Commerzbank mit Rekordgewinn: Gespräche mit Unicredit über Übernahme
Die Commerzbank hat im zweiten Quartal 2026 einen Gewinnsprung verzeichnet und sieht sich dadurch gestärkt für Verhandlungen mit ihrer Großaktionärin Unicredit. Der Dax-Konzern aus Frankfurt teilte mit, man sei bereit für konstruktive Gespräche. Ein gemeinsamer Ansatz könne Mehrwert schaffen.
Gewinn verdoppelt: 898 Millionen Euro im zweiten Quartal
Von April bis Juni 2026 stieg der Überschuss der Commerzbank von 462 Millionen Euro auf 898 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatten Kosten für den Abbau Tausender Stellen das Ergebnis belastet. Im ersten Halbjahr erzielte die Bank einen Rekordgewinn von 1,8 Milliarden Euro. Der Vorstand sieht das Institut auf Kurs, das Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro zu erreichen.
Unabhängigkeit der Commerzbank in Gefahr?
Die Bank plant, bis zu 1,2 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien zu investieren. Mit Aktienrückkäufen und höheren Gewinnen wollte Vorstandschefin Bettina Orlopp die Aktionäre bei der Stange halten und so die Unabhängigkeit des 1870 gegründeten Instituts sichern. Doch die italienische Unicredit hat knapp zwei Jahre nach ihrem Einstieg Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile. Unicredit-Chef Andrea Orcel erwartet eine baldige Kontrollübernahme.
Orlopp: Gestaltungsauftrag für beide Seiten
„Auch wenn die Unicredit über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügt, kann sie über wesentliche Strukturmaßnahmen nicht allein entscheiden“, betonte Orlopp. „Das ist ein klarer Gestaltungsauftrag für beide Seiten. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Stakeholder.“ Der Bund, der nach der Finanzkrise 2008/2009 noch gut zwölf Prozent der Anteile hält, hat ein Mitspracherecht.
Droht der Abbau Tausender Jobs?
Orcel strebt mit einer Übernahme eine europäische Großbank an, auch als Gegengewicht zu US-Instituten. Die Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank aktiv und sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen, inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Das aus Commerzbank-Sicht „feindliche Vorgehen“ der Italiener stößt auf Widerstand bei Management, Betriebsrat und Belegschaft. Auch der Bund äußerte sich kritisch.
Trickreiches Übernahmekonstrukt der Unicredit
Die Unicredit zog bis Anfang Juli per freiwilligem Übernahmeangebot weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land. Zusammen mit den zuvor gehaltenen 26,77 Prozent steigt ihr Anteil rechnerisch auf 44,37 Prozent. Über Kaufoptionen hat sie Zugriff auf weitere 3,22 Prozent, sodass der Anteil auf 47,59 Prozent steigen könnte. Nach Erkenntnissen der Commerzbank stammten nur 2,7 Prozent der Anteile von Profi-Investoren und Privatanlegern; der Rest überwiegend von Banken, mit denen die Unicredit über Finanzinstrumente Geschäfte macht. Die Commerzbank hatte der Unicredit vorgeworfen, ihre Aktienposition „künstlich aufzublähen“, und schaltete die Finanzaufsicht Bafin ein. Ein Ergebnis steht aus.
Strafanzeige des Betriebsrats ins Leere gelaufen
Eine Strafanzeige des Commerzbank-Gesamtbetriebsrats wegen des Verdachts der Marktmanipulation wurde von der Staatsanwaltschaft Frankfurt abgelehnt. Die Behörde teilte mit, dass zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat nicht festgestellt werden konnten.
Foto: Der Tagesspiegel