Campingpreise steigen: Soziale Ungerechtigkeit im Tourismus wächst
Die Campingbranche verzeichnet erneut deutliche Preissteigerungen, die den Zugang zur Naherholung für einkommensschwache Familien zunehmend erschweren. In der Mecklenburgischen Seenplatte müssen Urlauber bereits bis zu 52 Euro pro Stellplatz zahlen.
Preissteigerungen belasten Familien
Der Campingplatz Ecktannen in Waren erhöht seine Preise um einen Euro pro Tag. Zwischen 46 und 52 Euro kostet ein Stellplatz in der Hauptsaison, zusätzliche Kosten für WLAN und Entsorgung nicht inbegriffen. Diese Entwicklung spiegelt einen bundesweiten Trend wider, der laut ADAC alle deutschen Campingregionen erfasst hat.
Torsten Wiegner, Mitarbeiter des ausgezeichneten Platzes, begründet die Erhöhung mit gestiegenen Betriebskosten: Vom Mindestlohn bis hin zu eigenen Abgaben sei nichts billiger geworden. Die Investitionen in neue Sanitäranlagen belaufen sich mittlerweile auf 750.000 Euro, deutlich mehr als die ursprünglich veranschlagten 500.000 Euro.
Strukturelle Probleme der Branche
Besonders problematisch erweist sich der Fachkräftemangel. Sophia Schröder vom Naturcampingplatz Malchow beklagt den Mangel an Auszubildenden: Es meldet sich einfach niemand. Diese Personalknappheit verstärkt den Kostendruck zusätzlich.
In Malchow zahlen Familien mit zwei Kindern bereits fünf Euro mehr pro Nacht. Die 120 Stellplätze können die gestiegenen Energie- und Betriebskosten nicht vollständig kompensieren.
Soziale Dimension der Preisentwicklung
Die kontinuierlichen Preissteigerungen verschärfen die soziale Ungleichheit im Tourismus. Während wohlhabende Schichten weiterhin Zugang zur Naherholung haben, werden einkommensschwache Familien zunehmend ausgeschlossen. Dies widerspricht dem Grundsatz eines sozial gerechten Tourismus.
Die Branche rechtfertigt die Erhöhungen mit notwendigen Investitionen in Infrastruktur und Servicequalität. Jedoch fehlen staatliche Unterstützungsmaßnahmen, die einen bezahlbaren Zugang zur Erholung für alle gesellschaftlichen Schichten gewährleisten könnten.
Die Saison 2026 beginnt zu Ostern mit der Hoffnung auf wetterbedingt starke Nachfrage, doch die sozialen Auswirkungen der Preisentwicklung bleiben ungelöst.