Das Museum für Stadtgeschichte in Templin hat am Sonnabend, dem 17. Oktober 2026, eine Sonderausstellung zur Geschichte des Joachimsthalschen Gymnasiums und seines Bildungscampus eröffnet. Mehr als 70 Besucher kamen zur Eröffnung, wie der Nordkurier Online berichtet; die Stühle reichten nicht aus. Die Ausstellung zeigt auf zwölf Schautafeln und zwei digitalen Stelen die Geschichte eines Standorts, der seit der Rücknahme der Fördermittel für eine geplante europäische Internatsschule ohne klare Zukunft ist.
Das Museumsteam entwickelte die Schau in nur neun Monaten Recherche und aus eigener Kraft, neben den eigentlichen Aufgaben der Museumsarbeit. Museumsleiterin Sylvia Helbing dankte bei der Eröffnung dem Förderverein, der Stiftung Gebäudeensemble Joachimsthalsches Gymnasium Templin sowie zahlreichen Zeitzeugen, ehemaligen Schülern und Lehrern der Landesschule, des Instituts für Lehrerbildung und Mitwirkenden des Lehmann-Gartens.
Was die Sonderausstellung in Templin zeigt
Helbing nahm mögliche Enttäuschungen gleich vorweg: Die Ausstellung könne nur Bruchteile dessen zeigen, was gesammelte Dokumente, Bilder und Zeitzeugengespräche zutage gefördert haben. Vieles müsse noch ausgewertet und einem Faktencheck unterzogen werden.
„Aber es geht nichts verloren, wir wollen daraus eine Publikation erstellen.“
Allerdings dämpfte die Museumsleiterin die Erwartungen an den Zeitplan. Die Publikation werde nicht in drei Monaten vorliegen, sondern eher in drei Jahren, da das Team die Arbeit wie schon bei der Ausstellung neben seinen regulären Aufgaben leiste.
Warum der Standort historisch bedeutsam ist
Das Joachimsthalsche Gymnasium wurde 1607 von Kurfürst Joachim von Brandenburg gegründet. Für die Schule errichtete man 1911/12 einen modernen Schulkomplex in Templin, der heute als nationales Denkmal gilt. Helbing betonte die architektonische Bedeutung des Ensembles: „Es gibt weltweit kein Vorbild für eine so große Internatsschule in dieser architektonischen Form. Sie ist erstmalig so in Templin gebaut worden.“
Die Vorbereitungen zur Ausstellung begannen bereits, bevor der Traum von einer europäischen Internatsschule mit der Rücknahme der Fördermittel endgültig beendet war. Die Enttäuschung über das Scheitern des Projekts klang bei vielen Besuchern an. Die Ausstellung ist deshalb auch mit der Hoffnung verbunden, den Geist humanistischer Bildung, Bildungsarchitektur und Weltoffenheit am traditionsreichen Standort eines Tages wieder erlebbar zu machen.
Dr. Wolfram Göhre, Vorsitzender des Fördervereins Joachimsthalsches Gymnasium, sprach eine klare Forderung aus. „Es wäre unverantwortlich, wenn mit dem Wissen, was an diesem Standort geleistet wurde, hier nicht wieder Bildungseinrichtungen etabliert würden“, sagte er.
„Die Sonderausstellung hilft, die Aufmerksamkeit über die Region hinaus wieder auf den Standort zu lenken.“
Zeitzeugen erinnern sich an Schule und Internatsleben
Für Helga Meineke, geborene Koch, wurde die Ausstellung zu einer Erinnerungsreise. „Ich bin wohl die einzig noch Lebende, die diese Landesschule von Beginn an besuchte und danach mit dem ersten Jahrgang der Studenten am Institut für Lehrerbildung die Grundschullehrerausbildung absolvierte“, erzählte die 87-Jährige. Auf einem Ausstellungsfoto fand sie sich selbst wieder. Ihre erste Lehrerstelle trat sie in Beutel an, später unterrichtete sie an der Goetheschule in Templin und in Berlin. Insgesamt blieb sie 43 Jahre im Lehrerberuf.
Auch die Geschwister Kerstin und Torsten Horn erinnerten sich an eine unbeschwerte Kindheit auf dem Schulgelände. Sie wohnten von 1959 bis 1977 im Direktorenhaus und besuchten die Übungsschule, in der Studenten des Instituts für Lehrerbildung ihre praktische Ausbildung absolvierten.
Gabriel Dobersch vom Förderverein verlas einen Brief von Ove Sachse, einem alten Joachimsthaler und Fördervereinsmitglied. Sachse wünschte sich, ebenso wie Dr. Wilhelm Gerhardt, dass der Lehmann-Garten auf jeden Fall erhalten bleibt.
Warnung vor einer Bildung ohne Bibliotheken
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Beitrag von Christoph Bierling. Der 96-jährige ehemalige Schüler des Komplexes reiste zur Ausstellungseröffnung 700 Kilometer aus Bayern an und treibt nach eigener Aussage noch in einem Turnverein Sport. Bierling beleuchtete die Intentionen, mit denen das Gymnasium 1607 gegründet worden war, und warnte vor einer Entwicklung, die er in den Planungen für die neue Schule beobachtet hatte.
Bei den Beratungen über die geplante Schule sei seiner Erinnerung nach gesagt worden, man brauche keine Bibliothek mehr. Wer sich künftig mit dem Internet als einziger Bildungsquelle begnüge, der praktiziere „beobachtete Wissensaufnahme“, „Unfreiheit“ und „Einengung der Perspektive“, so Bierling.
„Alles Wissen, das sich nicht ethischen Maßstäben unterwirft, ist Teufelszeug, keine Weisheit.“
Das Gewicht dieser Worte ergibt sich aus Bierlings Biografie: Er lernte am Joachimsthalschen Gymnasium und verbrachte sein Arbeitsleben mit Innovationen in der elektronischen Datenverarbeitung. Seine Kritik an einer rein digitalen Wissensaufnahme stammt also nicht aus technischem Unverständnis, sondern aus Berufserfahrung.
Bildung als öffentliche Aufgabe
Der Streit um die Zukunft des Templiner Standorts berührt eine grundsätzliche Frage: Wer bildet aus, wer bildet ab? Ein Gymnasium ist nach der Definition in Nachschlagewerken wie
