Trump in Irland: Golf, Proteste und die Frage nach der Einheit
Der Besuch von US-Präsident Donald Trump in Irland hat am Wochenende für Aufsehen gesorgt. Während in Doonbeg ein Golfturnier in seinem eigenen Resort stattfand, protestierten landesweit Tausende gegen seine Politik. Ein heikles Thema sorgte zudem für diplomatische Verstimmung: Trumps Äußerungen zur irischen Einheit.
Ein Dorf im Ausnahmezustand
In dem 300-Einwohner-Ort Doonbeg an der Westküste Irlands war an diesem Wochenende wenig normal. Rund 4.000 Polizei- und Sicherheitskräfte waren landesweit im Einsatz, um den Besuch des US-Präsidenten abzusichern. Das Golfresort, das Trump 2014 kurz vor dem Bankrott kaufte und seither umfassend ausbaute, trug erstmals die renommierten Irish Open aus.
Die Sicherheitsvorkehrungen waren massiv. Am Eingang des Resorts, das auch ein Fünf-Sterne-Hotel beherbergt, gab es Kontrollen wie an Flughäfen. Shuttlebusse brachten die Tausenden Besucher zu dem weiträumig abgesperrten Gelände. Auch Trumps Söhne Eric und Donald Jr. waren angereist, der Präsident selbst wollte am Sonntag die Trophäe überreichen.
Proteste gegen Trumps Politik
Die Stimmung in der Bevölkerung war jedoch mehrheitlich ablehnend. In einer Umfrage der Zeitung Sunday Independent sprachen sich 69 Prozent der Iren gegen Trumps Besuch aus. Zentral waren dabei seine Haltung zum Nahostkonflikt, der Iran-Krieg sowie seine Migrations- und Umweltpolitik. Irland gilt als eines der Israel-kritischsten Länder im Westen; im Sommer hatte die Regierung als erstes EU-Land ein Importverbot für Waren aus israelischen Siedlungen verhängt.
In Dublin gingen Tausende auf die Straße, in Doonbeg versammelten sich einige Dutzend Protestierende, viele mit Palästina-Flaggen. Die meisten von ihnen waren nicht aus dem Ort.
Wirtschaftliche Interessen vor Ort
Rita McInerney, die in Doonbeg ein Café betreibt und im Bezirksausschuss sitzt, verteidigte die Haltung vieler Einheimischer: „Jeder darf protestieren, aber wir als Gemeinde müssen das Politische vom wirtschaftlichen Faktor trennen.“ Sie schätzt, dass das Resort der örtlichen Wirtschaft jährlich bis zu sechs Millionen Euro bringt. Auch junge Menschen fänden dort oft Sommerjobs. Das Golfresort sei schon immer wichtig für die Region gewesen, lange bevor Trump es kaufte.
Treffen mit Präsidentin Connolly
Am Samstagmorgen wurde Trump in Dublin mit militärischen Ehren empfangen, obwohl es sich nicht um einen Staatsbesuch handelte. Mit Spannung wurde sein Treffen mit Präsidentin Catherine Connolly erwartet. Die linke Politikerin hatte Trump zuvor scharf kritisiert: Er sei „unberechenbar“, einer, „der mobbt und Zölle verhängt, wie es ihm gefällt“.
Vor den Kameras zeigten sich beide höflich, wenn auch distanziert. Connolly erklärte anschließend, sie habe deutlich gemacht: „Genozid und Krieg dürfen keine Normalisierung erfahren.“
Trumps Äußerungen zur irischen Einheit
Für Aufsehen sorgte eine Äußerung Trumps am Rande seines Treffens mit Regierungschef Micheál Martin. Auf die Frage eines Journalisten, welche Chancen er einem vereinigten Irland einräume, antwortete Trump: Er wolle keine Probleme verursachen, aber „das wäre großartig“. Und: „Es wird passieren.“
Später versuchte er in einer Rede offenbar zurückzurudern und nannte die irische Einheit eine „schwierige Sache“, wiederholte aber: „Es wäre eine coole Sache.“
Zurückweisung aus London und Belfast
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Der britische Premier Andy Burnham erklärte knapp: „Wir werden uns zu einhundert Prozent an das Karfreitagsabkommen halten.“ Die nordirischen Loyalisten wiesen Trumps Vorstoß scharf zurück. Selbst Mary Lou McDonald, Parteichefin von Sinn Féin, die sich für eine Vereinigung Irlands einsetzt, reagierte zurückhaltend. Ihre Partei beteiligte sich an den Protesten gegen Trumps Besuch, vor allem wegen seiner Gaza-Politik.
Hintergrund: Das mehrheitlich protestantische Nordirland gehört zum Vereinigten Königreich, während die Republik Irland EU-Mitglied ist. Das Karfreitagsabkommen von 1998 beendete den jahrzehntelangen blutigen Konflikt. Es sieht zwar die Möglichkeit eines Referendums vor, doch die Zentralregierung in Westminster müsste zustimmen, was derzeit als ausgeschlossen gilt.
Fazit: Ein Besuch mit Sprengstoff
Trumps Besuch in Irland war diplomatisch heikel und politisch brisant. In Doonbeg schien die Weltpolitik für viele jedoch weit weg. Die Lautsprecher an den Laternen übertrugen zwar die Nachrichten, doch die meisten Einheimischen und Golffans hörten nicht hin. Für sie zählte vor allem eines: das Turnier und die wirtschaftliche Bedeutung des Resorts.