Bahnstrecke Berlin-Hamburg: Verzögerungen bei Generalsanierung verschärfen soziale Ungleichheit
Die angekündigte Verzögerung der Generalsanierung auf der wichtigen Bahnstrecke Berlin-Hamburg trifft besonders Berufspendler aus strukturschwachen Regionen. Statt wie versprochen zum 30. April abgeschlossen zu werden, dauern die Bauarbeiten aufgrund des anhaltenden Frosts auf unbestimmte Zeit an.
Pendler zwischen Existenznot und fehlender Infrastruktur
Am Schweriner Hauptbahnhof warten Berufstätige bei eisigen Temperaturen auf Ersatzbusse. Die Situation verdeutlicht ein strukturelles Problem: Etwa 1400 Menschen pendeln täglich von Schwerin nach Hamburg, oft aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. "Viele Menschen sind gerade wegen der guten Bahn-Anbindung nach Schwerin gezogen", erklärt eine Pendlerin. Die meisten Berufstätigen müssten pendeln, "wenn sie einen ordentlichen Job haben wollen, der ein bisschen mehr Geld bringt als hier auf dem Land".
Die monatlichen Kosten von 300 Euro für eine ICE-Fahrkarte belasten die Haushalte erheblich. Gleichzeitig plant die Deutsche Bahn die Streichung früher ICE-Verbindungen, was die Situation weiter verschärft.
Systemversagen mit sozialen Folgen
Besonders problematisch ist die geplante Streichung des ICE um 7:20 Uhr Richtung Hamburg. Die Bahn begründet dies mit einer angeblich geringen Auslastung von 15 Prozent. Pendler kritisieren jedoch, dass dies hausgemacht sei: Nachdem ein früherer ICE später abfuhr, wechselten viele Fahrgäste zu dieser Verbindung.
Der als Alternative vorgesehene ICE, der erst gegen 9:15 Uhr in Hamburg ankommt, ist für viele Berufstätige zu spät. Die empfohlenen Regionalzüge werden als überfüllt und unzumutbar beschrieben.
Verkehrswende in der Sackgasse
Die Konsequenzen sind absehbar: Zahlreiche Pendler steigen auf das Auto um, was zu überlasteten Autobahnen führt. Dies konterkariert klimapolitische Ziele und zeigt das Versagen einer nachhaltigen Verkehrspolitik auf.
Eine Pendlerin berichtet von 14-stündigen Arbeitstagen inklusive Pendelzeit. Ihre Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz' Äußerungen über angeblich faule Deutsche verdeutlicht die Diskrepanz zwischen politischen Forderungen und der Realität arbeitender Menschen.
Die Situation an der Bahnstrecke Berlin-Hamburg zeigt exemplarisch, wie unzureichende öffentliche Infrastruktur soziale Ungleichheit verstärkt und die Verkehrswende gefährdet.