Frauen an der Spitze von Bauträgern: Wie Melanie Hammer das Bauen verändert
Melanie Hammer gehört zu den wenigen Frauen an der Spitze eines Bauträgerunternehmens. Die 43-Jährige leitet seit zwölf Jahren die BHB-Gruppe aus Grünwald, die ihr Vater gegründet hat und die inzwischen Tausende Wohnungen in München und Umgebung gebaut hat. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum spricht sie über ihren Weg von der Architektin zur Unternehmerin und erklärt, warum ihre Perspektive als Frau zu besseren Wohnungen führen kann.
Vom Traum der Architektur zur Übernahme des Familienunternehmens
Hammer wollte ursprünglich nicht Bauträgerin werden. „Ich wollte immer ein Architekturbüro haben und wäre gerne eine zweite Zaha Hadid geworden“, sagt sie. Die irakisch-britische Star-Architektin beeindruckte sie nicht nur wegen ihrer monumentalen Bauten, sondern vor allem, weil sie sich als Frau durchgesetzt hat. Hadid war die erste weibliche Pritzker-Preisträgerin, der wichtigsten Auszeichnung für Architektur.
Nach dem Architekturstudium arbeitete Hammer mit der Gruppe Agropolis München an Konzepten für agrikulturellen Städtebau. Das Team gewann den ersten Platz bei einem städtischen Wettbewerb für Freiham. Doch dann kam der Wendepunkt: „Irgendwann sagte mein Vater: ‚So, jetzt ist es an der Zeit, dass du die unternehmerischen Realitäten kennenlernst‘“, erinnert sich Hammer.
Der plötzliche Tod des Vaters und die Entscheidung zur Übernahme
Die Übernahme der Firma war keine geplante Karriereentscheidung. „Mein Vater ist sehr plötzlich verstorben. Ich stand vor der Entscheidung: entweder aufgeben, was mein Vater mit viel Mühe und Einbußen an Lebensqualität aufgebaut hat, oder die Zähne zusammenbeißen und weitermachen“, erklärt Hammer. Von einem Tag auf den anderen hatten ihre Mutter und sie ein Bauträgerunternehmen mit zwei Gesellschafterinnen. Heute bezeichnet sich Hammer selbst als „Alchemistin des Bauens“.
Durchsetzung in einer Männerdomäne
Mit 31 Jahren übernahm Hammer die Führung. Die Kombination aus jung, weiblich und Architektin war in der Branche ungewöhnlich. „Ich musste mich mit meinen neuen Ideen beruflich schon durchsetzen, sowohl intern als auch extern“, sagt sie. „Die Mischung aus jung, weiblich und Architektin sorgte sicherlich dafür, dass mir das eine oder andere überhebliche Lächeln begegnet ist oder ich mir den einen oder anderen Spruch abgeholt habe.“ Später kamen drei Kinder dazu, was ihre Position nicht einfacher machte.
Die weibliche Perspektive als Planungsleitfaden
Aus der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Rolle entstand ein konkreter Ansatz: Hammer und ihr Team entwickelten einen Planungsleitfaden mit acht Ebenen, darunter Mobilität, Sicherheit, Ästhetik, Leistbarkeit und Klimasensibilität. Grundlage war die Frage, welche Themen Frauen in Städten anders betreffen als Männer.
Sicherheit im öffentlichen Raum
Ein zentraler Punkt ist die Sicherheit. „Frauen fühlen sich häufig im öffentlichen Raum immer noch unsicherer als Männer. Dazu zählen auch Tiefgaragen oder dunkle Durchgänge, wo man abends nicht gerne durchgehen möchte, also Angsträume“, erklärt Hammer. Beim Bauprojekt Futuria in Garching setzt das Unternehmen auf Leuchtpigmente im Boden: Platten, die sich tagsüber mit Sonnenlicht aufladen und abends leuchten. „Das macht alles viel freundlicher und fühlt sich sicherer an“, so Hammer.
Klimasensibles Bauen mit geringen Mehrkosten
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Klimasensibilität. Frauen nehmen Temperaturen unterschiedlich wahr, Schwangere vertragen Hitze schlechter. Hammer versucht, möglichst wenig zu unterbauen, viele Pflanzen zu integrieren sowie begrünte Fassaden und Dächer zu schaffen. Beim Projekt Mooritz in Gauting plant das Unternehmen eine berankte Fassade und klimaresiliente Großbäume.
Die Mehrkosten halten sich in Grenzen. „Manchmal hilft bereits der Verzicht auf Unnötiges, etwa auf Tiefgaragen an gut erschlossenen Standorten“, sagt Hammer. Kleine Maßnahmen wie Bienen auf dem Dach oder eine freundlich gestaltete Tiefgarage kosteten gerade einmal 1,80 Euro mehr pro Quadratmeter und könnten dazu beitragen, dass Bewohner mit besserer Laune ankommen.
Fazit: Mehr Diversität in der Baubranche
Hammers Beispiel zeigt, dass Diversität in Führungspositionen nicht nur ein gesellschaftliches Anliegen ist, sondern auch konkrete Auswirkungen auf die gebaute Umwelt haben kann. Die Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven führt zu durchdachteren Lösungen, die Sicherheit, Klimaschutz und Lebensqualität gleichermaßen berücksichtigen. In einer Branche, die traditionell von Männern dominiert wird, ist das ein wichtiges Signal für mehr Inklusion und soziale Verantwortung.