Olympische Winterspiele 2026: Weite Wege zwischen Austragungsorten werfen Fragen zur Zukunft auf
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo läuten eine neue Ära ein: Erstmals in der olympischen Geschichte findet die Eröffnungsfeier an mehreren Orten gleichzeitig statt. Das Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand bildet das Zentrum, während in Cortina, Predazzo und Livigno kleinere Feiern mit Nationenparaden stattfinden.
Logistische Herausforderungen durch große Distanzen
Die Entfernungen zwischen den Austragungsorten sind beträchtlich: Zwischen Mailand und Cortina d'Ampezzo liegen 400 Kilometer und fünfeinhalb Autostunden, vergleichbar mit der Strecke München-Frankfurt. Die Wettkämpfe verteilen sich auf sieben verschiedene Orte, wobei die alpinen Männer-Rennen in Bormio und die Frauen-Rennen in Cortina stattfinden.
Wolfgang Maier, Alpindirektor im Deutschen Skiverband, kritisiert diese Trennung. Auch US-Skistar Lindsey Vonn äußerte sich negativ über die Aufteilung. Die Athletinnen und Athleten können nicht in einem gemeinsamen Olympischen Dorf untergebracht werden, sondern müssen sich auf die verschiedenen Austragungsorte verteilen.
Reaktion auf kostspieligen Gigantismus vergangener Spiele
Diese dezentrale Ausrichtung ist eine bewusste Abkehr vom kostspieligen Gigantismus früherer Winterspiele. In Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 und Peking 2022 entstanden teure Anlagen, die heute kaum noch genutzt werden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wollte mit Mailand/Cortina ein Zeichen setzen: Keine Anlage sollte neu gebaut werden.
Die Italiener konnten diesem Anspruch nur bedingt gerecht werden. Sie errichteten eine neue Bobbahn und sanierten bestehende Anlagen so umfassend, dass kaum noch von der Nutzung vorhandener Sportstätten gesprochen werden kann. Andrea Varnier, Geschäftsführer der Stiftung Milano Cortina 2026, betont dennoch die Notwendigkeit, auf weit auseinander liegende Sportstätten zu setzen.
Vorbild für künftige Spiele in den Alpen
Das italienische Modell könnte wegweisend sein. Frankreich plant die Winterspiele 2030 als "French Alpes" mit mehreren Clustern, zwischen denen über 500 Kilometer liegen. Für Eisschnellauf-Wettbewerbe ist sogar eine Austragung im Ausland vorgesehen.
Die Schweiz befindet sich für 2038 im "privilegierten Dialog" mit dem IOC und bewirbt sich erstmals als ganzes Land mit Austragungsorten über das gesamte Staatsgebiet verstreut. Christoph Dubi, IOC-Direktor, sieht in der Alpenregion besondere Herausforderungen, die innovative Lösungen erfordern.
Klimawandel als treibende Kraft
Dezentrale, länderübergreifende Spiele scheinen angesichts der Klimakrise die Zukunft der Winterspiele zu sein. Johan Eliasch, Präsident des Ski-Weltverbands FIS, sieht Vorteile in diesem Ansatz. Eine Rotation zwischen wenigen geeigneten Regionen wird diskutiert.
Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat angekündigt, alles auf den Prüfstand zu stellen. Die Herausforderung besteht darin, günstige und nachhaltige Spiele zu veranstalten, ohne die olympische Idee zu verlieren, Menschen aus aller Welt kompakt zusammenzubringen.
Die Spiele von Mailand und Cortina werden zeigen, ob dezentrale Olympische Winterspiele eine tragfähige Alternative zum bisherigen Modell darstellen können.