Stefan Bell: Vom Stabilisator zum Torjäger bei Mainz 05
Der 34-jährige Innenverteidiger Stefan Bell von Mainz 05 zeigt sich in ungewohnter Rolle: Nach zwei Toren in zwei aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen wird der erfahrene Abwehrspieler plötzlich zur Offensivkraft für die Rheinhessen.
Ungewöhnliche Torausbeute für einen Verteidiger
Bell traf sowohl beim 1:2 in Köln als auch beim jüngsten 3:1-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da der gelernte Verteidiger in 330 Pflichtspielen für Mainz insgesamt nur 16 Treffer erzielte. Seine eigentliche Aufgabe besteht darin, Tore zu verhindern, nicht zu erzielen.
"Es war auf jeden Fall ein Thema in den vergangenen Monaten, dass wir zu wenige Standardtore gemacht haben", erklärt Bell im Interview mit SWR Sport. "Und vor allem in einem Spiel wie gegen Wolfsburg, in dem wir 15 Eckbälle haben, viele Einwürfe, viele Freistöße. Da bin ich einfach dann auch oft vorne und da sollte dann auch mehr rauskommen."
Wiederholung eines seltenen Kunststücks
Die Ausbeute von zwei Toren aus zwei Spielen gelang Bell bereits einmal zuvor: Im November 2016 traf er sowohl gegen RB Leipzig (1:3) als auch gegen den SC Freiburg (4:2). "Ich hätte spontan gesagt, noch nie", gab Bell zu, als er nach seinem letzten derartigen Erfolg gefragt wurde.
Trotz seines Führungstores gegen Köln reichte es nicht für Punkte. Anders gegen Wolfsburg: Nach einem 0:1-Rückstand nach drei Minuten und einem vergebenen Strafstoß von Phillip Tietz in der 22. Minute drehten die Mainzer das Spiel.
Mentale Stärke als Schlüssel zum Erfolg
"Ich denke, dass wir nach dem Gegentor schon rund 15 Minuten ein bisschen verunsichert waren", analysiert Bell. "So nach 20 Minuten sind wir dann stärker geworden. Wir hatten dann auch viele Chancen, haben einfach weitergemacht, sehr offensiv gespielt. Das war auch der Schlüssel, dass wir mental einfach stabil geblieben sind."
Besonders wichtig war der Ausgleichstreffer von Tietz nach seinem vergebenen Elfmeter. "Gerade für Phillip war es sehr, sehr wichtig, dass er danach noch das sehr wichtige 1:1 gemacht hat", betont Bell.
Kampf um den Klassenerhalt
Mit 15 Punkten belegt Mainz 05 derzeit den Relegationsplatz 16. Der nächste Gegner RB Leipzig stellt eine "schwierige Aufgabe" dar, wie Bell einräumt. "Sie sind gut drauf, stehen oben in der Tabelle, haben einfach auch sehr viel Qualität."
Dennoch zeigt sich der erfahrene Verteidiger optimistisch: "Wir werden jetzt in der Rückrunde schon noch das eine oder andere Spiel verlieren. Es ist dann nicht immer ein riesiger Rückschlag, sondern wir machen einfach weiter. Die Leistungen stimmen."
Möglicherweise trifft Bell auch in Leipzig wieder, wie schon im November 2016. Diesmal hoffen die Mainzer allerdings auf ein erfreulicheres Ergebnis als das damalige 1:3.