Klimawandel macht zugefrorene Ostsee zum seltenen Phänomen
Die derzeit zugefrorene Ostsee vor der deutschen Küste ist ein beeindruckendes Naturschauspiel, das jedoch aufgrund des Klimawandels immer seltener auftritt. Wo normalerweise Wellen rauschen, knirscht nun das Eis, und weiße Eisflächen erstrecken sich bis zum Horizont.
Wissenschaftliche Daten belegen dramatischen Rückgang
Dr. Jürgen Holfort, Eisexperte und Klimaforscher, erklärt die beunruhigende Entwicklung: "In den letzten Jahren kam es nicht mehr so oft vor. Davor hatten wir schon mehr. Da merkt man schon den Klimawandel." Seine Forschungsdaten aus einem Atlas, der den Zeitraum von 1960 bis 2010 umfasst, zeigen einen eindeutigen Trend.
"Wir haben 50 Jahre in drei 30-Jahres-Abschnitte unterteilt: 1960 bis 1990, 1970 bis 2000 und 1980 bis 2010. Wenn wir betrachten, wie oft Eis vorkommt, sehen wir unheimlich, dass es immer weniger Eis geworden ist", so Holfort. Satellitendaten bestätigen, dass die maximale Eisfläche der Ostsee über die Jahrzehnte deutlich kleiner wurde als noch Mitte des 20. Jahrhunderts.
Aktuelle Wetterlage ermöglicht seltenes Spektakel
In diesem Winter haben hohe Luftdrucklagen über Skandinavien für wochenlange Kälte gesorgt. "Was wir brauchen, ist natürlich einen längeren Zeitraum mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Was jetzt mit dem längerfristigen Ostwind gegeben war", erklärt der Experte die aktuellen Bedingungen.
Diese stabilen Verhältnisse schufen ideale Voraussetzungen für die Eisbildung auf der Ostsee, ein Phänomen, das in den vergangenen Jahren aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen immer seltener wurde.
Lebensgefährliche Risiken beim Betreten des Eises
Trotz der Faszination warnt Holfort eindringlich vor den Gefahren: "Risse, Strömungen oder unter Schnee verborgene Löcher machen das Betreten sehr riskant." Besonders tückisch seien Fahrrinnen und versteckte Spalten im Eis.
"Wenn Schnee drauf liegt, sieht man die gar nicht, so dass man da doch einbrechen kann", betont der Wissenschaftler. Lokales Wissen und gesunder Menschenverstand seien unerlässlich für jeden, der sich dem Eis nähert.
Prognose: Warmer Regen als größte Bedrohung
Die Dauer des aktuellen Eisspektakels hängt von der Wetterentwicklung ab. "Was das Eis schnell zum Verschwinden bringt, ist warmer Regen", warnt Holfort. Während das Eis in geschützten Gebieten wie dem Greifswalder Bodden noch stabil liegt, zeigen sich im westlichen Teil der Ostsee bereits erste Auflösungserscheinungen.
Die zugefrorene Ostsee bleibt ein echtes Highlight, doch die wissenschaftlichen Daten machen deutlich: Solche Naturschauspiele werden aufgrund des fortschreitenden Klimawandels in Zukunft noch seltener zu bestaunen sein.