Jakobskreuzkraut breitet sich aus: Gefahr für Weidetiere in Deutschland
Das Jakobskreuzkraut, eine heimische Pflanze mit hohem Giftgehalt, breitet sich laut der Landwirtschaftskammer Nordrhein in den letzten Jahren zunehmend aus. Die Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide (PA), die im Körper zu giftigen Verbindungen umgewandelt werden und Leberschäden verursachen können. Während die direkte Gefahr für Menschen gering ist, sind Weidetiere wie Pferde, Rinder und Schafe besonders betroffen. Getrocknet verliert das Kraut seinen bitteren Geschmack, sodass Tiere es nicht mehr meiden. Heu mit Kreuzkrautanteil darf laut Ministerium nicht als Futter verwendet werden.
Warum ist das Jakobskreuzkraut gefährlich?
Die Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in der Leber zu toxischen Metaboliten umgewandelt werden. Schon geringe Mengen können bei Tieren zu schweren Leberschäden bis hin zum Tod führen. Für Menschen besteht eine indirekte Gefahr durch belastete Lebensmittel wie Tee, Kräuter oder Honig, sofern die Pflanzen in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen wachsen.
Welche Regionen sind besonders betroffen?
Das Kraut gedeiht vor allem auf stillgelegten Flächen, extensiv bewirtschafteten Weiden und ungenutzten Wiesen. Landwirt Andreas Frahm aus Schleswig-Holstein schätzt, dass drei Millionen Hektar landwirtschaftliche Flächen in Deutschland akut betroffen oder bedroht sind. 150.000 Hektar befinden sich derzeit in einem von ihm entwickelten Bereinigungsverfahren.
Wie bekämpfen Landwirte die Ausbreitung?
Das Landwirtschaftsministerium empfiehlt vorbeugende Maßnahmen wie eine dichte Grasnarbe. Bei höheren Pflanzendichten können die Pflanzen vor der Blüte gemäht oder gemulcht werden. Herbizide dürfen nur von sachkundigen Personen eingesetzt werden. Martina Gerndt von der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland rief im Umland von Verden zur fachgerechten Entsorgung auf. Sie rechnet damit, dass die Menge von 2,5 Tonnen aus dem Jahr 2023 bei weitem überschritten wird.
Gibt es natürliche Bekämpfungsmethoden?
Ja, der Blutbär, auch Jakobskrautbär genannt, ist ein Schmetterling, dessen Raupe die giftige Pflanze frisst. Andreas Frahm hat ein Verfahren entwickelt, mit dem betroffene Flächen innerhalb von vier Jahren nahezu befreit werden können. Der Nabu Niedersachsen lehnt hingegen ein frühzeitiges Mähen und Mulchen ab, da dies natürliche Strukturen von Wiesenameisen zerstört und Nester von Bodenbrütern wie Braunkehlchen, Wachtel oder Dorngrasmücke beseitigt.
Wie verbreitet sich die Pflanze?
Ähnlich wie Löwenzahn produziert das Jakobskreuzkraut pro Pflanze bis zu 150.000 flugfähige Samen, die vom Wind verbreitet werden. Laut dem Landvolk Niedersachsen überlebt ein Samenkorn im Boden 15 bis 20 Jahre. Die Biologin Johanna Lill von der Uni Gießen betont, dass die Pflanze als einheimische Art eine Daseinsberechtigung hat, aber in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen ein Problem darstellt und dort entfernt werden sollte.
Was bedeutet das für Pferdehalter und Landwirte?
Pferdehalter sind alarmiert, da die Kontrolle schwierig ist. Landwirte und Tierhalter sind in der Eigenverantwortung, das Kraut zu bekämpfen. Im Garten ist eine Entfernung nicht zwingend notwendig, es sei denn, Kinder könnten die Pflanze essen. Insgesamt ist das Jakobskreuzkraut ein ernstes Problem für Weidetiere, das durch gezielte Maßnahmen und Aufmerksamkeit eingedämmt werden muss.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Jakobskreuzkraut
Ist das Jakobskreuzkraut für Menschen tödlich?
Nein, für Menschen stellt es in der Regel keine direkte Gefahr dar. Die Hauptgefahr besteht indirekt durch belastete Lebensmittel wie Tee oder Honig, die Pyrrolizidinalkaloide enthalten können.
Wie erkenne ich das Jakobskreuzkraut?
Die Pflanze hat gelbe Blüten, die an Gänseblümchen erinnern, und wächst auf Wiesen, Weiden und Brachflächen. Sie ist vor allem von Juni bis Oktober blühend zu sehen.
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung bei Tieren?
Bei Verdacht auf Vergiftung sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden. Symptome können Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Gelbsucht sein.