Nachlassregelung für Haustiere: Wie Tierhalter ihre Lieblinge absichern können
Wenn ein Tierhalter stirbt, geraten dessen Haustiere oft in eine ungewisse Lage. In Berlin landen solche Tiere zunächst in der städtischen Sammelstelle des Tierheims Lichtenberg. Dort werden sie wie Fundtiere behandelt, bis geklärt ist, wer rechtlichen Anspruch auf sie hat. Eine frühzeitige testamentarische Verfügung kann Hunde, Katzen und andere Tiere vor diesem Schicksal bewahren.
Was passiert mit Haustieren nach dem Tod ihrer Besitzer?
Der Fall der Schäferhündin Jeanie aus Spandau zeigt die Problematik deutlich. Nach dem Tod ihres Besitzers wurde das Tier ausgehungert in der Wohnung aufgefunden und von einem Feuerwehrmann gerettet. Sie kam ins Tierheim Lichtenberg und befindet sich nun laut Sprecher Daniel Zellmer in einem Probeverhältnis bei einem neuen Halter. Solche Fälle sind keine Seltenheit, auch wenn die genaue Zahl der sogenannten Nachlasstiere nicht statistisch erfasst wird.
Welche rechtlichen Möglichkeiten der Vorsorge gibt es?
Der Münchner Fachanwalt für Erbrecht Paul Grötsch empfiehlt, die Versorgung von Haustieren frühzeitig zu regeln. Möglich ist dies über ein Erbe oder ein Vermächtnis. Dabei kann einer Tierpflegeeinrichtung oder einer Privatperson eine finanzielle Zuwendung mit der Auflage gemacht werden, das Tier zu versorgen. Tiere selbst können in Deutschland nicht erben, da sie rechtlich als Sache gelten. In anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien sind Treuhandfonds für Tiere dagegen etabliert.
Wie kann die Einhaltung von Verfügungen kontrolliert werden?
Verfügungen über die Haltung, etwa ob eine Katze Freigang erhält, können testamentarisch festgeschrieben werden. Die Kontrolle dieser Auflagen kann ein Testamentsvollstrecker übernehmen. Der Tierschutzverein für Berlin wird regelmäßig zum Erben von Haustieren und übernimmt dann deren Versorgung. Geschäftsführer Jan Berge berichtet von Fällen, in denen Tiere samt Haus vererbt wurden, wobei der Verein die Einhaltung der Auflagen selbst überwacht.
Wie läuft die Vermittlung von Nachlasstieren im Tierheim ab?
Das Tierheim bietet dreimal wöchentlich Besuchertage an. Interessenten durchlaufen einen etwa anderthalbstündigen Kennenlerntermin, bei dem auch die Tierpfleger die Kompatibilität einschätzen. Anschließend können Tiere für einige Tage zur Probe mit nach Hause genommen werden. Bei Problemen nimmt das Tierheim das Tier zurück. Junge, agile und nicht aggressive Hunde haben laut Zellmer die besten Vermittlungschancen.
FAQ: Häufige Fragen zur Nachlassregelung für Haustiere
Können Haustiere in Deutschland erben?
Nein, Tiere gelten rechtlich als Sache und können nicht erben. Es kann jedoch eine Person oder Einrichtung mit einer Zuwendung bedacht werden, die sich zur Versorgung des Tieres verpflichtet.
Was ist ein Treuhandfonds für Tiere?
In Ländern wie den USA oder Großbritannien können über Treuhandfonds Vermögenswerte für die Versorgung von Tieren bereitgestellt werden. In Deutschland ist diese Konstruktion nicht üblich.
Wie kontrolliert man die Einhaltung von Auflagen zur Tierhaltung?
Ein Testamentsvollstrecker kann beauftragt werden, regelmäßig zu prüfen, ob das Tier gemäß den testamentarischen Auflagen versorgt wird.