Warum auch Prominente wie Jenny Elvers pleitegehen – und was das über uns verrät
Die Reality-Show „Villa der Versuchung“ ist mehr als leichte Unterhaltung. Jenny Elvers (54) bezeichnet sich dort selbst als „broke“ und deutet Ärger mit dem Finanzamt an. Ihr Ziel: „Den Bumms hier gewinnen.“ Was zunächst nach einer typischen Promi-Attitüde klingt, entpuppt sich als nüchternes Experiment über den Umgang mit Geld. Schuldenexpertin Rebecca Kehrl erklärt, warum die finanziellen Probleme von Reality-Stars strukturell denen von Normalverdienern gleichen – und was wir daraus lernen können.
Wie entstehen finanzielle Probleme bei Prominenten?
Finanzielle Schieflagen entstehen selten durch eine einzige, spektakuläre Fehlentscheidung. Vielmehr sind es viele kleine Ausgaben, die einzeln vertretbar erscheinen: ein besseres Auto, ein schönerer Urlaub, häufigeres Essen gehen, das neue Handy. Mit steigendem Einkommen verschiebt sich das, was als normal empfunden wird. Aus Luxus wird Lebensstandard. Bei Prominenten ist dieser Mechanismus zwar spektakulärer, im Kern aber erstaunlich gewöhnlich, so Kehrl.
Warum sinkende Einnahmen besonders gefährlich sind
Problematisch wird es in die andere Richtung. Ein Schauspieler bekommt weniger Rollen, ein Reality-Star wird seltener gebucht, eine Influencerin verliert Reichweite. Die Einnahmen sinken schnell, während Fixkosten, Ansprüche und Gewohnheiten nicht automatisch verschwinden. „Menschen gewöhnen sich schnell an mehr. An weniger gewöhnen sie sich deutlich ungern“, analysiert Kehrl.
Reality-TV ist kein monatlich garantiertes Gehalt. Dazu kommen Werbekooperationen, Affiliate-Einnahmen, Auftritte oder Plattformerlöse. Manche Monate laufen außergewöhnlich gut, andere deutlich schlechter. Für Selbstständige gilt zudem: Was auf dem Konto eingeht, ist nicht automatisch frei verfügbar. Steuern, Umsatzsteuer, berufliche Kosten und Rücklagen müssen berücksichtigt werden. Das Bundesfinanzministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass Gratisprodukte, kostenlose Hotelübernachtungen oder Reisen steuerliche Folgen haben können.
Das Geschäftsmodell Prominenz: Person wird zur Marke
Früher verdiente ein Schauspieler vor allem mit Schauspielerei, ein Moderator mit Moderation. Heute wird die Person selbst zur Marke. TV-Show, Instagram, Affiliate-Links, Podcast, Werbekooperationen oder kostenpflichtige Plattformen können parallel Einnahmen erzeugen. Auch OnlyFans taucht als zusätzliche Einnahmequelle auf. Wer bereits Aufmerksamkeit besitzt, versucht, diese direkt zu monetarisieren. Das kann lukrativ sein, macht Einkommen aber nicht planbar. Aufmerksamkeit ist kein sicheres Gehalt. Sie muss immer wieder neu in Einnahmen verwandelt werden.
Was die „Villa der Versuchung“ über Geld verrät
Die Sendung ist als Geldexperiment fast interessanter denn als Reality-Show. Kandidaten werden dafür bezahlt, an einer Show teilzunehmen, in der getestet wird, wie gut sie unmittelbarem Komfort widerstehen können. Jede Versuchung bekommt sofort ein Preisschild. Im echten Leben passiert dasselbe langsamer. Die größere Wohnung fühlt sich besser an, das neue Auto auch, die teurere Reise sowieso. Dass dadurch weniger Rücklagen entstehen, fällt häufig erst auf, wenn das Einkommen einmal nicht mehr mitspielt.
Fazit: Reich aussehen, viel verdienen und Vermögen besitzen sind drei verschiedene Dinge
Die Antwort ist weniger spektakulär als die Schlagzeile. Prominente funktionieren finanziell nicht grundsätzlich anders als alle anderen. Sie gewöhnen sich an mehr, rechnen gute Zeiten zu schnell in die Zukunft fort und reduzieren ihren Lebensstandard nur ungern wieder. Bei ihnen sind lediglich die Summen größer und die Fehler öffentlicher. Die „Villa der Versuchung“ führt das im Zeitraffer vor. Reich aussehen, viel verdienen und Vermögen besitzen sind drei völlig verschiedene Dinge. Und vielleicht ist das die wichtigste Finanzlektion, die ausgerechnet eine Reality-Show vermitteln kann.