist dies jedoch nicht möglich.
Die 17-jährige Langläuferin wurde 2022 vom belarussischen Verband gesperrt, vermutlich wegen der oppositionellen Haltung ihres Vaters und Trainers. In Polen wechselte sie zum Biathlon und trainiert mit dem Nationalteam.
Verpasste Chance für Inklusion
Der ehemalige IOC-Präsident Thomas Bach betonte noch 2024: "Gerade in solchen Zeiten sind die Olympischen Spiele, ihre Werte und ihre Mission vielleicht wichtiger denn je." Die Beschränkung des Flüchtlingsteams auf Sommerspiele steht im Widerspruch zu diesen Werten.
Das IOC hat zwar einen Solidaritätsfonds zur Förderung des Wintersports in ärmeren Regionen eingerichtet, doch die Ressourcen reichen nicht aus, um Spitzenathleten hervorzubringen. Dies zeigt die strukturellen Defizite in der olympischen Inklusionspolitik auf.
Die Entscheidung, Flüchtlinge von den Winterspielen auszuschließen, verpasst eine wichtige Gelegenheit, olympische Werte wie Solidarität und Chancengleichheit zu leben. Gerade in Zeiten globaler Krisen wäre ein inklusiver Ansatz ein starkes Signal der Hoffnung gewesen.