Mode ohne Altersgrenzen: Erfurter Händler wird Social-Media-Star
Marco Hausdörfer beweist, dass Stil keine Frage des Alters ist. Der 53-jährige Modeunternehmer aus Erfurt hat mit seinen authentischen Outfit-Videos auf Instagram eine bemerkenswerte digitale Karriere gestartet und dabei gesellschaftliche Vorurteile über Mode im fortgeschrittenen Alter aufgebrochen.
Vom Fußballprofi zum erfolgreichen Einzelhändler
In seinem Modegeschäft By Franco in der Erfurter Innenstadt empfängt Hausdörfer seine Kunden in einem entspannten weißen Sweater und einer hellbraunen Stoffhose mit weichen Bundfalten. Das Mokkabraun seines Halstuchs harmoniert perfekt mit seinen Sneakern und der "New York Yankees"-Kappe. Diese durchdachte Farbkoordination ist charakteristisch für seinen Stil.
Der ehemalige Fußballprofi, der unter anderem für Rot-Weiß Erfurt spielte, übernahm 2021 das vor 25 Jahren gegründete Geschäft. Mit seinem siebenköpfigen Team verkauft er qualitativ hochwertige Kleidung im mittleren Preissegment. "T-Shirts für 15 Euro haben wir nicht", erklärt Hausdörfer. "Dafür bieten wir gute Qualität." Ein Shirt kostet etwa 40 Euro, Pullover beginnen bei 60 Euro, Jeans bei 130 Euro.
Authentische Beratung als Erfolgskonzept
Hausdörfers Geschäftsphilosophie basiert auf ehrlicher, authentischer Beratung. "Wir beraten immer authentisch und ehrlich. Nur dann kommen die Kunden beim nächsten Mal wieder", betont er. Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem Umgang mit der Kundschaft wider, die vom Ende der Zwanziger bis Mitte 60 reicht.
Das inhabergeführte Geschäft bietet individuelle Beratung und Marken, die nicht überall erhältlich sind. Mittlerweile erweiterte Hausdörfer sein Angebot um Private Shopping-Termine und Online-Beratung via Facetime, besonders geschätzt von Kunden aus der Schweiz und Österreich.
Digitaler Durchbruch mit gesellschaftlicher Botschaft
Im Juni des vergangenen Jahres startete Hausdörfer seine bemerkenswerte Social-Media-Karriere mit einem Reel namens "Styling mit 52". Das Video zeigt ihn beim Zusammenstellen eines Looks: weißes T-Shirt, weit fallende Hose und Sneaker, kombiniert mit olivgrünem Hemd und Halstuch. Die froschgrünen Strümpfe unter den hochgekrempelten Hosenbeinen setzen einen bewussten Akzent.
Die Idee stammte von seiner Familie. Seine Schwiegertochter und sein Sohn ermutigten ihn: "Papa, du bist ein cooler Typ, du hast Ahnung von Mode, zeig den Leuten einfach mal, was man damit alles machen kann." Aus anfänglich 200 Instagram-Followern wurden in weniger als einem Jahr über 130.000 aus aller Welt.
Aufbruch gesellschaftlicher Normen
Hausdörfer konfrontiert bewusst Altersvorurteile in der Mode. Seine Videos kommentiert er oft mit Sätzen wie "Ab einem gewissen Alter trägt man sowas nicht mehr" und demonstriert gleichzeitig überzeugend das Gegenteil. Er schließt eine wichtige Lücke in der Männermode für die Generation 50plus, die oft zwischen verkrampft jugendlichen Kombinationen und betont eleganten Gentleman-Looks navigieren muss.
"Seit ich auf Social Media präsent bin, ist der Männeranteil unter den Kunden gestiegen", berichtet Hausdörfer. Kunden reisen sogar aus Düsseldorf an, um sein Geschäft und ihn persönlich kennenzulernen.
Wirtschaftlicher Erfolg durch digitale Innovation
Der Erfolg auf Social Media bringt auch wirtschaftliche Vorteile. Hausdörfer kooperiert mit Marken, die er selbst führt, wie dem dänischen Label Mos Mosh Gallery, aber auch mit großen Online-Händlern. "Geschmeidig mit der Zeit gehen, statt Fronten zu verhärten", beschreibt er seine Strategie.
Seine Geschichte zeigt exemplarisch, wie traditioneller Einzelhandel und digitale Präsenz erfolgreich verschmelzen können. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Nancy, einer Kinderkrankenschwester auf der Frühchen-Intensivstation, die ihm den nötigen Rückhalt gibt.
Hausdörfers Erfolg demonstriert, dass Mode keine Altersgrenzen kennt und authentische Persönlichkeiten in den sozialen Medien durchaus Raum finden, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und zu verändern.