Landtagswahl Rheinland-Pfalz: Historischer Machtwechsel nach 35 Jahren SPD-Herrschaft möglich
In Rheinland-Pfalz zeichnet sich ein historischer Machtwechsel ab. Nach 35 Jahren ununterbrochener SPD-Regierung könnte die CDU erstmals seit Jahrzehnten wieder die Macht im südwestdeutschen Bundesland übernehmen. Knapp 2,95 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag zur Stimmabgabe aufgerufen.
SPD droht historisches Tief
Aktuelle Umfragen sehen die SPD von Ministerpräsident Alexander Schweitzer knapp hinter der CDU unter Spitzenkandidat Gordon Schnieder. Für die Sozialdemokraten wäre dies ein herber Rückschlag: Sie könnten ihr schlechtestes Ergebnis seit 1955 einfahren, als sie 31,7 Prozent erreichten. 2021 hatte die SPD noch 35,7 Prozent geholt.
Schweitzer hatte das Amt des Ministerpräsidenten erst 2024 mitten in der Legislaturperiode von seiner Vorgängerin Malu Dreyer übernommen und führt seitdem die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.
CDU hofft auf Rückkehr zur Macht
Auch für die CDU steht viel auf dem Spiel. In Rheinland-Pfalz, der Heimat des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl, könnte die Partei erneut an ihr Rekordtief von 27,7 Prozent aus 2021 heranrutschen. Dennoch hätte sie bei einem Sieg die Chance, nach Jahrzehnten in der Opposition wieder zu regieren.
AfD als große Gewinnerin
Als klare Gewinnerin der Wahl zeichnet sich die AfD ab. Unter Spitzenkandidat Jan Bollinger könnte die rechtspopulistische Partei ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln und mit voraussichtlich 19 Prozent drittstärkste Kraft werden.
Grüne stabil, Linke vor Landtagseinzug
Die Grünen unter Spitzenkandidatin und Umweltministerin Katrin Eder können mit acht bis neun Prozent ihr Ergebnis von 2021 (9,3 Prozent) etwa bestätigen. Für die Linke unter Rebecca Ruppert könnte es erstmals für den Einzug in den Mainzer Landtag reichen, die Umfragen sehen sie bei fünf Prozent.
FDP vor dem Aus
Dramatisch sieht es für die FDP aus, die derzeit Teil der Ampelkoalition ist. In aktuellen Umfragen taucht sie nicht mehr als eigenständige Größe auf und droht an der Fünfprozenthürde zu scheitern.
Unklare Koalitionsoptionen
Die Regierungsbildung nach der Wahl bleibt offen. Schweitzer will seine Ampelkoalition fortführen, doch bei einem FDP-Scheitern wäre dies unmöglich. Als Alternative käme eine rot-grün-rote Koalition in Frage, falls die Linke den Landtagseinzug schafft. Als sicherste Option gilt eine große Koalition aus CDU und SPD.
Erste Prognosen werden um 18 Uhr nach Schließung der Wahllokale erwartet, das amtliche Endergebnis steht erst am Montag fest.