Digitale Inklusion: Neue Tafel revolutioniert das Lernen für Kinder mit Behinderungen
In der Stephanus-Schule in Weißensee erleben 13 Kinder und ihre Betreuer eine kleine Revolution im Klassenzimmer. Eine neue digitale Tafel, finanziert durch eine Spende von 7.000 Euro des Vereins Berliner helfen e.V., eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Kinder mit mehrfachen Behinderungen.
Spende ermöglicht innovative Lernmittel
Der Förderverein der Schule hatte sich im Rahmen der Jubiläumsspendenaktion an den Verein der Berliner Morgenpost gewandt. "Wir unterstützen die Stephanus-Schule unter anderem bei der Beschaffung von speziellen Lernmitteln, die nicht aus dem Schulhaushalt bestritten werden können", erklärte die Vorsitzende des Fördervereins, Angelika Arndt. Diese Lernmittel seien notwendig, um die besonderen Belange von Kindern mit mehrfachen Behinderungen im Unterricht zu fördern.
Interaktives Lernen für alle
Lehrer Mathias Alwins demonstriert mit Kindern aus drei verschiedenen Unterstufenklassen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der digitalen Tafel. Bei einer Übung zum Wochentag schiebt ein Junge das Wort "Mittwoch" an die richtige Stelle und ordnet auch "gestern" und "morgen" korrekt zu. Parallel werden die Worte in Gebärdensprache auf dem Bildschirm dargestellt.
Beim "Zeichnen" eines Schneemanns können die Kinder verschiedene Elemente per Touch an die richtige Stelle schieben oder einen Hut "malen". "Mit Stift und Papier würden das die meisten Kinder nicht schaffen, aber so können sie mitgucken und mitmachen", betont Angelika Arndt, Mitgründerin und ehemalige Leiterin der Stephanus-Schule.
Synergien zwischen digitaler Tafel und Tablets
Besonders wertvoll erweist sich die Kombination der digitalen Tafel mit speziellen Tablets, sogenannten Talkern. Jedes Kind, das nicht verbal kommuniziert, verfügt über ein solches Gerät mit Sprachausgabe. Die Kinder tippen Zeichen und Symbole an, die dann verbalisiert werden. Diese von Krankenkassen finanzierten Tablets können ihre Inhalte auf die Tafel projizieren.
"Dadurch wird das, was ein Kind sagen möchte, für die ganze Gruppe sichtbar", erklärt das pädagogische Konzept. So können auch Kinder ohne Lautsprache von ihrem Wochenende berichten oder Erlebnisse teilen.
Digitale Teilhabe als Menschenrecht
Schulleiter Detlef Dumon hebt die transformative Wirkung hervor: "Früher haben wir mit ausgedruckten Zetteln und Bildern gearbeitet, was sehr umständlich war. Für unsere Kinder sind die digitalen Geräte kein Spielzeug, sondern entscheidend, damit sie sich mitteilen können."
Die digitalen Tafeln ermöglichen zudem Kindern, die krankheitsbedingt zu Hause bleiben müssen, die Teilnahme am Unterricht durch die Verbindung über ihre Tablets.
"Gerade autistische Kinder sind fokussierter beim Lernen, und auf dem Bildschirm kann Schritt für Schritt der Lerninhalt sichtbar und verständlich gemacht werden", erläutert Dumon die pädagogischen Vorteile.
Inklusion durch Technologie
Programme wie Metatalk und Activinspire unterstützen die Lehrkräfte dabei, Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichen Lernniveaus zu unterrichten. Pro Klasse werden von einer Lehrkraft und einem Pädagogen fünf bis maximal zehn Kinder im Alter zwischen 6 und 18 Jahren betreut.
"Unser Ziel ist, diejenigen mit entsprechenden Voraussetzungen bestmöglich auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten", betont Schulleiter Detlev Dumont. Seine Kollegin Mathilda Simonett ergänzt: "Letztlich geht es für alle Kinder um Inklusion und Teilhabe – ein Menschenrecht."