Netflix-Dokumentation deckt gefährliche Misogynie in der Manosphere auf
Louis Theroux' neue Netflix-Dokumentation "Inside the Manosphere" beleuchtet ein beunruhigendes Phänomen: Ein Netzwerk von Influencern propagiert toxische Männlichkeitsideale und verspricht ihren meist jungen männlichen Anhängern Erfolg, Geld und Frauen.
Problematische Vorbilder mit großer Reichweite
Überall, wo Theroux mit den Influencern unterwegs ist, wird er von jungen Männern angehalten, die Selfies machen wollen und die selbsternannten "Alphas" mit Komplimenten überschütten. Diese Szenen verdeutlichen die bedenkliche Reichweite dieser Bewegung.
Ein zentraler Protagonist ist Justin Waller, 40 Jahre alt, der seinen Anhängern einprägt: "Der Wert einer Frau liegt in ihrer Schönheit." Männer dagegen müssten sich ihren Wert erkämpfen. Bei jedem seiner Sätze nicken die beiden anwesenden Männer wie ehrfürchtige Soldaten.
Waller praktiziert mit seiner Partnerin "einseitige Monogamie", bei der nur er mit anderen Frauen schlafen darf. Er ist eng befreundet mit den Tate-Brüdern, den wohl bekanntesten Figuren der Manosphere, die wegen Vergewaltigung, Menschenhandel und Körperverletzung angeklagt wurden.
Fakten gegen Vorurteile
Wallers Behauptung, Frauen hätten "nichts in der Welt erfunden oder geschaffen", entlarvt Theroux subtil: Ausgerechnet eines der ikonischsten Gebäude in Miamis Skyline, der Scorpion Tower, wurde von der Architektin Zaha Hadid entworfen.
Extreme Positionen und Verschwörungstheorien
Harrison Sullivan, bekannt als HSTikkyTokky, stellt seine Mitbewohnerin als "Geschirrspüler" vor und versteckt sich in Marbella vor der britischen Polizei wegen eines schweren Autounfalls. Er gibt offen zu: "Hätte ich nur Gutes getan, wäre ich auf Social Media nie so erfolgreich geworden."
Besonders problematisch sind die antisemitischen Verschwörungserzählungen: Influencer wie Sneako (1,3 Millionen YouTube-Follower) behaupten, "Satanisten" würden die Welt regieren und LGBTQ-Werte sowie Feminismus fördern, um die Gesellschaft zu korrumpieren. Dahinter stecke die Rothschild-Familie.
Kritische Betrachtung des Dokumentarformats
Theroux' ruhiger, beobachtender Stil lässt die Influencer sich selbst entlarven, funktioniert aber nur für Zuschauende, die Misogynie bereits als solche erkennen. Problematisch bleibt, dass die Dokumentation den Influencern eine beträchtliche Plattform bietet, um Hass und Desinformation zu verbreiten.
Die ständige Selbstdokumentation der Influencer für ihre eigenen Streams zeigt, wie die üblichen Regeln des Dokumentarfilms hier an Grenzen stoßen. Theroux wird selbst zum Subjekt ihres Contents.
Wichtiges Zeitdokument einer gefährlichen Entwicklung
Trotz methodischer Schwächen bleibt "Inside the Manosphere" ein wichtiges Dokument einer Zeit, in der Homophobie, antisemitische Verschwörungserzählungen und extremer Frauenhass besonders unter jungen Männern zu einer normalisierten Weltanschauung werden.
Die Dokumentation macht deutlich: Die Manosphere ist mehr als nur problematische Online-Inhalte, sie ist eine systematische Indoktrination junger Männer mit gesellschaftlich gefährlichen Ideologien.