Ende der Late Show: Politische Satire verliert ihre Wirkung
Nach zehn Jahren geht die «Late Show» mit Stephen Colbert offiziell zu Ende. Der Sender CBS begründete die Absetzung der Trump-kritischen Sendung im vergangenen Sommer als rein finanzielle Entscheidung. Doch hinter den Kulissen deutet vieles auf einen politischen Konflikt hin, der grundsätzliche Fragen nach der Wirksamkeit von Satire aufwirft.
Der Streit zwischen CBS und Trump
Im Vorfeld hatte der ehemalige US-Präsident CBS mit einer Klage gedroht. Der Vorwurf lautete auf eine unlautere Schnittführung in einem Interview mit Kamala Harris. Um den Rechtsstreit beizulegen, zahlte CBS 16 Millionen Dollar an Trump. Colbert kommentierte diese Zahlung in seiner Sendung als «a big fat bribe», also als Schmiergeld. Auch in seinen letzten Folgen thematisierte er die Geschäftspraktiken Trumps und deren potenzielle Kosten für die US-Steuerzahler.
Zugleich wurde kürzlich bekannt, dass das US-Justizministerium die Prüfung der Steuererklärungen von Trump und seinen Unternehmen dauerhaft untersagt hat. Solche Fakten offenbaren eine strukturelle Ungerechtigkeit, die satirische Mittel ad absurdum führt. Wenn die Realität derart entlarvend ist, verliert der Witz seine Pointe.
Die Grenzen der satirischen Kritik
Dieses Phänomen betrifft auch deutsche Formate wie «Die Anstalt» oder die «Heute Show». Wenn Politiker wie Friedrich Merz eine 70-Stunden-Woche fordern, Arbeitende als faul bezeichnen und gleichzeitig Milliardenwaffendeals abschließen, prallen satirische Einwände ab. Die Kritik trifft auf Akteure, die nicht kritisierbar sind, weil sie dem demokratischen Druck nicht weichen.
Ein Kanzler, der bei öffentlichen Auftritten ausgebuht wird und dennoch sozialpolitisch restriktive Entscheidungen trifft, entzieht sich der klassischen Peinlichkeit. Ein Präsident, der seine Wahrnehmung als Witzfigur memefähig macht, neutralisiert den Spott. Und ein Außenminister, der die Kritik an der eigenen Wehrpflicht-Politik lobt, um sie dann trotzdem umzusetzen, demonstriert eine neue Qualität der Immunisierung gegen öffentlichen Widerspruch.
Normalisierung sozialer Ungleichheit
Die eigentliche Schwäche der politischen Satire liegt in ihrer Prämisse. Sie unterstellt, dass ungerechtes Handeln eine Abweichung von einem guten System ist. In einem kapitalistischen System jedoch, das darauf ausgelegt ist, Reiche reicher zu machen, handeln Akteure wie Merz oder Trump systemkonform. Sie sind keine schlechte Abweichung, sondern logische Resultate bestehender Machtstrukturen.
In dieser Konstellation wird Satire zu einem Coping-Mechanismus. Den Rentnern, die Pfandflaschen sammeln, den Obdachlosen und den alleinerziehenden Müttern, die mehrere Jobs brauchen, bleibt nur der schwarze Humor. Wenn die existenzgefährdende Grundsicherung beschlossen wird, ist die Musikkapelle auf der sinkenden Titanic das einzige, was bleibt. Das Ende der «Late Show» markiert somit nicht nur das Aus eines Formats, sondern wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wenn das Lachen angesichts absurder Ungerechtigkeit vergeht, muss die Kritik anders formuliert werden.