Bei einem russischen Gleitbomben-Angriff auf zwei Busse in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk sind nach offiziellen Angaben mindestens 30 Menschen getötet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Zivilbevölkerung mehr internationale Unterstützung beim Schutz des Luftraums. Die Stadt in der Region Donezk ist neben Slowjansk die letzte von der Ukraine kontrollierte Großstadt in der Region und ein wichtiger Logistikpunkt für die ukrainischen Streitkräfte.
Wie viele Opfer gibt es nach dem Angriff auf Kramatorsk?
Die Zahl der Toten nach dem russischen Angriff auf zwei Linienbusse in Kramatorsk ist auf mindestens 30 gestiegen. Nach Angaben des Donezker Militärgouverneurs Wadym Filaschkin gibt es zudem 18 Verletzte. Zuvor war von einem Dutzend Toten und 14 Verletzten die Rede gewesen. Filaschkin veröffentlichte in seinem Telegram-Kanal Fotos von dem ausgebrannten Bus und erklärte: „Das sind Menschen, die von der russischen Armee getötet wurden. Dafür gibt es keine Rechtfertigung und kann es auch keine geben.“ Er rief die noch in der Region verbliebenen Bewohner dazu auf, in sicherere Gebiete der Ukraine zu fliehen.
Welche Forderungen stellt Selenskyj an die USA?
Präsident Selenskyj hat die USA scharf kritisiert und ihnen „Unwillen“ bei der Unterstützung der Ukraine vorgeworfen. Er bezog sich dabei auf Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio, der den Krieg als „Pattsituation“ bezeichnet hatte. „Wo liegt also hier die Wahrheit, wo ist die Ehrlichkeit? Das nennt man Unwillen“, sagte Selenskyj in einer emotionalen Rede. Er forderte zudem eine Öffnung des US-Satellitennetzwerks Starlink für die Ukraine, um russische Raketen-Abschussanlagen bekämpfen zu können. „Gebt es uns, helft uns, unseren Luftraum zu verteidigen und dort die Oberhand zu gewinnen. Und dann wird sich Putin an den Verhandlungstisch setzen.“
Wie reagiert die Bundesregierung auf die Lage?
Bundeskanzler Friedrich Merz hat angeboten, noch vor Ende des Jahres ein Gipfeltreffen der „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine in Berlin auszurichten. Das Treffen würde „wahrscheinlich im Dezember“ unter Beteiligung von Staats- und Regierungschefs stattfinden, hieß es aus Regierungskreisen. Der Vorschlag sei auf britischer Seite auf Zustimmung gestoßen. Die „Koalition der Willigen“ war Anfang 2025 von Großbritannien und Frankreich gegründet worden und umfasst mehr als 30 Länder.
Welche militärischen Entwicklungen gibt es?
Die ukrainischen Streitkräfte haben mit Drohnen die sibirische Stadt Omsk angegriffen, wo sich die größte Raffinerie Russlands befindet. Gouverneur Witali Chozenko teilte mit, eine Drohne habe das nördliche Industriegebiet erreicht, die übrigen seien abgeschossen worden. Die Raffinerie war bereits im Juli Ziel eines ukrainischen Angriffs. Zudem bestätigte der russische Internetkonzern Yandex einen „Vorfall“ in einem Datenzentrum in der Region Rjasan, nachdem ukrainische Drohnen die Anlage offenbar beschädigt hatten.
Wie ist die Lage in Kiew und anderen Regionen?
Die jüngste Welle russischer Angriffe hat die ukrainische Hauptstadt Kiew nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko vor dem Winter in einen Überlebenskampf gezwungen. „Jeden Tag gibt es neue Berichte über zerstörte Gebäude, über Verletzte oder tragischerweise Getötete“, sagte Klitschko der Nachrichtenagentur AFP. Drei Menschen wurden bei Angriffen in der Hauptstadt getötet. Wegen Stromausfällen wurde der Betrieb der Kiewer U-Bahn eingestellt. Auch in den Regionen Sumy, Charkiw, Donezk und Saporischschja brach nach russischen Angriffen die Stromversorgung zusammen.
Welche diplomatischen Initiativen gibt es?
Ukrainische Unterhändler reisen am Wochenende zu Gesprächen über die stockenden Verhandlungen mit Russland in die USA. Selenskyj forderte US-Präsident Donald Trump auf, den Druck auf Russland zu erhöhen. Der britische Premierminister Andy Burnham hat Deutschland bei seinem Antrittsbesuch zudem die gemeinsame Entwicklung eines neuen Kampfjets im Rahmen des GCAP-Programms angeboten. Die Verteidigungsminister beider Länder wurden mit der Prüfung einer Kooperation beauftragt.
Was bedeutet der Angriff für die Energieversorgung?
Die verstärkten russischen Luftangriffe auf die Energieversorgung führen zu erneuten Stromausfällen in der Ukraine. In Kiew und einigen Landkreisen im Umland wurde der Strom notfallmäßig abgeschaltet, wie Vizeenergieminister Artem Nekrassow mitteilte. Der russische Beschuss habe Anlagen beschädigt, es gebe Spannungsabfälle im Hochspannungsnetz. Für die Millionenstadt bedeutet dies, dass in einigen Teilen auch die Pumpen der Wasserversorgung ausfallen.
